Workshop Kompressoranwendungen

Das große Mysterium  

Der Kompressor dürfte das rätselhafteste Effektgerät im Studio sein. Professional audio Magazin klärt über seine vielfältigen Funktionen auf und gibt Tipps für die richtige Anwendung .

Von Georg Berger

Fast jeder nutzt irgendeinen Kompressor in seinem Studio. Aber seien malehrlich: Wissen Sie genau, wie Sie damit sachgerecht umgehen oder zählen Sie zu den Recording-Fans, die eher planlos damit arbeiten und von den Ergebnissen mitunter selbst überrascht sind? Denn die Wirkung eines Kompressors ist im Vergleich beispielsweise zu einem Equalizer im ersten Eindruck eher gering – und  deshalb nicht so einfach zu kalkulieren.

Doch wenn man ziel- und planlos vorgeht, besteht die Gefahr, falsche Einstellungen vorzunehmen und die Qualität der Aufnahmen eher zu verschlechtern als zu verbessern. Dabei kann ein Kompressor ein äußerst nützlicher Helfer sein, um Aufnahmen und Mixen mehr Druck und Transparenz zu verschaffen. Gerade für Sprache und Gesang spielen Kompressoren eine zentrale Rolle. Alleine mit einem hochwertigen Mikrofon und einem entsprechenden Vorverstärker, sowie einem ebenso hochwertigen Kompressor lassen sich Stimmen aufnehmen und perfekt im Mix platzieren, ohne auch nur eine Hand an Equalizer oder andere Effektgeräte zu legen.

Kennen Sie den Eindruck bei hochwertigen Pop- und Rockproduktionen, dass der Gesang den Zuhörer quasi anspringt? Wenn Sie so etwas mit Ihren Aufnahmen auch erreichen wollen, dann hilft Ihnen dieser Beitrag, Ihren Kompressor besser zu verstehen.

eigentlich macht, gibt’s oft die Standardantwort:  Er macht Lautes leise und Leises laut. Das stimmt zwar prinzipiell, bedarf aber näherer Erklärungen. Zwar ist das der eigentliche, hörbare Effekt, aber der Kompressor selber macht lediglich laute Signalanteile leiser. Ein Kompressor ist nüchtern gesagt, ein so genannter Regelverstärker, der in die Dynamik einer Aufnahme eingreift.

Die Dynamik, also der Unterschied zwischen geringstem Pegel (leisester Passage) und höchsten Pegel (lauteste Stelle), wird also reduziert beziehungsweise eingeengt (komprimiert, daher der Name) und der Maximalpegel sinkt. Der Trick dabei: Leise Passagen bleiben zunächst unbearbeitet. Überschreitet das Audiosignal jedoch einen eingestellten Pegel, den so genannten Threshold (deutsch, Schwellwert), regelt der Kompressor das Signal zurück. Der Grad dieser Pegelreduzierung wird Ratio (deutsch, Verhältnis) genannt. Ratio ist dabei das Verhältnis von Eingangs- zu Ausgangspegel. Bei einer Ratio von 4:1 kommen am Ausgang des Kompressors pro 4 dB Eingangsspannung nur 1 dB raus. Wichtig: Das bezieht sich nur auf den Pegelanteil über dem eingestellten Threshold.

Generell unterscheidet man zwischen zwei Arten der Kompression.

Dämpfungskompression: Dabei wird das Signal wird nach Überschreiten des Thresholds nur gedämpft. Dadurch sinkt auch der Maximalpegel.

Rotationspunkt-Kompression: Ein Signal wird nach Überschreiten des Threshold gedämpft, jedoch wird trotz reduzierter Dynamik der (Ausgangs-) Pegelverlust durch eine nachfolgende Verstärkung wieder ausgeglichen (Compression Gain). Der Name Rotationspunkt-Kompression bezieht sich auf den so genannten Rotationspunkt in der grafischen Darstellung der Kompressionslinie, den sowohl die 0 dB-Kennlinie als auch die Kompressionskennlinie nach Anhebung durch Compression Gain durchlaufen (siehe Grafik „Kennlinie Kompressor“).

Üblicher Weise enthalten Kompressoren folgende Regler und Ausstattungsmerkmale, die wir der Übersichtlichkeit halber alphabetisch und nicht ihrer Wichtigkeit nach auflisten :

Attack: ist die Zeit ab Überschreiten des > Thresholds, bis der Verstärker zu regeln beginnt. Zu kurze Attack-Zeiten führen zum so genannten Pumpen – unnatürliche Veränderungen in der Lautstärke –, da der Verstärker zu schnell reagiert und das Signal schnell runterregelt.

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