Seinen 60. Geburtstag feiert die 1948 in New York gegründete Audio Engineering Society in diesem Jahr. Mit der diesjährigen Convention in Amsterdam zeigt sich die AES so jung wie eh und je.
Nasskalt war es zum Beginn der 124. AES Convention in Amsterdam. Bestes Messewetter also, denn die große Halle im Amsterdamer-Kongresszentrum RAI war mit Besuchern immer wohl gefüllt. Das mag zwar auch an der Tatsache gelegen haben, dass die komplette Ausstellung in einer einzigen, wenn auch großen Messehalle Platz hatte. Doch das Gedränge sorgte für gute Stimmung bei den Ausstellern und kurze Wege beim Messerundgang. Die Ausstellerstände waren durch die Bank außerdem eher bescheiden in ihren Abmessungen. Das spart Kosten und konzentriert den Blick der Fachbesucher auf das Wesentliche, die ausgestellten Exponate. Augenfällig waren die vielen Mikrofon-Neuheiten auf dieser AES Convention. Gleich drei Hersteller zeigten zum Teil neue sogenannte Twin-Mikrofone. Diese besitzen zwei völlig eigenständige, hintereinander stehende Mikrofonkapseln, die es erlauben, verschiedene Richtcharakteristiken einzustellen...
Krachneu ist das außergewöhnlich gestaltete Black Hole des lettischen Mikrofonherstellers JZ Microphones. Die in unmittelbarer Nachbarschaft vdes Herstellers Violet Design (Test der Modelle Amethyst Vintage und Flamingo Standard in Ausgabe 12/2007) angesiedelte Firma stellt die Kapseln nach eigenem Bekunden selbst her und verspricht hohe Empfindlichkeit und geringes Rauschen. Das Mikrofon bietet die Richtcharakteristiken Kugel, Niere, Acht und besitzt eine extravagant gestylte Aufhängung. Das Black Hole soll zirka 1.600 Euro kosten, der Hersteller sucht allerdings noch einen Vertrieb in Deutschland.
Bei Microtech Gefell gab es ebenfalls ein neues Mikrofon mit Doppelkapsel zu sehen, das Modell UM 930 Twin. Neben dem Standard Modell mit nur, wie üblich, einem Ausgang (Preis: 4.248 Euro) besitzt das Modell Twin deren zwei. So lassen sich bei diesem knapp 5.200 Euro teuren Mikrofon beide Kapselsignale auf zwei getrennten Spuren aufzeichnen und man kann die Richtcharakteristik des Mikrofons nach der ändern. Der Ostdeutsche Hersteller zeigte außerdem eine Outdoor-Version seiner Mehrkanal-Mikrofon-Spinne INA, diese besitzt nur noch ein mehrpoliges Anschlusskabel für alle fünf Mikrofone. Auch Sennheiser zeigte mit dem MKH 800 Twin ein neues Mitglied der analogen Familie, es besitzt ebenfalls zwei Mikrofonkapseln. Auch hier werden die beiden Kapselsignale getrennt herausgeführt und aufgezeichnet. Die Richtcharakteristik lässt sich im Nachhinein, je nach dem wie die Pegel der beiden Kanäle zueinander gemischt werden, von Kugel, über breite Niere, Niere, Acht bis hin zur Superniere ändern. Einen Test des MKH 800 Twin finden Sie in der nächsten Ausgabe von Professional audio Magazin. Premiere auf der 124. AES Convention hatte auf dem Sennheiser-Stand auch das neue Digitalmodul MZD 8000 Digital. Das Modul lässt sich mit den Kapseln MKH 8020, 8040 und 8050 einsetzen, arbeitet mit einem integrierten 24-Bit-A/D-Wandler bis 192 Kilohertz Samplingfrequenz nach dem AES 42-Standard und erlaubt das ferngesteuerte Ändern des Mikrofon-Setups. Das MKH 8000 Digital-Set wird ab Herbst dieses Jahres verfügbar sein.
Eine weitere Neuheit zum Thema AES 42 zeigte der Soundkarten-Spezialist Marian auf der Convention. Mit der PCI-Karte Trace AES42 bietet der Hersteller nun eine Lösung für vier digitale Kanälen (Mono- oder Stereo) an. Die Karte läuft unter Windows XP und 2000, bietet Samplerate-Konvertierung 1:16/16:1 und die dazu gehörende Steuersoftware erlaubt das Einstellen aller Parameter nach Mode 1- oder Mode 2-Standard (siehe auch Spezial Digitale Mikrofontechnik in Ausgabe 5/2008). Marian gibt fünf Jahre Garantie auf die Karte. Der amerikanische Hersteller Anamod zeigte neben dem zweikanaligen ATS-1 Analog Tape Simulator den neuen AM660 Limiter, der mit sechs unterschiedlichen Zeitkonstanten für die Compressor-Profile, darunter zwei besonders Stimmen-freundliche Varianten, dem berühmten Fairchild 660 Limiter nachempfunden ist. Ein AM660-Modul soll zirka 1.400 Euro kosten. Mit dem MR 816 CSX zeigte Steinberg ein von Yamaha entwickeltes Firewire-Audio-Interface, das mit den Mikrofon-Vorverstärkern des Digitalpultes n12 ausgestattet ist. Eingebaute digitale Soundprozessoren bieten neben umfangreichen Routing-Möglichkeiten eine Vielzahl von Effekt-Plug-ins an. Das MR 816 CSX zeichnet sich darüber hinaus durch die völlige Integration in Cubase- und Nuendo-Workflows, die nach Aussage des Herstellers eine deutliche Steigerung des Komforts und eine erhebliche Zeitersparnis mit sich bringt.
Der Schweizer Lautsprecher-Spezialist PSI zeigte seine Serie aus den vier aktiven Monitoren A-25-3, A21-2, A17-2 und A14-2 nebst aktivem Subwoofer 225-1. Alle, konsequent analog aufgebauten, Modelle arbeiten mit speziellen Allpass-Filtern, die eine außergewöhnlich gute Phasen-Korrektur über den gesamten Hörbereich sicherstellen sollen. Der deutsche Hersteller United Minorities, bekannt unter anderem durch seine Spezialversionen der Oktava-Mikrofone, zeigte einen weiterentwickelten Protypen des passiven Entzerrers Q-Faktor. Das Filternetzwerk des Q-Faktors arbeitet mit sehr niederohmigen Ferritspulen und soll eine bislang nicht für möglich gehaltene Kombination aus extrem hoher Güte und hohem Wirkungsgrad bieten. Obwohl, wie gesagt noch im Prototypenstadium, lässt die aufwändig gestaltete Front auch optisch ein Highlight erwarten. Mit dem AD1 bietet der Holländisch-Belgische Hersteller Grimm einen modular aufgebauten A/D-Wandler mit 1-Bit-Technik an, dessen Delta-Sigma-Wandler komplett diskret aufgebaut ist. Im Gehäuse hinter der massiven Holzfront lassen sich zwei bis acht Wandler-Module einbauen. Die vier Audio-Ingenieure Bruno Putzeys, Guido Tent, Peter van Willenswaard und Elco Grimm, die hinter Grimm Audio stehen, versprechen eine „outstanding“ Klangqalität. Bei Professional audio Magazin ist der AD1 für einen ausführlichen Test vorgemerkt. Ebenfalls neu ist der Wordclock Generator CC1, der mit außergewöhnlich guten technischen Spezifikationen neue Maßstäbe setzen will.