Hans-Werner Huppertz

"Passion ist mein Antrieb"

Leidenschaft und Hingabe ist die Triebfeder des Musikers Hans-Werner Huppertz, seines Zeichens Inhaber und Produzent des Klassik-Labels Aurea Vox.

Von Harald Wittig

Hans-Werner Huppertz, Jahrgang 1967, ist ein umtriebiger Mann: Als Konzertgitarrist von internationalem Format veröffentlichte er zahlreiche, von der Fachkritik hochgelobte Alben, er ist ein gefragter Lehrer, hat einen eigenen Musikverlag und ist Inhaber und Tonmeister des Klassiklabels Aurea Vox. Huppertz CD-Produktionen präsentieren in hervorragendem Klanggewand nicht nur Spitzenvertreter der Gitarristik, sondern auch kammermusikalische Ensembles. Im Gespräch mit Professional audio beschreibt der Musiker aus Leidenschaft seinen außergewöhnlichen Weg zum Tontechniker und gibt einen vertieften Einblick  ins seine Arbeitsweise.

? Herr Huppertz, Sie sind konzertierender  Gitarrist, leiten eine eigene Gitarren-Klasse an der Musikhochschule Köln/Abteilung Aachen, sind künstlerischer Leiter des „Internationalen Musikfestivals Weikersheim“ und des Gitarrenfestivals „AquisGranGuitarra“, haben einen eigenen Musikverlag und sind Produzent für Ihr Label Aurea Vox. Wie schaffen Sie das alles? 

!  Ich bin von Natur ein eher aktiver Typ und brauche nicht so viel Schlaf. Und ich muss immer etwas zu tun haben. Es gibt da ein Bild, das ich gerne heranziehe: Eine Lokomotive, die unter Volldampf steht, braucht eine bestimmte Anzahl von Anhängern, damit sie ordentlich fahren kann. Hat sie nichts zu ziehen, dann drehen die Räder durch. Diese Anhänger – oder vielleicht besser Wagons – sind die ganzen Projekte, die ich mache. Ich sollte hinzufügen, dass ich seit kurzem zum Direktorium der Hochschule gehöre, was noch weitere Aufgaben mitbringt, zudem bin ich seit 2007 künstlerischer Leiter der Konzertreihe Accordate in Aachen. Da könnte mancher Spötter schon auf den Gedanken kommen, ich sei so eine Art kompensierender ADSler, der viel macht, aber nichts richtig. Das stimmt aber nicht. Ich arbeite sehr konzentriert an meinen vielen Projekten – und mit großer Freude. 

?  Ist das Arbeiten im Multitasking-Verfahren?

!  Oh nein. Damit hat das nichts zu tun. Ich meine auch, dass so etwas wie Multitasking nicht funktioniert. Voraussetzung für ein effektives Arbeiten ist Organisation und Konzentration. Soll heißen: Ich plane ein Projekt – beispielsweise eine CD-Produktion – und ziehe es im vorab gesetzten Zeitrahmen durch. Auch dazu gibt es ein schönes Bild. Es stammt von dem großen russischen Klavierpädagogen Heinrich Neuhaus: ‚Wenn Du Wasser kochen willst, musst Du es auf dem Feuer lassen, bis es kocht.’ Ein Projekt ist also unbedingt durchzuziehen. Um im Bild zu bleiben: Nehme ich den Topf zu früh vom Feuer, wird das Wasser wieder kalt und ich kann von vorne anfangen. 

?  Dennoch: Haben Sie nicht manchmal die Sorge, dass sie zu viele Wagons an die Lokomotive hängen?

!  Ja, schon. Aber bisher ging es immer gut. Allerdings sollte ich hinzufügen, dass die Familie alles gut mitträgt. Für gemeinsame Spiele, einen Familien-DVD-Abend oder einen Ausflug bleibt auch noch Zeit. Meine Frau, die ebenfalls Musikerin ist, und ich bemühen uns, dass in der Regel einer von uns immer zu Hause ist und sich um die beiden Jungs kümmert. Wenn meine Frau Konzerte oder andere Verpflichtungen hat, bleibe ich zu Hause, was ich auch sehr genieße. Wenn ich unterwegs bin, ist meine Frau im Haus. Wir wollten unsere Kinder immer selbst erziehen.

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