Auch kostengünstige Nahfeldmonitore sind heute besser als die biblischen Mauern von Jericho. Die zehn Testkandidaten bleiben auch in unserem kritischen Test standhaft.
Vor wenigen Jahren noch hatte der ambitionierte Amateur, der nicht über eine prallgefüllte Brieftasche verfügt, nur zwei Wahlmöglichkeiten: Entweder musste er sich eine gute Abhöranlage vom Munde absparen –- oder er ging zähneknirschend in Bezug auf Verarbeitung und Klang unbefriedigende Kompromisse ein. Inzwischen hat sich zur Freude der Anwender einiges getan. Der Verarbeitungsstandard ist auch in der Economyklasse beachtlich hoch, vor allem aber können auch vermeintlich billige Monitore mit einer klanglichen Leistung aufwarten, die auch deutlich teurere Lautsprecher in Verlegenheit bringen können.
Professional audio Magazin suchte für Sie zehn Paare verschiedener Hersteller und Preisklassen aus. Die Preisspanne der Testkandidaten reicht von 115 bis 444 Euro (siehe Kasten). Wir untersuchen alle Lautsprecher im Messlabor und unterziehen sie vor allem intensiven, mehrstündigen Hörtests und – das sei vorweggenommen – sind letztlich selbst angenehm überrascht, wie viel guten Klang heute für vergleichsweise wenig Geld zu bekommen ist.
Alle vorgestellten Monitore sind aktive Zwei-Wege-Bassreflexlautsprecher und als Nahfeldmonitore konzipiert. Abgesehen vom Alesis und dem Behringer, die beide die in etwa die Höhe eines PC-Midi-Tower haben, sind die getesteten Lautsprecher eher klein und kompakt in ihren Abmessungen. Somit werden sie problemlos auch in beengten Projektstudios ein Plätzchen auf dem Regietisch finden. Damit erschöpfen sich aber auch schon die Gemeinsamkeiten. Betrachten wir die Monitore nun näher.
Durchweg sind die Lautsprecher erfreulich gut verarbeitet. Hier setzen die Hersteller meistenteils auf die Kosten sparendere Fertigung im Reich der Mitte. Wobei „Made in China“, das beweisen die Testkandidaten eindrucksvoll, längst nicht mehr einhergeht mit unannehmbaren Toleranzen bei der Herstellung: Die Gehäuse sind durchweg solide und sauber gearbeitet, wobei vor allem der Tapco und der KRK gefallen können. So sind beispielsweise beim Tapco die Rippen des Kühlkörpers sauber entgratet und verrundet, so dass sorgfältig manikürte Fingernägel vor Beschädigung sicher sind. Der KRK hat als Besonderheit einen aus Kevlar gefertigten Tieftöner, ein nicht eben billiges Feature, das – kaum zu glauben – sogar die am unteren Ende der Preisskala angesiedelten Lautsprecher von Esi und M-Audio vorweisen können. Diese beiden gleichen sich übrigens bei den Abmessungen, dem Gehäusedesign und den Lautsprecher-Chassis bis aufs Haar. Schließlich haben beider Verstärker die gleichen Leistungsdaten. Hier ist also von Baugleichheit auszugehen.
Auch der Behringer ist mehr als zufrieden stellend verarbeitet, hervorzuheben ist die massive Gussplatte auf der Frontseite mit ihren extra ausgeformten Mulden, in der die Hochtöner-Kalotte und die Membran des Tieftöners gelagert sind. Beim Hochtöner wirkt diese Mulde wie ein kleines Horn und passt die passt die akustische Impedanz an die umgebende Luft an. Dies kann sowohl den Wirkungsgrad als auch das Abstrahlverhalten verbessern. Dieses Bauprinzip findet sich auch beim Genelec, allerdings ist dieser noch ungleich aufwändiger hergestellt: Das Gehäuse ist nämlich aus massivem Aluminium. Es wurde auf eine bestmögliche Abstrahlung der Schallwellen ausgelegt und überall verrundet. Aufgrund seiner Masse ist es bedeutend resonanzärmer als die Gehäuse der anderen Lautsprecher. Sie vermuten richtig: Eine solche Bauweise ist teuer. Dennoch gehört der Genelec mit einem Stückpreis von rund 170 Euro zu den günstigsten Lautsprechern. Da liegt der Schluss nahe, dass auch die Finnen die Produktion in ein Billiglohnland ausgelagert haben. Weit gefehlt: Genelec-Monitore werden nach wie vor im Land der tausend Seen und der glitzernden Kälte gebaut. Alle Achtung.
Auch der deutsche Hersteller Emes bleibt konsequent bei der inländischen Fertigung. Auch wenn der Quartz der teuerste Monitor im Test ist –- er ist sehr sauber verarbeitet und darf sich sogar mit einem Neodymium-Hochtöner schmücken, was unterm Strich den Preis sehr relativiert. Lediglich bei der XLR-Anschlussbuchse setzte Emes den Rotstift an – das Kabel lässt sich nur schwer wieder lösen. Aber dies ist nur eine Marginalie, insgesamt gibt es hier nichts zu mäkeln.