Die musikalische Nachbearbeitung von Aufnahmen ist äußert schwierig, da Audiodateien keine Informationen über Tonhöhe, Rhythmik oder Intonationsformen enthalten. Melodyne schließt diese Lücke, indem es Audioaufnahmen MIDI-ähnlich aufbereitet und eine Vielzahl von Bearbeitungswerkzeugen zur Verfügung stellt.
Auch insgesamt gelungene Aufnahmen müssen in der Regel wiederholt werden, wenn sich kleine Fehler einschleichen, beispielsweise weil der Sänger an einigen Stellen zu viel Vibrato einsetzt oder der Groove der Klavieraufnahme hier und da hinkt. Das kostet nicht nur Zeit und Nerven, manchmal steht der Musiker für eine Wiederholung auch nicht mehr zur Verfügung. Melodyne verspricht Abhilfe zu schaffen, indem die Software Audioaufnahmen auf ihren musikalischen Inhalt hin analysiert und MIDI-ähnlich aufbereitet. Einzelnen Töne lassen sich in Hinblick auf Tonhöhe, Zeitbezug oder Ausdruck nachbearbeiten, oder Aufnahmen rhythmisch und tonhöhenbezogen quantisieren. Dabei bietet Melodyne eine hervorragende Audioqualität: Die Manipulationen lassen sich in der Regel nicht erkennen, Artefakte treten höchstens bei sehr weit reichenden Eingriffen auf.
Vor dem Lohn steht die Arbeit, dies ist auch bei Melodyne so. Zunächst muss Melodyne die Aufnahme analysieren um die einzelnen Töne, das Tempo, Timing und die Intonation zu identifizieren. Der Analyse kommt eine besondere Bedeutung zu, weil Melodyne nur bei der richtigen Interpretation des Klangmaterials in den anschließenden Bearbeitungsschritten klanglich überzeugende Ergebnisse liefern kann. Die Analyse startet automatisch, sobald wir eine Datei per Drag und Drop ins Arrangement ziehen. Melodyne identifiziert die Töne und stellt sie in Form so genannter „Blobs“ dar. Blobs sind vergleichbar mit der Darstellung einzelner MIDI-Noten in einem MIDI-Editor, repräsentieren aber Ausschnitte der Audiodatei. Die automatische Analyse arbeitet recht zuverlässig. Melodyne erkennt die Tonhöhen der einzelnen Blobs häufig richtig, und auch die Tempoerkennung arbeitet in der Regel korrekt, sofern die Audiodateien sauber geschnitten ist. Wir müssen aber häufig die Trennung der einzelnen Töne korrigieren. Auch das Tempo erkennt Melodyne dann häufig nicht, wenn das Audiomaterial nicht sauber geschnitten vorliegt. In manchen Fällen ist daher eine Nachbearbeitung der Analyse notwendig. Hierzu gibt es verschiedene Werkzeuge, die keine direkt hörbaren Auswirkungen auf die Aufnahme haben und zunächst allein dazu dienen, die Datei richtig zu interpretieren.
Als erstes müssen wir die Wahl des Analysealgorithmus überprüfen. Alle Versionen von Melodyne kennen die Modi „melodisch“ für monophone und „perkussiv“ für transientenreiche Aufnahmen. Der Algorithmus „melodisch“ passt am besten auf einstimmig eingespielte Melodielinien von Instrumenten wie Bass, E-Piano oder Gesang. Bei anderen Instrumenten wie bspw. Klavier hat der melodische Modus in den Tests oft kein zufriedenstellendes Ergebnis geliefert. In diesem Fall empfehlen wir die Studio-Version von Melodyne, die als einzige einen zusätzlichen „polyphonen“ Modus anbietet, der sich auch zur Bearbeitung von mehrstimmigem Material eignet. Leider zeigt Melodyne...