Das ursprünglich geplante Firmenportrait der Hardware-Manufaktur SPL wandelte sich unerwartet zu einer Produktpräsentation, als man uns voller Stolz den Prototypen eines neuen Equalizers vorstellte.
Die im niederrheinischen Niederkrüchten bei Mönchengladbach ansässige Firma macht von außen her einen völlig unscheinbaren Eindruck. Mitten in einem unscheinbaren Firmengebäude ohne Pomp und Prunk innerhalb eines ganz gewöhnlichen Gewerbegebietes angesiedelt, vermittelt Sound Performance Lab (SPL) den Eindruck eines soliden, bodenständigen Handwerksbetriebs. Und in der Tat ist der Hersteller von Studio-Geräten eher als Manufaktur zu bezeichnen, vergleichbar mit den Uhrenmanufakturen im Thüringischen Glashütte. Und der Vergleich hinkt keineswegs. Hier wie da legt man größten Wert auf eigenständige Entwicklungen und Fertigungen der Pretiosen. Zu den Kunden der Edelschmiede zählen viel bekannte Studios, darunter auch die renommierten Galaxy-Studios in Belgien. Die Referenzliste kann sich sehen lassen, bekannte Tontechniker und Produzenten wie Bob Ludwig, Ronald Prent, Frank Serafine und David Reitzaszählen dazu.
Firmeninhaber des Unternehmens sind zu gleichen Teilen drei Männer. Zuallererst ist hier Wolfgang Neumann zu nennen, der das Ur-Unternehmen 1984 gründete und bis heute als Chef-Entwickler und Hauptideenlieferant fungiert. Ihm zur Seite stehen Hermann Gier, seines Zeichens verantwortlich für das Design, die Ergonomie der SPL-Geräte sowie für Spezialanfertigungen. Außerdem auch tätig als Trendscout – „ich bin sehr viel unterwegs“ sowie Ansprechpartner und Projektbetreuer für High-End Kunden und Kontaktmann zu SPL in Amerika. Dritter im Bunde ist Peter Waschke, der als Verkaufschef für den Vertrieb, die Finanzen und als Personalchef von SPL verantwortlich zeichnet. Dieses Trio ergänzt Paul Lentzen, der für Marketing und Kommunikation zuständig ist.
Aufgeteilt ist die Firma in zwei Einheiten: Die eigentliche Ideen- und Entwicklerschmiede besteht aus lediglich zehn Beschäftigten. Direkt im Firmengebäude integriert ist die Produktion, die einem Subunternehmen anvertraut wurde und mit weiteren neun Beschäftigten die Personaldecke vor Ort abrundet. Wie es die Firmenphilosophie vorschreibt, stammen die komplette Produktfertigung sowie alle wichtigen Zulieferer aus Deutschland. Seit 2002 unterhält SPL ein eigenes Büro in den USA und besitzt Vertriebskanäle in mehr als 20 Länder. Eine Netzwerk nach 22 Jahren Firmengeschichte, das sich sehen lassen kann.
Wie so häufig im Leben entstehen Innovationen und mithin auch neue Firmen aus der Unzufriedenheit. Hier war es die von Wolfgang Neumann. Er unterhielt anfang der 80er in Holland ein eigenes Tonstudio und war ständig frustriert über mangelhafte Studiogeräte oder Lücken in seinem Gerätepark, die damals kein hersteller füllen konnte. Und so schaffte der ausgebildete Rundfunk- und Fernsehtechniker Abhilfe durch Eigenentwicklungen. Die Qualität dieser Schöpfungen begeisterte damals Freunde und Bekannte so sehr, dass Neumann erste Kleinserien auflegen musste. So entstanden eigene Versionen von Excitern, Compressoren und Equalizern.
Den großen Wurf schaffte er jedoch 1988 mit dem Vitalizer, der vielen Musikern und Toningenieuren heute noch ein Begriff ist. Der Vitalizer stellte ein völlig neues Equalizer-Konzept mit besonderen psychoakustischen Fähigkeiten dar. Diese bis heute einzigartige Equalizerschaltung ist vorrangig physischen Gegebenheiten des menschlichen Ohrs abgestimmt. Diese Schaltung schafft es sogar Frequenzen, die von anderen Frequenzen überlagert werden, weder zu trennen und hörbar zu machen. Diese SPL-Entwicklung ist so stark nachgefragt, dass sich die Firmeneigner dazu entschlossen, Lizenzen an Drittanbieter zu vergeben, die sie als Firmware in eigene Chips integrierten.