Im größten Kopfhörer-Vergleichstest seit Bestehen von Professional audio müssen 19 Modelle ihre Klasse unter Beweis stellen.
Die Testkandidaten
Hersteller Modell Preis in Euro (UVP)
AKG K 121 Studio 111
AKG K 141 MkII 137
AKG K 171 MkII 149
AKG K 271 MkII 184
AKG K 702 392
Audio-Technica ATH-M50 177
Beyerdynamic DT 770 Pro 185
Beyerdynamic DT 880 Edition 310
Beyerdynamic DT 880 Pro 280
Beyerdynamic DT 990 Pro 185
Denon AH-D5000 700
JVC HA-DX1000E 1.000
Sennheiser HD 280 Pro 160
Sennheiser HD 380 Pro 159
Sennheiser HD 800 1.000
Sony MDR-7509HD 217
Ultrasone HFI-580 145
Ultrasone PRO 750 315
Ultrasone PRO 900 449
Seit dem ersten großen Kopfhörervergleichstest in Professional audio sind über drei Jahre vergangen. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan: Die großen Hersteller wie AKG und Sennheiser haben eine ganz Reihe neuer Spitzenmodelle entwickelt, etablierte Hörer erfuhren eine zum Teil gründliche Überarbeitung und Hersteller, die bisher im Pro-Audio-Bereich weniger bekannt waren, haben eine wachsende Anhängerschar unter Tonschaffenden und Musikern gefunden. Aus dem aktuellen, fast unüberschaubaren Angebot haben wir uns 19 Kopfhörer ausgesucht. Einige kennen die Leser der ersten Stunde noch vom Vergleichstest in Ausgabe 6/2006, andere sind entweder brandneu oder wurden bisher noch nie aus Profi-Sicht bewertet. Die Preisspanne reicht diesmal von knapp 110 bis 1.000 Euro. Neben bewährten Klassikern von den großen Drei, AKG, Beyerdynamic und Sennheiser, finden Sie auch verschiedene Modelle von Ultrasone, Sony und Audio-Technica – allesamt beliebt bei engagierten Homerecordlern bis hin zum Diplom-Tonmeister. Daneben haben wir noch zwei edle Kopfhörer von Denon und JVC mit ins Boot genommen, um herauszufinden, ob diese bei HiFi-Fans schwer angesagten Modelle auch für anspruchsvolle Monitoring- und Mastering-Arbeit im Studio einsetzbar sind.
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Die häufig zu lesende Behauptung, dass der Kopfhörer allenfalls als „akustische Lupe“, niemals aber als zweite Referenz – neben den Monitoren – verwendet werden dürfe, ist so nicht haltbar. Es gibt viele hochangesehene Tonmeister, wie beispielsweise Andreas Spreer vom audiophilen Klassik-Label Tacet, die auf den Kopfhörer als zuverlässigen Partner beim Mischen vertrauen. Allerdings hat der Profi, insoweit ist das vergleichbar mit Lautsprechern, ganz andere Ansprüche an einen Kopfhörer als der Musik hörende Endverbraucher. Dieser legt zwar durchaus Wert auf feinste Auflösung und eine detailreiche Abbildung des Klanggeschehens, schätzt aber auch einen gewissen Schönklang, der unter Umständen auf Kosten der Signaltreue geht. Der Tonmeister hingegen verlangt höchstmögliche Ehrlichkeit und Neutralität, denn er benötigt verlässliche Informationen über das aufgenommene Material, damit er genau weiß, wo er gegebenenfalls noch Hand anlegen muss. Nach diesen Kriterien – Neutralität, Auflösung und Raumabbildung – haben wir die 19 Testkandidaten akribisch untersucht.
Neben der rein messtechnischen Untersuchung im Messlabor von Professional audio mussten sich die Kopfhörer vor allem bei unseren wichtigsten Messinstrumenten bewähren: Unseren Ohren.
Alle Testhörer arbeiten nach dem dynamischen Wandlerprinzip, außerdem handelt es sich um kabelgebundene Kopfhörer. Auf einen Test von Elektrostaten – am bekanntesten sind wohl die Kopfhörer des japanischen Herstellers Stax – haben wir dieses Mal verzichtet. Zwar sind Elektrostaten, die vereinfacht ausgedrückt nach dem umgedrehten Prinzip eines Kondensatormikrofons arbeiten, den dynamischen Kollegen zumindest theoretisch bei der Auflösung überlegen. Allerdings beweisen die Spitzenkopfhörer im Testfeld – soviel sei schon verraten -, dass ein auf Höchstleistung getrimmter dynamischer Hörer den sündhaft teuren Elektrostaten kaum, wenn überhaupt, nachsteht. Dennoch steht ein ausgiebiger Vergleich der besten Dynamischen mit den Top-Elektrostaten an.
Die Bauformen der Testkandidaten unterscheiden sich deutlich. Die Ultrasones, die Modelle von Sony, JVC, Denon, Audio-Technica, die AKG-Hörer K 171 und K 271 MkII, die Sennheisers HD 280 und HD 380 sind geschlossene Systeme. Sie schirmen die Ohren komplett ab, so dass externer Schall vom konzentrierten Hören nicht ablenken kann, und sind damit optimal für Live-Einsätze geeignet. Außerdem ist bei diesen Systemen der vom Kopfhörer selbst produzierte Schall nach außen abgeschirmt: Es kommt also beispielsweise bei Mikrofonaufnahmen zu weniger Übersprechen des Playbacks. Demgegenüber schotten offene Systeme die Ohren nicht ab und der Kopfhörer lässt den Schall mehr oder weniger stark nach außen dringen. Damit sind diese Kopfhörer für den Live- und Außeneinsatz oder zum Einspielen im Studio weniger geeignet – Stichwort Feedback und Übersprechen. Der AKG K 702 und das brandaktuelle Flaggschiff von Sennheiser, der HD 800, ebenso der DT 990 Pro von Beyerdynamic gehören zu dieser Kategorie. Sie sind damit keine Allrounder, allerdings eignen sich offene Kopfhörer fürs Monitoring sowie die Misch- und Masteringarbeit. Außerdem ist das Arbeiten mit ihnen immer angenehmer, da es in der Regel nicht zum Wärmestau wie bei den geschlossenen Systemen kommt. Sie werden übrigens auch von klassischen Sängern, für die das Einsingen zum Playback über Kopfhörer eher nicht geläufig ist, geschätzt.