Vergleichstest: Kleinmembran Kondensatormikrofone

Heiße Stäbchen

Zwöf Vertreter einer oft unterschätzten Mikrofonspezies treten zum Test an. Da sind Überraschungen nicht auszuschließen.

Von Uli Apel

In vielen Recording-Produktionen fristen Kleinmembran-Mikros inzwischen ein Schattendasein. Schuld daran sind die großen Vettern. Denn Großmembran-Kondensatormikrofone wirken deut-lich imposanter und eindrucksvoller, selbst die billigen Vertreter machen durch geschickte Material- und Farbwahl oft mehr her, als die unscheinbaren, von Insidern gerne als „Stäbchen? titulierten Kleinen. Doch viele Toningenieure und auch erfahrene Spezi-alisten unter den Homerecordern wissen, die Kleinmembranen sind in der Recording-Wirklichkeit die wahren Arbeitstiere, können manches besser als die großen und sind in vielen Aufnahmesitua-tionen schlichtweg unverzichtbar. Dies bestätigt auch unser Test von zwölf Vertretern dieser Mikrofonspezies, ein Test, der so manche Überraschung aufdeckt.

Um einen möglichst klaren Überblick über die derzeitigen Quali-tätsabstufungen und das entsprechende Preis-/Leistungs¬verhältnis in dieser Mikrofongattung zu erhalten, sucht die Redak-tion für diesen Test insgesamt zwölf Vertreter aus, deren Preis-spanne von knapp 50 bis 1.800 Euro reicht. Im Testlabor versammeln sich deshalb Vertreter aller auf dem deutschen Markt relevanten Hersteller: von Audix bis t.bone (siehe auch Kasten „Die Testkandidaten“).

Alle Mikrofone gehören zur Gattung der Kondensatormikrofone.  Sie gehören zu den Druckgradientenempfänger mit nierenför-miger Aufnahmecharakteristik.  Ausnahme: Das Audix ADX-51 hat statt der echten Kondensator eine etwas preisgünstiger her-zustellende  Elektret-Mikrofonkapsel.

Einige Unterschiede gibt es auch in der Ausstattung der Mikrofo-ne. Das absolut umfangreichste Ausstattungspaket bekommt man bei den beiden Thoman-Mikrofonen t.bone SC 100 und SC 180: Im Transportköfferchen – beim SC 180 sogar aus Aluminium – liegen neben je einem Mikrofonpärchen zwei Halterungen – beim SC 180 sehr aufwendig aus Aluminium gefertigt – sowie eine Ste-reoschiene und Windschutz-Überzieher aus Schaumstoff. Luxus-ausstattung bieten auch die Mikrofone selbst. Die Kapseln lassen sich abschrauben und jedes Mikrofon hat  zwei Schalter zum Ab-senken der tiefen Frequenzen (Trittschallfilter) und zum Reduzie-ren der Empfindlichkeit bei hohen Schalldrucken. Die Verarbei-tung der SC 180 gelang dem chinesischen Hersteller mehr als ordentlich: Das massive Gehäuse mit der edlen Oberfläche schmeichelt Auge und Hand – wenn da nicht die fummeligen Schalter wären, die sich allzu leicht verstellen und damit Fehlbe-dienungen provozieren.

Beim Schwestermodell SC 100 sieht es nicht ganz so gut aus, eines der beiden Exemplare erweist sich nämlich als unbrauch-bar. Grund:  Der Kontaktstift hinter der abgeschraubten Mikrofon-kapsel steht so schief, dass eine zuverlässige Funktion praktisch ausgeschlossen ist (siehe auch Foto Seite XX). Eine Endkontrolle findet im Werk des chinesischen Herstellers offensichtlich nicht statt. Das ist allerdings bei einem Stückpreis von umgerechnet knapp 50 Euro auch nicht zu erwarten. Hier hilft nur der Um-tausch, was aber im Hause Thomann problemlos und unbürokra-tisch von statten geht.

Seitenanfang 

Das wars, wenn Sie weiterlesen möchten, müssen Sie sich als Extended-User anmelden

Loggen Sie sich in der MyPaM-Box als Extended-User oder Abonnent ein. Noch kein Extended-User? Registrieren Sie sich kostenlos und unverbindlich hier