Reportage: Pleasurize Music Foundation

Friedemann Tischmeyer

In Sachen Dynamik

Die in den letzten Jahren bis ins Groteske gesteigerte Schlacht der Musikindustrie um das letzte Dezibel Lautheit sorgt längst nicht mehr nur in der Pro-Audio-Fachwelt für einen kollektiven Aufschrei. Das zeigen einschlägige Youtube-Videos verärgerter Musikliebhaber und ein eigener Wikipedia-Eintrag. Die jüngst gegründete Pleasurize Music Foundation hat dem „Loudness War“ nun offiziell den Kampf angesagt.

Von Carina Schlage

Dass eine zu hohe Kompression des Audiomaterials Transienten einebnet und damit zum Gegenteil dessen führt, was eigentlich gewollt war – nämlich ein druckvoller, durchsichtiger Mix – wissen die Professional audio-Leser. Heute ist es für viele Mastering-Ingenieure Berufsalltag, jedes im Mischprozess liebevoll herausgearbeitete dynamische Detail an die Wand fahren zu müssen – allein um dem Wunsch der Produzenten nachzukommen, die Mitbewerber in puncto Lautstärke zu übertreffen. Überkompression lautet das Schlagwort, das den Klang vieler aktueller Popmusik-Produktionen nachhaltig entstellt. Friedemann Tischmeyer, selbst Mastering-Ingenieur und den Stammlesern von Professional audio bestens bekannt als Autor der Workshopreihen „Internal Mixing“ und „Mastering mit PC-Workstations“, hat genug vom Lautheitswettrüsten und kurzerhand eine Friedensinitiative zur Rettung der Musik gegründet. Die „Pleasurize Music Foundation“, eine nicht gewinnbringend orientierte Vereinigung hat sich die qualitative Aufwertung der Musik in den unterschiedlichsten Formaten zum Ziel gesetzt. „‚Pleasurize Music‘ steht sinngemäß für die ‚Genussvollisierung‘ von Musik. Es geht darum, den Wert von Musik als Transportmedium für Emotionen wiederzuentdecken.“, erklärt Tischmeyer. Denn diese würden durch die übermäßige Kompression von Aggressivität überlagert und erreichten das Ohr des Zuhörers gar nicht mehr. Dabei sei die Endstation längst erreicht, „denn bei 0 dB ist Schluss. Also muss es zurückgehen und die Pleasurize Music Foundation bietet erstmalig eine leicht umsetzbare Lösung für eine Problematik, von der bis vor wenigen Wochen keiner wusste, wie wir aus dem Dilemma herauskommen sollen“.

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