Wer Musik jenseits von Pop und Rock produziert, sucht oft nach dem passenden Schlagzeug. Jazz & Funk von FXpansion hat das ideale Klangrepertoire.
Satte 55 Gigabyte an Daten umfasst die vierte und neueste Library für das virtuelle Schlagzeuginstrument Bfd aus dem Hause des britischen Herstellers Fxpansion. Wer angesichts der ungeheuren Datenmenge meint, viel Geld dafür bezahlen zu müssen, der irrt. Verbraucherfreundliche 245 Euro sind für Jazz & Funk auf den Ladentisch zu blättern, was im Vergleich zu Studio- und Schlagzeugermiete auf Dauer ein unschlagbares Schnäppchen darstellt.
Der Titel „Jazz & Funk“ weist dabei deutlich auf den Klangcharakter und musikalischen Einsatzzweck hin. Die Library empfiehlt sich für alle Musikrichtungen, die in hohem Maße ein naturgetreu klingendes Schlagzeug erfordern, mitsamt allen akustischen Nebenerscheinungen wie Resonanzverhalten und langer Ausklingphasen der Instrumente, die so bei Rock- und Pop-Produktionen eher unerwünscht sind. Damit deckt das Jazz & Funk Expansion Pack genau dasselbe Klangrepertoire ab, wie die von uns in Ausgabe 05/2006 getestete „Custom & Vintage“ Library von Toontrack.
Insgesamt 54 einzelne Schlaginstrumente sind in Jazz & Funk enthalten, die je nach Instrument mit unterschiedlichen Stöcken (Stick, Rod, Besen, Filzschlegel), ja sogar mit der Hand angespielt sind. Ein eindeutiger Schwerpunkt liegt, außer auf dem normalen Drumstick, beim Jazzbesen. Bis auf die Bass-Drum liegt zu jedem Instrument eine Variante mit Jazzbesen vor, die unter anderem die dafür charakteristischen Sweeps – das Streichen des Besens über das Fell oder Blech – enthält.
Selbstverständlich sind weiterhin die einzelnen Instrumente je nach Charakteristik mit unterschiedlichen Spieltechniken aufgenommen worden. So enthält Jazz & Funk beispielsweise Hihat-Klänge in viertel-Schritten von geschlossen bis offen und die Snare wird außer mit einem herkömmlichen Anschlagen noch mit Rimshot, Sidestick, Flams und Cross-Stick Techniken gespielt. Einzig Rolls, also rasend schnelle Tonrepetitionen, sind in dieser Library nicht enthalten, die jedoch durch geschickte MIDI-Programmierung selbst hergestellt werden können. Eine reichhaltige Palette unterschiedlichster Klang-Facetten ist somit auf Jazz & Funk enthalten.
Das Arsenal an digitalisierten Instrumenten hält einige profiliert klingende und darüber hinaus historische Exemplare bereit. Zu nennen sind hier beispielsweise eine Leedy Bass Drum von 1940, eine Rogers Luxor-Snare aus den 50er, sowie eine Rogers Powertone-Snare aus den 60er Jahren. Außer diesen beiden Firmen sind komplette Drumsets, bestehend aus Bass-Drum und drei Toms, der Firmen Gretsch, Slingerland und Yamaha vertreten, sowie weiterhin Einzel-Instrumente der Firmen Pearl, Ludwig, Remo, McDonald, Wuhan, Sabian und Zildjian.
Sämtliche Instrumente wurden dabei direkt aufgenommen und zusätzlich noch einmal mit zwei Raum-Mikrofonen und einem Grenzflächen-Mikrofon in einem Abstand von cirka sechs Metern. Ausnahmen bilden hierbei die Snare- und Bass-Drums, die sogar mit zwei Mikrofonen direkt aufgenommen wurden. Die Snare-Drum wurde einmal von oben und von unten und die Bass-Drum sowohl im Inneren, als auch direkt davor aufgenommen. Beide Signalanteile lassen sich im Mixer des Plug-ins variabel mischen und erweitern die Ausdruckskraft dieser beiden zentralen Schlaginstrumente.
Die britische Sample-Fabrik hat beim Installationsprozess auch an Leute mit kleinen Festplatten gedacht. Denn die Library gestattet es, nicht nur selektiv einzelne Instrumente auf die Festplatte zu installieren, sondern darüber hinaus auch noch in drei unterschiedlich umfangreichen Detailstufen hinsichtlich alternierender Spielvarianten. Dies dürfte vor allem diejenigen interessieren, die mit den Ressourcen ihres Computers haushalten wollen und müssen.