Zwei Welten prallen im Prophet V aufeinander, die nicht unterschiedlicher sein können: warme analoge Klänge mischen sich mit kühlen metallischen Sounds.
Die Entwicklungen der amerikanischen Firma Sequential Circuits waren schon vor zwanzig Jahren legendär. Begonnen hat alles mit dem Prophet 5, der als einer der ersten speicher- und polyphon spielbaren analogen Synthesizer für Aufsehen sorgte. Ein paar Jahre später wurde mit dem Prophet VS die völlig neue Vector-Synthese vorgestellt, die es erlaubte, bis dato noch nie gehörte Klangteppiche zu erzeugen. Beide Hardware-Synthesizer waren damals rein preislich im Oberhaus beheimatet. Mit dem virtuellen Instrument Prophet V, sprich Vau, verschafft die französische Softwareschmiede Arturia Liebhabern dieser Legenden ein ungleich billigeres Vergnügen. Für knapp 200 Euro enthält die Software sowohl die Emulation dieser beiden Ausnahme-Synthesizer, als auch zusätzlich die Möglichkeit durch eine Hybrid-Form beide Klangerzeuger miteinander kombinieren zu können.
Die Franzosen haben auch in dieser Software-Simulation ihre TAE-Technologie (True Analog Emulation) verwendet, die ein digitales Rauschen im Höhenbereich, als Aliasing bekannt, von vorne herein ausschließen soll. Darüber hinaus zeigte sich im Test, dass die Emulationen nicht bloß eins zu eins nachgebildet, sondern auch um die eine und andere Erweiterung bereichert wurden, ohne sich komplett von den Originalen zu entfernen. Prophet V enthält außer den originalen Werksklängen der beiden Vorlagen noch einige hundert weitere Sounds, erstellt von Musikern und Sound-Designern, die das Potenzial dieser Instrumente ungleich vielgestaltiger erscheinen lassen. Eine reichhaltige Sammlung an Flächenklängen, Bass-, Solo-, Effekt- und Bläser-Sounds sind vertreten, die typisch sind für die Gattung der analogen Synthesizer. Einzig Streicherklänge, die gerade in der analogen Klangerzeugung einen wichtigen Grundpfeiler darstellen, sind ein wenig unterrepräsentiert und verteilen sich etwas unlogisch über mehrere Kategorien. Klangprogramme können für alle drei Instrumente bequem im- und exportiert werden.
Als wenn das nicht schon reicht, hat diese Software auf der diesjährigen Musikmesse auch eine Auszeichnung erhalten: Den m.i.p.a. (Musikmesse International Press Award) als bestes Software-Instrument des Jahres.
Die Bedienoberfläche zeigt ein naturgetreues Abbild der Hardware-Instrumente. Über diesen Darstellungen befindet sich eine Leiste mit Knöpfen zur Auswahl der Sounds, zum Laden, Speichern, Import und Export von Klängen und zur Auswahl des Klangerzeugers. Weiterhin lassen sich dort der MIDI-Kanal und die Polyphonie bis maximal 32 Stimmen einstellen. Schließlich ist allen drei Instrumenten noch ein Chorus und Stereo-Echo Effekt – tempo-synchronisierbar - zugeordnet, der zumindest bei den Originalen nicht vorhanden war und ein zusätzliches Plus an Klangmöglichkeiten liefert. Über simple Klicks auf die entsprechenden Knöpfe in der Menüleiste wird die Effektsektion aufgerufen, editiert und aktiviert.
Ein Druck auf einen der drei Auswahlknöpfe startet eine nett anzuschauende Animation: Seitenteile klappen sich auf, ähnlich dem Öffnen eines Klavierdeckels, und je nach Auswahl wird bis auf das Keyboard die gesamte Programmieroberfläche ausgetauscht beziehungsweise erweitert. Am Ende dieser Verwandlung schließen sich die Seitenteile und neue Funktionalitäten und Regelmöglichkeiten sind zu sehen. Dieses doch recht langsam ablaufende Feature kann schnell für Ärger bei denjenigen sorgen, die öfters zwischen den einzelnen Klangerzeugern und Sounds wechseln wollen. Dankenswerter Weise lässt sich die Animation auch abschalten, was dem Arbeitsfluss eindeutig entgegen kommt.