Test: Bändchen-Mikrofone

Moderne Klassiker

Im Digital-Zeitalter feiert eine lange zu Unrecht unterschätzte Mikrofongattung ihre Wiederauferstehung: Das Bändchen ist zurück und soll Produktionen mit charaktervollem Eigenklang bereichern und vor steriler Kälte bewahren.

Von Michael Nötges und Harald Wittig

Als in 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts das Kondensator-Mikrofon die Tonstudios weltweit eroberte, sah es eine zeitlang so aus, als würde eine Mikrofongattung, die jahrzehntelang für den guten Ton sorgte, aussterben: Bändchen-Mikrofone. Heutzutage, wo viele Produzenten nicht mehr das klinisch reine Hochglanzprodukt anstreben, sondern die sprichwörtliche analoge Wärme vergangener Zeiten wiedergewinnen wollen, erleben die Bändchen-Mikrofone ihre Renaissance. Denn ihnen ist ein besonderer, gerne als warm beschriebener Klang zu Eigen. Richtig eingesetzt sind sie daher eine wirkungsvolle Alternative zu den neutralen, ehrlichen und mitunter nüchternen Kondensator-Mikrofonen. Grund genug für Professional audio Magazin acht aktuelle Bändchen-Mikrofone eingehend unter die mess- und hörtechnische Lupe zu nehmen, um herauszufinden, was wirklich dran ist am neu entstandenen Kult ums Bändchen.

Neben echten Klassikern wie dem M 130 und dem M 160 von Beyerdynamic, besteht das Testfeld aus modernen Versionen legendärer Vorbilder sowie gänzlich neuen Entwicklungen. Die getesteten Mikrofone eint daher nur das Funktionsprinzip, ansonsten unterscheiden sich die acht Kandidaten zum Teil beträchtlich in den technischen Details. Deshalb lassen wir – entgegen den Gepflogenheiten der bisherigen Mikrofontests – die Kandidaten nicht in einem klassischen Vergleich gegeneinander antreten. Stattdessen finden Sie auf den folgenden Seiten acht Einzeltests, denn damit können wir den unterschiedlichen Varianten der Bändchen-Konstruktion am Besten gerecht werden.
Bevor es in die Tiefen der Einzeltests geht, sei zum besseren Verständnis das Arbeits-Prinzip kurz erläutert. Beim Bändchen-Mikrofon dient eine hauchdünne Aluminiumfolie, die zwischen den Polen zweier Permanent-Stäbchenmagnete eingespannt ist, als Membran (siehe die Makroaufnahme auf dieser Seite). Das Bändchen schwingt im Takt der auftreffenden Schallwellen zwischen den beiden Magneten vor und zurück. Aufgrund der extrem geringen Membranmasse kann es den Schwingungen äußerst schnell und akkurat, fast ohne jegliche Verzögerung folgen: Bändchen-Mikrofone bieten daher beste Vorraussetzun-gen für ein exzellentes Impulsverhalten. Allerdings sind sie auch echte Sensibelchen und verlangen erhöhte Sorgfalt beim Um-gang: Behandeln Sie Ihr Bändchen-Mikro wie ein rohes Ei, setzen Sie es keinen stärkeren Erschütterungen aus. Achten Sie peinlichst darauf, dass es nicht auf den Boden fällt und – vor allem – blasen Sie niemals in die Kapsel, anderenfalls erleidet die Alufolie den verfrühten Bändchen-Tod. In der Praxis sollten Sie bei Gesangs- oder auch Querflöten-Aufnahmen den Popp-Schutz nicht vergessen und ganz allgemein empfiehlt es sich, die Mikrofone nicht...

Das wars, wenn Sie weiterlesen möchten, müssen Sie sich als Extended-User anmelden

Loggen Sie sich in der MyPaM-Box als Extended-User oder Abonnent ein. Noch kein Extended-User? Registrieren Sie sich kostenlos und unverbindlich hier