Test: Kompressoren Universal Audio 1176LN und LA-2A

Handarbeit

Bei der bloßen Nennung der Namen UREI 1176LN und Teletronix LA-2A kommen auch nüchterne Zeitgenossen in haltloses Schwär-men, den diese beiden Kompressoren werden nachgerade kultisch verehrt. Was wirklich dran ist am Doppelkult erfahren Sie in diesem Test.

Von Michael Nötges und Harald Wittig

Die Unternehmensgeschichte des amerikanischen Herstellers Universal Audio ist untrennbar mit einem Mann verbunden, der bei Kennern als Vater der modernen Aufnahmetechnik gilt: Milton Tasker „Bill“ Putnam Sr. (1920 bis 1989). Putnam war ein Alleskönner: Tontechniker, Produzent, Komponist, Studio Designer, Erfinder von Aufnahmegeräten und nicht zuletzt ein fähiger Geschäftsmann mit dem richtigen Riecher für die Bedürfnisse der Aufnahme-Profis. So er-fand und entwickelte er den ersten Multi-Band-Equalizer und gründete in den 60ger Jahren des vorigen Jahrhunderts Universal Audio. Im Rahmen des Unternehmens entstanden nach den grundlegenden Konzepten und Konstruktionsprinzipien Putnams Aufnahme-Equipment wie die berühmten Universal Konsolen. Im Jahre 1966 entstand der erste Prototyp des 1176, seines Zeichens der welterste Peak Limiter in Transistor-Schaltung. 1967 wurde Universal Audio in UREI (United Recording Electronics Industries) umbenannt und der 1176 ging in Serie. Putnam, stets aufmerksamer Beobachter der Pro-Audio-Szene erwarb im selben Jahr das Unter-nehmen Babcock Electronics, das zwei Jahre zuvor Teletronix und die Patente für deren Meisterstück, den LA-2A aufgekauft hatte. Putnam machte Teletronix zu einem eigenen UREI-Unternehmenszweig und ließ den LA-2A bis Ende 1969 produzieren, während der 1176 den Teletronix-Kompressor um einige Dutzend Jahre überlebte. 1983 setzte sich Putnam zur Ruhe und verkaufte UREI/Universal Audio und ein wichtiges Kapitel der Aufnahmegeschichte schien abgeschlossen. Im Jahre 1999 ließen Putnams Söhne Jim und Bill Putnam Jr. das Unternehmen unter dem alten Namen Universal Audio wiederauferstehen, um das Werk ihres berühmten Vaters fortzuführen. Sie sorgten vom Start weg für Aufhorchen in der Szene: Die ersten Geräte, die die Werkstätten verließen, waren exakte Repliken des UREI 1176LN und des Teletronix LA-2A. Eine kluge Entscheidung, denn die Originale sind weiterhin heiß begehrt bei Sammlern wie Anwendern und werden auf dem Gebrauchtmarkt zu unverschämten Preisen gehandelt. Allerdings sind die beiden Replikas mit Listenpreisen von rund 2.200 Euro (1176LN) und 3.500 Euro alles andere als Schnäppchen – immerhin handelt es sich nüchtern betrachtet nur um Mono-Kompressoren. Wer hier bereits abwinkt, dem sei gesagt: Die Putnam-Brüder bietet auch Software-Emulationen der beiden Kultgeräte für die eigene UAD-Plattform an. Wir werden diese Plug-ins in einer der nächsten Ausgaben testen und dabei direkt mit den Hardware-Geräten vergleichen, wobei Ihnen dieser Test der beiden Replikas als gute Grundlage dienen wird.

Universal Audios Teletronix LA-2A ist, wie eingangs erwähnt, eine weitgehend exakte Replik des legendären Vorbildes. Der LA-2A wird in Santa Cruz in kleinen Stückzahlen von Hand gebaut und ist komplett handverdrahtet. Für jede Einheit kommen nur ausgewählte Bauteile in Frage, teilweise handelt es sich wie bei den längst nicht mehr serienmäßig hergestellten Transformatoren um Nachbauten, die von spezialisierten Werkstätten im Auftrag von Universal Audio gefertigt werden. Dieser hohe Ferti-gungsaufwand schlägt sich natürlich im hohen Preis nieder.

Zuständig für Spannungs- und Ausgangsverstärkung sind beim LA-2A zwei 12AX7A und eine 12BH7-Röhre, die wie alle größeren Bauteile an die Gehäuserückseite montiert sind. Trotz der vorhandenen Glaskolben handelt es sich bei dem Gerät...

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