Reportage: Deutsches Rundfunkarchiv Frankfurt

High-Tech und Nostalgisches im Deutschen Rundfunkarchiv Frankfurt

Kulturelles High-Tech-Gedächtnis 

Im Deutschen Rundfunkarchiv (DRA) begegnet die Vergangenheit der Gegenwart, historische Wachswalzen und Schellackplatten treffen auf Robotik-Server-Anlagen und digitale Restaurations-Systeme. Was auf dem Gelände des Hessischen Rundfunks in Frankfurt entsteht, ist das digitale Gedächtnis aller Deutschen Tonaufnahmen bis 1945.  

Von Michael Nötges

Edison steht auf der kleinen Holzkiste, deren antiken Holzdeckel André Huthmann – Toningenieur und leitender Tontechniker beim DRA – behutsam, aber durchaus vertraut abhebt.  Der Kulturgutschützer Huthmann erklärt dazu: „Das ist ein Edison Phonograph. Viele wissen heute gar nicht mehr, was das ist und kennen nur noch MP3-Player und CDs.“ Dann zückt Huthmann einen schwarz lackierten Blechtrichter und steckt ihn zur Bündelung des Schalls auf die sogenannte Schalldose. In deren Innern befindet sich eine Membran an der eine stumpfe Nadel zum Abtasten der Rille auf der Walzenoberfläche befestigt ist. Im Grunde nichts anderes als bei einem Plattenspieler, nur dass die Welt des Phonographen keine Scheibe, sondern ein Zylinder ist. 

Jetzt öffnet Huthmann die Walzenverpackung aus vergilbter Pappe und schiebt dann den schwarzen Wachszylinder, den er vorsichtig aus dem historischen Karton fischt, auf die passende Welle des Phonographen. Während wir nach dem Stecker Ausschau halten, greifen die flinken Finger Huthmanns behände zu einer kleinen Kurbel. Mit ein paar beherzten Drehungen ist die Feder gespannt und dann beginnt sich die Welle mit dem Wachszylinder zu drehen. Musik trötet lautstark aus dem Schalltrichter, aber das Vergnügen des sehr mittigen Blechsounds, nimmt nach einigen Sekunden ein leierndes Ende. „Es ist auch möglich mit dem Phonographen aufzunehmen“, erklärt Huthmann.“ Dafür muss der Trichter auf die Aufnahmen-Schalldose gesteckt und ein nicht beschriebener Zylinder eingelegt werden. Spricht man dann, während die Walze läuft, in den Trichter, überträgt die Membran die Schwingungen auf die Nadel, die dann die Ton-Informationen in die weiche Oberfläche schneidet. Auf diese Weise sind bereits Ende des 19. Jahrhunderts viele Tondokumente, oftmals auch aus dem privaten Umfeld, entstanden, die besonderen Wert für die Kulturwissenschaftliche Forschung haben und im DRA archiviert werden.  

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