Den D/A-Wandlern der amerikanischen Marke Apogee eilt ein legendärer Ruf voraus. Ob ihm das Modell Rosetta 200 gerecht wird, klärt ein Hör- und Messtest.
Als kurz nach dem weltweiten Start der Audio-Digitaltechnik, Mitte der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die Fachwelt noch über die Vor- und Nachteile von Oversampling und verschiedene Bit-Raten diskutierte, bauten die Entwickler der amerikanischen Firma Apogee Electronics Corporation schon ihre ersten Digital-Filter. Unter Insidern galten die Produkte aus dem kalifornischen Santa Monica schnell als der Standard für die Studiotechnik. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Digital-Wandler aus dem Hause Apogee stehen heute weltweit in unzähligen Studios.
Das über die Jahre gesammelte Know-how der Ingenieure über alle Details rund ums Wandeln analoger Musiksignale in digitale – und natürlich umgekehrt – floss auch in den zweikanaligen Wandler Rosetta 200 ein. Betrachtet man die Featureliste des eleganten Flachmanns wird schnell klar: Die Ingenieure haben sich eine Menge einfallen lassen. Zuerst einmal bietet der kleinste stationäre Wandler aus dem Hause Apogee den heute schon in der Mittelklasse dieser Gerätegattung fast üblichen Standard von je zwei Analog-/Digital- und Digital-/Analogwandlern mit 24 Bit-Auflösung bei einer Abtastrate von bis zu 192 Kilohertz. Das ist für sich genommen, nichts Aufregendes.
Allerdings stattete die Entwickler das Gerät mit einem überaus flexiblen Ein- und Ausgang-Management aus, das keineswegs alltäglich ist. So lassen sich sowohl analoge Signale über die beiden XLR-Anschlüsse, als auch digitale Daten via optischem Toslink-Anschluss (wahlweise im S/PDIF- oder ADAT-Format) über koaxiale Cinch-Buchsen oder über XLR-Anschlüsse im AES/EBU-Format einspeisen. Das gleiche gilt sozusagen spiegelbildlich für die Ausgänge. Auch dort stehen alle heute üblichen Anschluss- und Signal-Formate zur Verfügung.
Als typischer Spezialist unter den Wandlern unterstützt der Rosetta das so genannte Sample Multiplexing für die ADAT- und AES-Formate. Da das ADAT-Format ursprünglich per Definition nur Sampleraten bis 48 Kilohertz verarbeiten konnte, musste man für höhere Sampleraten bis 96 Kilohertz die Kanalzahl von acht auf vier pro Lichtleiter halbieren. Der Rosetta beherrscht diese so genannten S/MUX-Signale ebenso wie das Double Wide-Verfahren [G] für AES-Signale. Für den Rosetta als Stereogerät, spielt die Halbierung der Kanalzahl für S/MUX keine Rolle. Da er nur zwei Wandlerzüge besitzt, also mit zwei Kanälen deutlich unter der Obergrenze von vier Kanälen im S/MUX-Modus bleibt, verdauen die ADAT-Eingänge beide Formate ohne die Notwendigkeit, Umschalten zu müssen..
Doch damit nicht genug. Unter dem Begriff Coda fassten die Apogee-Ingenieure ein Paket von Zusatztools zusammen, die den Recording-Alltag enorm erleichtern sollen. Da ist einmal das Optimizer genannte Werkzeug. Mit seiner Hilfe lassen sich die Eingangspegel und damit die Aussteuerung der Analog-Digital-Wandler so maximieren, dass sie die volle Dynamik des Wandlers ausnutzen ohne ihn zu übersteuern. Selbst für erfahrene Toningenieure ist es immer wieder ein kleines Abenteuer sich schrittweise an diesen 0-dBfs-Punkt, also digitale Vollaussteuerung, heranzutasten. Diesen Punkt möglichst exakt zu treffen, ist jedoch enorm wichtig. Denn wird er während einer Recording-Session überschritten, ist die Aufnahme unweigerlich wegen dann schlagartig auftreten enormen Verzerrungen verdorben. Bleibt man aus Sicherheitsgründen auf zu großem Abstand, wählt also den Headroom zu tolerant, verschenkt man wertvolle Dynamik und damit einige der 24 Bit Auflösung.