Wie klingt eigentlich ein Tintenfisch? Diese Frage kann Ihnen Professional-Audio Magazin nicht beantworten. Dafür zeigen wir, was der Krake von RME als achtkanaliger Vorverstärker zu bieten hat und durchleuchten den Octamic D von Kopf bis in die Tentakeln.
Unter Wasser gilt der Octopus – der übrigens der Gattung der Kopffüßer angehört – als hoch entwickelt, flexibel und leistungsstark. Achtarmig und mit drei Herzen in seiner Brust ist er das intelligenteste Weichtier unseres blauen Planeten, also eine überaus clevere Entwicklung der Natur. Fangarme mit Saugnäpfen hat der Octamic D von RME nicht, dafür aber acht kombinierte Mikrofon- und Lineeingänge, eine konfigurierbare Sub-D-Buchse für S/PDIF- und AES/EBU-Formate, sowie optische ADAT-Ausgänge, womit er seine Fühler auch in Richtung digitaler Audio-Umgebungen ausstreckt. Das ADC-Modul arbeitet mit Samplingfrequenzen bis zu 192 Kilohertz bei 24 Bit Wortbreite und die so genannte Superclock verspricht optimale Synchronisation in komplexen Geräteverbünden. Als clevere mehrkanalige Lösung verfügt der Octamic D für den mobilen Einsatz über einen weiten Spannungsbereich, so dass er netzunabhängig über einen Bleiakku betrieben werden kann. Er ist als achtkanaliges Frontend eine gute Ergänzung zum Hammerfall-DSP-System von RME. Er eignet sich folglich sowohl für die direkte Anbindung an den Musik-PC über eine geeignete PCI-Karte (RME HDSP 9652), als auch für eine mobile Lösung mit einem Notebook, das über eine PCMCIA-Karte (CardBus II) mit I/O-Box (Digiface) oder Audio-Interface (Multiface II) eingebunden werden kann. Den Octamic gibt es in zwei Ausführungen, ohne ADC-Modul (819 Euro) und in der uns vorliegenden D-Version (1.126 Euro) mit der Möglichkeit der A/D-Wandlung. Während sein organischer Artgenosse aus den Tiefen der Meere am besten in einer pikanten Weinsauce auf den Tisch kommt, liegt der Octamic D zunächst unbehandelt vor uns. Wir wollen sehen, wozu der viel versprechende Vorverstärker taugt und was sich als Beilage für den mobilen Einsatz empfiehlt.
Der Octamic D ist ein 19-Zoll-Gerät im robusten Metallgehäuse und mit tintenblauer Frontplatte. Die Bedienelemente sind übersichtlich in acht identisch aufgebaute Felder unterteilt. Durch Druck dreier grauer Tastschalter, lässt sich jeweils die Phantomspannung einschalten, die Phase drehen und der Low-Cut-Filter aktivieren. Letzterer arbeitet in einem Bereich von 80 Hertz mit einer Flankensteilheit von 18 Dezibel pro Oktave. Die drei dazu gehörenden Kontroll-LEDs erinnern farblich an eine Ampelanlage. Die rote Clip-Anzeige bedeutet Stopp, das Signal ist übersteuert. Die gelbe LED bedeutet Achtung, die Phantomspannung ist aktiviert und das grüne Licht, freie Fahrt für die Aufnahmen, ein Signal kommt an. Die Clip-Anzeige leuchtet in Abhängigkeit des ausgewählten Referenzpegels für den Ausgang. Dieser ist zwischen High Gain (+10 dBu), +4 dBu und -10 dBV über einen Tastschalter zu wählen und gilt für alle acht Kanäle. Jeweils zwei Dezibel vor erreichen des Referenzpegels mit einem Headroom von neun Dezibel erklimmt die Warnleuchte. Die Clipanzeige bezieht sich also folglich auf den Ausgangspegel.
Bei Line-Eingangs-Pegeln, siehe weiter unten, ist allerdings Vorsicht geboten, da die maximale Eingangsspannung von +10 dBu - die Messwerte entsprechen hier exakt den Herstellerangaben - unter umständen nicht ausreicht. Viele Studiogeräte liefern als Spitzenpegel deutlich mehr als + 10 dBu Ausgangsspannung, der Oktamik ist dann schnell übersteuert. Diese Tatsache ist allerdings differenziert zu betrachten, denn immerhin ist der achtkanalige RME-Vorverstärker vor allem...