Die Bässe wummern bedrohlich – Schuld sind nicht die Boxen, sondern die Raumakustik. Wäre es da nicht schön, wenn sich die Abhöranlage an den Raum anpassen ließe? JBLs neue Monitore sollen diesen Wunsch verwirklichen.
Die Entwickler der legendären amerikanischen Lautsprechermarke JBL (James B. Lansing) wollten mit der neuen LSR4300-Serie all jenen helfen, deren Projektstudios unter mangelhafter Raumakustik im Bassbereich verfügen. Dazu erhielten die neuen Monitore einen so genannte Room Mode Control (RMC), was einen automatischen Einmessvorgang an die jeweiligen Raumverhältnisse ermöglicht. Zur Serie gehören der kleinere LSR4326P und der größere Bruder, der LSR4328P. Angekündigt für die Mitte dieses Jahres ist noch ein passender Subwoofer, der LSR4312SP; ebenfalls mit RMC. Obwohl sowohl LSR4326P als auch LSR4328P einzeln erhältlich sind, empfiehlt sich der Erwerb des Komplett-Pakets, bestehend aus zwei Lautsprechern und einem Accesory Kit für die Aktivierung der RMC.
Auch wenn die RMC auf den ersten Blick die spektakulärste technische Besonderheit der LSR4328P Monitore ist – sie haben noch andere Leckerbissen zu bieten: Im Inneren der Zwei-Wege-Bassreflex-Lautsprecher werden die Audiosignale von A/D-und D/A-Wandlern und einem zentralen DSP bearbeitet. Ebenso wie Dynaudios AIR-Serie (siehe Test auf Seite XXX) sind die JBL-Monitore untereinander vernetzbar. Allerdings setzt JBL hierbei auf ein Hybrid-Konzept: Alle Lautsprecher der LSR4300 verfügen zwar über das Netzwerkprotokoll HiQnet, womit sogar eine Surround-Anlage eingerichtet und ferngesteuert werden kann. (Die Monitore sind dann mittels Ethernet-Kabeln untereinander verbunden.) Genauso ist es aber möglich, jeden Monitor einzeln mit der Audioquelle zu verbinden und damit wie einen konventionellen Lautsprecher zu betreiben. In beiden Fällen ist eine Raumanpassung per RMC möglich.
Betrachten wir erst einmal die Bearbeitung des Audiosignals näher: Wenn der LSR4328P ein analoges Signal empfängt, wird es zunächst digitalisiert. Der A/D-Wandler arbeitet dabei immer mit der höchstmöglichen Auflösung von 24 Bit/96 kHz. Das nunmehr digitale Signal geht an den zentralen DSP. Dieser hat einiges zu leisten: Er übernimmt die Steuerung der RMC, regelt die EQ-Einstellungen sowie und die Werks-Presets. Schließlich arbeitet er auch als digitale Frequenzweiche, indem er das Audiosignal auf die Chassis verteilt. Die Audiosignale oberhalb 2. 600 Hz empfängt der Hochtöner, der eine Seidenkalotte hat; die darunter liegenden Frequenzen bekommt der Tieftöner zugeteilt, dessen Papiermembran mit Kunststoff beschichtet ist. Den Verstärkern für Hoch- und Tieftöner ist noch ein weiterer Wandler vorgeschaltet, der die Signale wieder in analoge zurückwandelt.
Als zeitgemäße Studiomonitore können die JBL selbstverständlich auch digitale Audiosignale verarbeiten. Im Unterschied zu den AIR 6 von Dynaudio werden digitale Signale allerdings nicht gewandelt. Das bedeutet: Schließen Sie beispielsweise einen CD-Player an den LSR4328P an und spielen eine konventionelle Audio-CD ab, dann wird vom Monitor intern die Musik auch nur in der Standardauflösung (16Bit/44,1 kHz) verarbeitet.
Die JBL-Entwickler haben sich nicht lumpen lassen: Alles ist sehr solide und sauber gefertigt. Besonders gefällt die aufwändig gearbeitete Frontseite. Sie besteht aus gummiartigem, gewölbtem ABS-Kunststoff und sieht richtig edel aus. Die Hochtöner-Kalotte und die Membran des Tieftöners sind in extra ausgeformten Mulden gelagert. Beim Hochtöner wirkt diese Mulde wie ein kleines Horn und passt die akustische Impedanz an die umgebende Luft an. Dies soll Wirkungsgrad und Abstrahlverhalten verbessern.
Ebenfalls auf der Frontseite befinden sich neben der Bereitschafts-LED die Aussteuerungsanzeige (LED-Kette) und die zahlreichen Druckknöpfe zur Aktivierung und Steuerung der wesentlichen Funktionen des Lautsprechers: Der Benutzer kann hier unter anderem sechs EQ-Presets, die Art des Eingangs (analog/digital) und natürlich die RMC aktivieren. Außerdem hat er Zugriff auf die mit LF-EQ und HF-EQ benannten Dämpfungsglieder. LF-EQ wirkt auf die Frequenzen < 500 Hz, HF-EQ auf den Frequenzbereich > 2 kHz. Beides mal kann der Pegel in 0,25-dB-Schritten um ±2 dB verändert werden.