Einkanalige Mikronverstärker gibt es in allen Preisklassen. Nur wenige sind allerdings so üppig ausgestattet wie der neue Vocal Max von Phonic.
Der taiwanesische Hersteller Phonic bietet eine Reihe von kostengünstigen Komplettlösungen für den Live- und Studioeinsatz an. Der Vocal Max A6400 ergänzt die ständig erweiterte Produktpalette.
Zunächst ist der Vocal Max ein einkanaliger Mikrofon-Vorverstärker – dennoch würde ihm bitter unrecht getan, bliebe es bei dieser nüchternen Beschreibung. Ein flüchtiger Blick auf die Front mit ihren vielen Reglern macht klar, dass die Entwickler in das hellgraue Rackgehäuse ein prall geschnürtes Ausstattungspaket eingebaut haben. Der Vocal Max ist aufgebaut wie der Kanalzug eines Mischpultes und besonders für Gesangsaufnahmen konzipiert worden worden. Entsprechend umfangreich geriet die Effektsektion: Sie verfügt über variables Trittschallfilter, eingebauten Kompressor, parametrischen Equalizer mit umschaltbarer Filter-Charakteristik (Kuhschwanz oder Glocke) und einen De-esser. Damit nicht genug: Zusätzlich glänzt er mit einem regelbaren Noise-Gate und einer Tube-Sound genannten Röhrenklang-Simulation. Auch die Stromgitarren-Fraktion vergaßen die Phonic-Entwickler nicht, denn der mit „Overdrive“ bezeichnete Regler simuliert die Röhren-Verzerrung eines klassischen Gitarrenverstärkers. Sinnvollerweise ist auch eine Lautsprecher-Simulation in die Overdrive-Funktion integriert – ein pralles Ausstattungspaket für nur 231 Euro.
Dementsprechend üppig auch die Anschlusssektion des Vocal-Max. Außer einem XLR-(Mikrofon)-Eingang und einem Line-In auf der Rückseite, bietet er noch einen HiZ-Eingang zum Anschluss hochohmiger Instrumente wie passive E-Gitarren und Bässe auf der Front. Dabei ist es möglich, alle Eingänge gleichzeitig zu belegen. Über die Druckschalter wählen Sie einen Eingang vor, zum Beispiel Instr und stöpseln Ihre Gitarre an der Klinkenbuchse wie gewohnt ein. Gleichzeitig können Sie bereits ein Mikrofon anschließen. Solange Instr gedrückt ist, gelangt nur das Signal der Gitarre in den Vorverstärker. Benötigen Sie das Mikrofon zur Aufnahme, schalten Sie Instr einfach aus. Sinngemäß gilt das auch, wenn Sie den Line-In, beispielsweise zum Anschluss eines E-Basses mit Aktiv-Elektronik verwenden – eine äußerst praxisgerechte Lösung.
Auch an Ausgängen hat der Vocal Max einiges zu bieten: Natürlich gibt es symmetrische Ausgänge (XLR und Klinke), eine Besonderheit sind der Insert Send und der Recording-Out. Letzterer greift das symmetrische Ausgangssignal vor dem De-esser ab, sein Pegel bleibt unabhängig vom Master-Out-Regler. Der Ausgangspegel hängt damit ausschließlich vom Input-Gain-Regler ab. Wenn Sie zum Beispiel eine Session live aufnehmen wollen, können Sie damit die Gesangsstimme schon mit dem Kompressor bearbeiten. Beim Abmischen setzen Sie dann den De-esser praxisgerecht nachträglich ein.
Der Insert Send dient natürlich zunächst zum Einschleifen eines externen Effektgerätes. Da das Signal aber noch vor der eigentlichen Effektsektion herausgeführt wird, leistet er auch gute Dienste, wenn Sie den Vocal Max als reinen Preamp verwenden und Stimmen oder Instrumente unbearbeitet aufnehmen wollen.
Schließlich ist es möglich über die Instr.-Level-Output-Buchse auch einen Gitarrenverstärker oder andere Geräte anzusteuern.