Die Bezeichnung Komplexer für Terratecs erstes virtuelles Instrument könnte den Schluss zulassen, dass es sich um ein schwierig zu programmierendes Instrument handelt. Wir konnten uns vom Gegenteil überzeugen und haben uns in das nicht allzu komplexe Labyrinth des vermeintlich schwierigen Testkandidaten begeben.
Die im niederrheinischen Nettetal beheimatete Firma Terratec ist bis dato als Produzent von Hardware bekannt. Von Video- und TV-Peripheriegeräten bis hin zu PCI-Soundkarten und Audio-Interfaces, aber auch eher exotischen Produkten wie dem MIDI-Converter Axon AX 100 MKII, Test in Heft 1/2007, reicht die Palette. In dem Zusammenhang ist es schon bemerkens-wert, wenn eine Firma ihr angestammtes Terrain verlässt und sich in Gefilde begibt, die von ungleich länger etablierten Mitbewerbern erfolgreich besetzt ist. Doch mit Stefan Stenzel, der früher bei der – mittlerweile wieder existenten – Synthesizer-Schmiede Waldorf tätig war, haben sich die Nettetaler einen versierten Programmierer an Bord geholt, um den Haifischen im Teich der virtuellen Instrumente Paroli zu bieten.
Die Ausstattung der knapp 200 Euro teuren Software zeigt sich beim ersten Blick wenig spektakulär. Der Komplexer verfügt über drei Oszillatoren, zwei Filter, vier Hüllkurven, drei LFOs, eine Modulations-Matrix, einen Arpeggiator, eine Effekt-Sektion und acht Makro-Regler zur bequemen Editierung mehrerer Parameter auf einen Schlag. Die Architektur folgt dabei der subtraktiven Synthese. Soweit enthält das Instrument also nichts, was die Mitbewerber nicht auch in gleicher oder ähnlicher Form aufzubieten haben. Erst ein zweiter intensiverer Blick offenbart die profilierenden Eigenheiten des Instrumentes: Fast jedes einzelne Modul ist um profilierende Zusatzfunktionen erweitert, die dem gesamten Instrument zu seiner Eigenständigkeit verhelfen.
So wartet der Komplexer mit einem eigenen Konzept zur Organisation von Klängen auf. Sein Arpeggiator beispielsweise erlaubt vielfältige Eingriffsmöglichkeiten. Schließlich enthalten die Oszillatoren zwei Wavetables, die den Klangvorrat deutlich erweitern, die Hüllkurven warten mit einer besonderen Art des ADSR-Konzepts auf, der dritte LFO enthält eine Art Step-Sequenzer Funktion und schließlich erlaubt ein so genannter Arithmetic-Dialog die Generierung neuartiger Modulatoren, die in der Modulations-Matrix zum Zuge kommen. Als Sahnehäubchen kommt hinzu, dass der Komplexer es gestattet, weitere Wavetables in den Speicher zu laden, was das Klangspektrum quasi endlos erweitert. Schließlich ist es auch noch möglich, die Sounds des immer noch erhältlichen Hard-ware-Synthesizers Waldorf Micro-Q zu importieren.
Doch der Komplexer ist keine schnöde Nachahmung des Micro-Q. Vielmehr wartet der virtuelle Synthesizer mit einem eigenen Set an Wavetables auf und die Modulations-Matrix, sowie der Arpeggiator zeigen sich deutlich erweitert beziehungsweise unterschiedlich ausgelegt und manifestieren die Individualität des Terratec-Produkts. Interessant ist der Komplexer allerdings nur für Nutzer der VST-Schnittstelle auf Windows-Ebene. Wer mit dem Mac musiziert oder die Direct-X-Schnittstelle nutzen will, hat Pech gehabt. RTAS-Jünger können sich zumindest mit einer entsprechenden VST-to-RTAS-Wrapper Software behelfen. Den Vorrat an...