Vereint ein Mensch in seinem Charakter zwei sich widersprechende Seiten, gilt er als janusköpfig. Im übertragenen Sinne trifft das auch auf Tascams Audio-Workstation X-48 zu, denn sie vereint die Vorteile eines Festplatten-Mehrspurrekorders mit der Flexibilität einer rechnerbasierten DAW.
Die Stand-alone-Workstation X-48 hatte ihre Vorpremiere bereits 2005 auf der Frankfurter Musikmesse: Im nur für die Fachpresse und Händler offenen Hinterzimmer des Tascam-Stands präsentierte der japanische Hersteller ein erstes Vormuster. Findige Journalisten witterten damals eine Kampfansage Tascams an die rechnerbasierten DAW-Systeme, die im Bereich Mehrspuraufnahme die Studios fraglos beherrschen. Die X-48 ist ein Hybrid-System, das nach dem Willen des Herstellers die Betriebssicherheit und einfache Bedienbarkeit mit den wesentlichen Merkmalen eines zeitgemäßen DAW-Systems verbindet. Dazu gehören neben einer grafischen Benutzeroberfläche ein leistungsfähiger virtueller Mixer und die Möglichkeit, VST-Plug-ins in den Signalweg einzubinden. Dabei sollte die X-48 das im fast schon legendären 24-Spur-Harddisk-Rekorder MX-2424 erstmals umgesetzte Hybrid-Konzept in aller Konsequenz zu einem vorläufigen Ende und Höhepunkt führen. Die Vorfreude nicht nur von überzeugten Tascam-Fans und all jenen, die Vorbehalte gegen DAWs hegen, war groß und Tascam konnte sich über etliche Vorbestellungen freuen. Doch die Interessenten mussten sich in Geduld üben, denn die X-48 ist jetzt erst, also rund drei Jahre nach der Erstvorstellung lieferbar. Der Grund: Bis zuletzt feilten die Entwickler an der Implementierung der VST-Plug-ins, denn Tascam wollte gerade hier keine halben Sachen machen. Folgerichtig musste sich auch die Testredaktion von Professional audio Magazin in Geduld üben: Immerhin haben wir die X-48 bereits seit 2006 auf der Wunschliste für einen eingehenden Test. Auch wenn die X-48 erst seit Ende 2007 liefer- beziehungsweise bestellbar ist – heute arbeiten längst zahlreiche der Aufnahmeboliden an vorderster Profifront: Die X-48 gehört bei einigen europäischen Rundfunkanstalten zur Standardausrüstung im Ü-Wagen und ist gerne genommener Partner für Live-Mitschnitte. Aus gutem Grund: Denn bereits in der werksseitigen Grundausstattung erhält der Profi für rund 5.200 Euro einen Mehrspur-Stand-alone-Rekorder mit 48 Ein- und Ausgängen im T/DIF-Format, der sich ohne zu murren an ein Pro-Tools-System oder ein LAWO mc²66-Pult (der Ü-Wagen-Standard) andockt. Dabei ist bereits einleitend angeklungen, dass die X-48 weit mehr als „nur“ ein aufgemotzter MX-2424 ist, weswegen im Folgenden Konzept und Grundausstattung eingehend beschrieben werden.
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