Report: United Audio Zertifikat

Qualitätsoffensive

Mit einer revolutionären Idee will ein bayerischer Studiobesitzer den deutschen Recording- und Mixingstudios zu mehr Transparenz verhelfen.

Von Hans-Günther Beer

„Der Kunde will sicher sein, die Qualität zu bekommen, für die er zahlt“, weiß Rüdiger Veith, von der Music Support Group in Eichenau bei München an. Und der Geschäftsführer des Firmenverbundes, zu dem neben einem Verlag und der Akademie „Deutschen Pop“ unter anderem auch die Dorian Gray Studios gehören, muss es auch wissen. Denn als Studiobetreiber kennt er Erwartungshaltung und Wünsche von Musiker und Produzenten, die sich stunden- oder tageweise in ein Aufnahme- oder Masteringstudio einmieten, ganz genau. Als eines der größten Probleme hat Veith die Tatsache ausgemacht, „dass die Kunden die Qualität eines Studios und damit das Preis-Leistungs-Verhältnis von außen kaum beurteilen oder gar vergleichen können.“ Dies gelte verstärkt, seit sich eine Vielzahl von Studios sehr gekonnt auf gut gemachten Websites präsentieren und sich Dichtung und Wahrheit kaum mehr unterscheiden lassen.

Doch nicht nur der Musiker oder Produzent auch die Studiobetreiber selbst leiden unter der Intransparenz von Preisen und Leistungen, die er anbietet. Wer viel Geld in die technische Ausstattung und in die Ausbildung der Mitarbeiter gesteckt hat, hat große Interesse daran, dass dies der potentielle Kunde auch erfährt, glaubt und in seine Entscheidungen einbeziehen kann. Hier geht es also um Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit.

Vor einem ähnlichen Dilemma stand Mitte der 80er Jahre auch die Kinobranche. Doch die Lucas Film Ltd. und die Dolby Laboratories haben dieses Problem elegant und vorbildlich gelöst. Sie verliehen nach erfolgreicher Überprüfung den mit entsprechend aufwändiger Tontechnik ausgestatteten Kinos das THX- beziehungsweise Dolby Digital-Zertifikat. Die Kunden, also die Kinobesucher, konnten sich so darauf verlassen, auch tatsächlich die visuelle und vor allem akustische Qualität genießen zu können, für die sie ihren höheren Obolus entrichteten. Heute haben Kinos ohne Zertifizierung keine Chance mehr.

Veith übernahm diese über 20 Jahre alte Idee und konzipierte nach ihrem Vorbild das United Audio Zertifikat für Recording- und Mixingstudios. - allerdings „deutlich differenzierter und an die Belange unserer Branche angepasst“. So soll es zukünftig vier verschiedene Qualitäts-Klassen geben, die sich nach einem Punktesystem errechnen: Master, Expert, Professional und Advanced. Bis zu maximal 400 Punkten lassen sich so für die technische Ausstattung, die Akustik von Regie- und Aufnahmeraum sowie Serviceleistungen erreichen. Die Einstiegsschwelle liegt bei 100 Punkten für den Advanced-Level, der Expert-Level beginnt bei 200 Punkten und die Master-Zertifizierung wird ab 300 Punkten verliehen.

„Nach endlosen, teils sehr kontroversen Diskussionen der nominierten Juroren, zu denen unter anderem der Produzent Fabio Trentini, Toningenieur Gerhard Wölfe und VDT-Mitglied Stefan Bock gehören“, so Veith, „stand schließlich das Bewertungsschema fest“. Die technische Ausstattung eines Studios etwa geht mit besonders hohem Anteil in die Gesamtpunktebewertung ein Nach dem Willen der Jury wird bei einem Mischpult neben der Art und Größe auch das Modell direkt bewertet. Ein Neve Capricorn beispielsweise erhält mehr Punkte als ein Amek 9098. An die Studios, die ausschließlich Hard-Disk-Systeme einsetzen, haben die Experten selbstverständlich auch gedacht, ein Logic Control von Mackie geht ebenso in die Wertung ein, wie beispielsweise ein kleines Digitalmischpult von Yamaha.

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