Sie wollen Aufnahmen per Computer machen, haben aber darin keinen Karten-Steckplatz mehr frei. Sie brauchen zudem ein analoges Mischpult. Das sind ja gleich zwei Wünsche auf einmal. Das geht nun wirklich nicht, oder? Aber ja doch, es geht!
Kompaktmischpulte gibt es wie Sand am Meer. Aber Pulte mit integriertem Audio-Firewire-Interface sind rar. Für rund 650 Euro liefert der amerikanische Hersteller Phonic ein 14-Kanal-Mischpult, ausgestattet mit einer Vielzahl von Anschlüssen und cleveren Routing-Möglichkeiten, einem zehnbandigen graphischen Equalizer sowie einem internen digitalen Effektprozessor. Und als ob das nicht schon genug wäre, gibt’s obendrein noch den Software-Sequenzer Cubase LE von Steinberg dazu, was das Ganze zu einem analog-digitalen Komplettpaket macht.
Ganz in Silber präsentiert sich das Helix Board 18 Firewire. Auf der Oberfläche verteilen sich 16 Schieberegler (Fader) mit je 60mm Laufweg, die angenehm leise, weich und mit diesem wohlig zähen Widerstand gleiten, der auch Profipulte auszeichnet. Die etwas schwergängigen Drehregler, insgesamt 95 Stück, verteilen sich dicht gedrängt hauptsächlich auf den Kanalzügen. Da braucht’s schon spitze Finger, um nicht anzuecken. Außerdem sind noch 85 leichtgängige Drucktaster und einige Buchsen auf der Front des Pults verteilt.
Die Eingangssektion besteht aus zehn Kanalzügen (Channel Strips), die zwei Drittel der Breite des Pultes einnehmen. Die übrigen sechs befinden sich in der Mastersektion. Je zwei davon bilden die Summe (Main) und die beiden Subgruppen (Group). Ein Kanalzug regelt die Gesamtlautstärke des ersten Sends und der andere die Gesamtlautstärke des zweiten Returns. Sämtliche Kanalzüge, die Signale erhalten sind über Drucktaster wahlweise auf die Stereosumme oder die Subgruppe schaltbar.
Wozu ist das gut? Wie der Name Group schon sagt, erlaubt es diese Schaltmöglichkeit, mehrere Eingangskanäle zu einer Gruppe zusammenzufassen, diese in ihrer Gesamtlautstärke zu regeln und in die Stereosumme zurückzuführen.
Eine mögliche Anwendung dafür ist beispielsweise die Zusammenfassung sämtlicher Schlagzeugmikrophone, die zuvor einzeln per Kanalzug eingepegelt wurden. Mit den Gruppen-Reglern kann dann bequem die Gesamtlautstärke des abgenommenen Schlagzeugs ins Verhältnis zu den anderen Instrumenten gesetzt werden. Taster an den Subgruppen-Fadern wiederum erlauben es, die dort anliegenden Signale nach links oder nach rechts in die Stereosumme zu verschieben.
Jeder Kanalzug – bis auf die Summe – besitzt noch einen Solo-Taster, um einzelne Signale vorzuhören oder separat von den übrigen Kanälen optimal einzupegeln. Die bei seiner bei Betätigung aktivierte LED-Anzeige dient gleichzeitig auch als Übersteuerungsanzeige.
Alle Kanalzüge mit XLR-Anschluss besitzen außer der Regelung der Eingangsempfindlichkeit einen Drucktaster zum Aktivieren eines Hochpassfilters, der Frequenzen bis 75 Hertz (Hz) beschneidet. Damit wird ein hörbares Rumpeln, wie es etwa beim Betreten einer Bühne auftreten kann, beschnitten. Das ist einzusätzlicher Pluspunkt, den man aus dem Profi-Bereich kennt.
Wie aber kommt es, dass sich 14 Kanäle lediglich zehn Kanalzüge teilen? Ganz einfach: Die Channel-Strips sind mit unterschiedlichen Anschlüssen versehen. Die ersten sechs Kanalzüge sind mono, ausgestattet mit Mikrophon- und Line-Eingängen. Die nächsten zwei besitzen als Mischform Mikrophon- und stereo Line-Eingänge und die letzten zwei nur noch stereo Line-Eingänge.
Diese Dreiteilung hat auch der graphische Equalizer. Die ersten sechs Kanalzüge besitzen einen dreibandigen Equalizer mit halb-parametrischen Mitten. Das ist optimal zum Entzerren von Gesangs-Mikrophonen. Die gemischten Züge sind dreibandig und die reinen Line-Züge sogar vierbandig mit jeweils festen Frequenzen ausgelegt. Allerdings: Bei anliegenden Signalen in den reinen Line-Zügen produziert der Equalizer bei aufgedrehten Reglern in den Höhen und oberen Mitten ein hörbares Rauschen. Das ist auffällig, schließlich arbeiten die anderen sauber, rauscharm, effektiv und kraftvoll ohne den Klang zu verzerren. An diesen Buchsen anliegende Instrumente sollten also nicht mit dem Equalizer bearbeitet werden.