Von Georg Berger
Das im baden-württembergischen Pfinztal beheimatete Software-Unternehmen Virsyn Software Synthesizer ist am Markt vor allem für seine virtuellen Instrumente bekannt. Die Entwicklung von Effekt-Plug-ins stand, mit Ausnahme der bereits seit einem halben Jahr erhältlichen Hallsimulation Reflect, bis dato ganz unten auf der Prioritätenliste. Doch das hat sich jetzt mit Präsentation der Produkte Vtape und Matrix geändert. Zusammen mit Reflect, das jüngst in der Update-Version 1.2 präsentiert wurde, haben wir die Neuheiten einem ausführlichen Praxistest unterzogen. Vtape soll die Klang-Charakteristika analoger Bandaufnahmen reproduzieren und stellt sich als Bundle vor, bestehend aus zwei Plug-ins, Vtape Saturator und Vtape Delay, das für knapp 200 Euro über die Ladentheke geht. Vtape-Saturator konzentriert sich ausschließlich auf die Emulation eines analogen Tonbandklangs, Vtape-Delay erzeugt auf Basis des Saturator-Plug-ins den Klang alter Band-Echo-Geräte. Die Nummer drei des Produkttrios, das Matrix-Plug-in, emuliert die Schaltung eines klassischen Vocoders mit dem sich allerdings nicht nur die charakteristisch klingenden Roboterstimmen erzeugen lassen. Kostenpunkt: Knapp 170 Euro. Beide Produktneuheiten schielen eindeutig in die Vintage-Ecke und wollen den nach wie vor beliebten analogen Sound in die DAW portieren. Das ebenfalls etwa 170 Euro kostende Hall-Plug-in Reflect fällt etwas aus dem Rahmen: Sein Fokus liegt auf der Erzeugung eines modernen und aktuellen Hallklangs. Der Plug-in-Familie gemeinsam ist die schnell erfasste und leicht zu bedienende Ein-Fenster-Bedienoberfläche. Auch ohne das Durcharbeiten der knappen, aber ausreichend informativen Handbücher ist der Umgang im Wesentlichen schnell klar. Das Studium der Anleitungen ist dennoch zu empfehlen, liefern sie doch detaillierte Hintergrundinformationen über die emulierten Vorgänge. Ein weiteres gemeinsames Ausstattungsmerkmal aller Testkandidaten ist, neben den integrierten VST-, AU- und RTAS-Schnittstellen, der Browser-Dialog, der zur Auswahl und zum Speichern von Presets dient. Last not least verfügen zwei der drei Produkte über eine MIDI-Lern-Funktion zur Fernsteuerung der Parameter über MIDI-Controller, alle Parameter sind außerdem über die Host Automation des Sequenzers ansprechbar. Allerdings vermissen wir die MIDI-Lern-Funktion im Reflect-Plug-in, was seine Einsatzmöglichkeiten gerade für kreative Sound-Design-Anwendungen doch erheblich einschränkt. Ferner zeigen sich im Test bei Fernsteuerung der Reflect-Parameter über die Host Automation keine animierten Reglerbewegungen auf der Plug-in-Oberfläche, obwohl Klangänderungen deutlich zu hören sind. Diese Nachlässigkeiten sollten im Rahmen eines künftigen Updates beseitigt werden. Ansonsten überrascht Reflect mit einem bemerkenswert eigenwilligen Konzept zur Raumsimulation.
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