Test: Vergleichstest Drum-Mikrofone

Groove-Armada

Sechs Schlagzeug–Mikrofon-Sets von 265 bis 1800 Euro, mit insgesamt über 40 unterschiedlichen Mikrofonen, hat das Team von Professional audio Magazin gnadenlos an den Rand der Kessel geschickt. Ruhmreich zurückgekehrt sind alle, aber mit deutlich unterschiedlichen Ergebnissen.

Von Michael Nötges und Harald Wittig

Natürlicher Schlagzeug-Sound ist angesagt wie nie zuvor. Er war zwar immer ein wesentli-cher Bestandteil der Jazz- Rock- und Pop-Musik, ist aber durch elektronische Musikstile und technische Entwicklungen wie Drum-Computer und Sampler zeitweilig etwas aus der Mode geraten.  Besser gesagt: Die Programmierung von Grooves oder das Verwenden von eingespielten Samples erfordert kein Studio mit Regie und gut klingendem Aufnahmeraum, kein teures Equipment und gute Mikrofone, keinen Tontechniker, Praktikanten und exzellente Drummer.

Sind Schlagzeugaufnahmen deswegen out oder das luxuriöse Privileg großer, Budget-starker Produktionen? Nein. Sicherlich müssen Bands und kleinere Indipendent-Labels bei ihren Produktionen mit dem Budget haushalten, aber die Musiklandschaft zeigt, dass sich klassische Band-Projekte großer Beliebtheit erfreuen. Schlagzeug ist dabei ein wichtiges Element, das im Gegensatz zu Drum-Loops und Programmierungen mehr Persönlichkeit in einen Song bringt. Durch individuelle Fills und die Spielweise des Drummers lebt eine Produktion auf und wirkt – vorausgesetzt der Schlagzeuger spielt gut und das Set ist gekonnt abgenommen – lebendiger und frischer. Aus Kostengründen die Schlagzeugparts einer Band zu programmieren, kann zu neuer kreativer Anregung führen, der eigentliche Sound der Band geht aber verloren. Ergo bleiben Schlagzeug-Aufnahmen ein wichtiger Bestand-teil zahlreicher Produktionen.

Neben der Qualität des Schlagzeugs, der Vor-verstärker und des Aufnahmeraums, spielen  die Mikrofone eine entscheidende Rolle, um einen guten Schlagzeug-Sound zu fahren. Für unseren aufwendigen Test, haben wir deswe-gen für Sie sechs Mikrofon-Sets von T.bone, Smason, Audio-Technica, Shure, Beyerdynamic und Sennheiser ausgewählt und sie in die Preis-Segmente Low (bis 350 Euro), Mid (350 bis 700 Euro), High (ab700 Euro)  eingeteilt. Bei den Testkandidaten handelt es sich um vier siebenteilige Sets (T.bone, Samson, Audio-Technica und Beyerdynamic), das das Shure-Set, welches aus sechs Mikrofonen besteht und die Sennheiser-Kombination, die eine Zusammenstellung von Einzelmikrofonen der Evolution-Serie ist. Der Vertrieb hat uns außerdem zum Experimentieren alternativ ein spezielles Bass-Drum- (E 901) und Tom Tom-Mikrofon (E 906) mit in den Koffer gelegt.

Besonderes Augenmerk legen wir auf die Ausstattung der Sets, die Verarbeitung der Mikrofone,... das Befestigungskonzept und natür-lich den Klang und die Praxis-Tauglichkeit. Dafür Haben wir uns einen Tag lang mit Profi-Drummer Alexander Lemke, einem von der Firma Music und Technik aus Marburg zur Verfügung gestellten Mapex Schlagzeug der Saturn Serie mit Black Panther Snare und Sabian-Becken, den sechs Mikrofon-Sets und unserem Aufnahme-Equipment zurückgezogen. Im Auftrag des guten Tons besteht das Recording-Setup aus einem Win-dows XP Professional Notebook mit Cubase SX, Digiface (siehe Test, Heft 01/2007), dem achtkanaligen Mikrofon-Vorverstärker Micstasy (siehe Test, S. 34), dem Grace Design m904 Monitoring System (siehe Test S. 56) und  zwei ADAM P11A Monitoren (siehe Test, Heft 08/2006). Mikrofoniert wird das, wie Lemke beim Aufbau und ausgiebigen Stimmen des Sets feststellt, „sehr gutes Mittelklasse-Schlagzeug“ mit je zwei Mikrofonen als Overheads und je einem für Base-Drum, Snare und die drei Tom Toms (näheres zur richtigen Mikrofonierung von Schlagzeugen, siehe Kasten). Neben der guten Verarbeitung der Kessel und der stabilen Hardware, lässt  sich der erfahrene Schlagzeuger positiv über das Sustain der Tom Toms und den knackigen Sound der Snare aus, die er am liebsten nach der Session gleich mitnehmen würde. Beste Voraussetzungen, um die Aufnahmen durchzuführen, denn nur ein wirklich gut klingendes Schlagzeug kann  die Testkandidaten richtig fordern. . Bei der peniblen Montage und minutiösen Ausrichtung der einzelnen  Mikrofone – was uns nach langem experimentieren zu einem optimalen Klang-Ergebnis führt -, nehmen wir die einzelnen Mikrofon-Sets schon einmal genauer unter die Lupe und stellen dabei kleine aber feine Unterschiede fest, lange bevor wir ihren Klang und die Messwerte kritisch vergleichen und bewerten.

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