Sie hatten noch nie eine Gitarre in der Hand? Macht nichts. Lesen Sie diesen Test und Sie glauben: Jimi Hendrix lebt – und Sie haben mit ihm gespielt.
Noch vor wenigen Jahren mussten Gitarristen ihren Traumsound zweifach teuer erkaufen: Der Gerätepark an Röhrenverstärkern belastete das Bankkonto, die zur Erzielung der gewünschten Endstufenverzerrung erforderliche Lautstärke beendeten das gut nachbarschaftliche Verhältnis. Da halfen nur klangliche Kompromisse in Form von Vorverstärkern – gerne lässig als Preamps bezeichnet –, und Multieffektgeräten. Bis es findigen Softwaretüftlern gelang, solche Amps digital nachzumodulieren.
Bereits die erste Ausgabe des Guitar Rig aus der Native Instruments-Werkstatt in Berlin fand begeisterte Aufnahme bei Gitarristen. Mit der so genannten Dynamic Tube Response Technology war es den Entwicklern gelungen, eine Reihe klassischer Verstärker und deren charakteristische Sounds zu emulieren. Professionelle Gitarrenaufnahmen für jedermann an jedem Ort in Zimmerlautstärke ohne klangliche Kompromisse waren plötzlich möglich. Anstatt sich aber auf dem Lorbeer auszuruhen, haben die Hauptstädter das Guitar Rig aufgefrischt und der Version 2 einige wesentliche Neuerungen auf der Hard- und der Softwareseite spendiert.
Völlig überarbeitet präsentiert sich der Fußkontroller des Guitar Rig. War bei der ersten Ausführung der Kontrolleinheit noch ein leistungsfähiges Audio-Interface nötig, um die eigene Gitarre am Computer über die virtuellen Amps spielen zu können, genügt jetzt der Anschluss an die Rig Kontrol 2. Denn die Steuereinheit enthält auch ein modernes USB 2.0 Audio-Interface inklusive D. I.- Box.
Das massive Aluminiumgehäuse der Rig Control 2 übersteht auch ein temperamentvolles Aufstampfen. Auf der Oberseite sitzen das stufenlose Fußpedal und die insgesamt sieben Schalter (einer verborgen unter dem Pedal). Damit lassen sich alle wichtigen Parameter in Echtzeit kontrollieren. Die Zuweisung erfolgt hierbei über die Software: So können Sie beispielsweise den Studio Reverb aktivieren oder das nächste Werkspreset aufrufen. Wenn Sie eigene Presets erstellen, haben Sie die Möglichkeit, die Schalter und das Pedal ganz nach Ihren persönlichen Vorlieben zu belegen. Beispielsweise lassen sich mit nur einer Pedalbewegung mehrere Funktionen aufrufen: Dient es zur Steuerung des Delay-/Verzögerungseffektes, beeinflusst es je nach Pedalstellung die Verzögerungszeit oder den Anteil des Delays am Grundsound (Wet/Dry-Funktion). Gerade Gitarristen, die eine Fußsteuerung von Verstärker und Bodeneffekten gewohnt sind, werden das schätzen. Insoweit hat der Benutzer, auch wenn er auf sein vorhandenes Audio-Interface vertraut, mit der Rig Kontrol 2 eine leistungsfähige Fernbedienung für die Software unter den Füßen, und kann sich voll aufs Spielen konzentrieren. Eine gute Nachricht für alle, die bereits Guitar Rig 1 einschließlich Kontroller besitzen: Zur Bedienung der Software ist die neue Rig Kontrol 2 nicht erforderlich. Wer lediglich den virtuellen Fuhrpark erweitern will, kann kostengünstig updaten und die Software wie gewohnt über das Rig Kontrol 1 steuern.
Als spezielles Gitarren-Audiointerface hat das Rig Kontrol 2 natürlich die nötigen Anschlüsse, die das Gitarristen- (und Basissten-)Herz begehrt. Input 1 und 2 dienen dem Anschluss von Gitarre und Bass über ein Standard-Klinkenkabel. Mit den beiden Eingangsreglern pegeln Sie das Signal ein, eine LED informiert über die richtige Aussteuerung. Es ist möglich, zwei Instrumente gleichzeitig an die Rig Kontrol anzuschließen, so dass gemeinsames Jammen oder Live-Einspielungen von zwei Gitarren beziehungsweise Bass und Gitarre möglich sind. Die Eingänge sind selbstverständlich hochohmig genug, um auch Gitarren mit leistungsschwachen Einspulern wie beispielsweise Strato- oder Telecaster anzuschließen.