Test: Vergleichstest Studiomonitore

Stimmgewaltige Solisten

In jedem der sechs Kraftpakete steckt das Zeug für einen Sieger. Der Test sorgt für eine handfeste Überraschung.

Von Harald Wittig

Spielen Sie schon länger mit dem Gedanken, Ihr gutes Geld in eine gute Abhöranlage zu investieren? Sie sind aber nicht gewillt, in astronomische Preisdimensionen vorzudringen? Dann lesen Sie richtig.
Professional audio Magazin durchsuchte das aktuelle Marktangebot und wählte sechs Lautsprecher aus, wobei zunächst lediglich die Preisobergrenze von 900 Euro das einzige Auswahlkriterium war. Folglich drängen sich die Testkandidaten im Kostenbereich von 690 bis 850 Euro recht dicht zusammen – mit einer Ausnahme: Der Samson Rubicon R8a kostet lediglich 280 Euro und ist damit gut dreimal günstiger als die übrigen fünf. Sie fragen zu Recht: Passt der sehr kostengünstige Samson ins Testfeld? Die Frage lässt sich nicht mit einem schlichten „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Die Entscheidung, ihn mit in diesen Vergleichstest aufzunehmen, beruhte auf dem Umstand, dass der Rubicon R8a eine konstruktive Besonderheit aufweist, die in seiner Preisklasse tatsächlich außergewöhnlich ist: Er hat einen Bändchen-Hochtöner. Da fragen wir uns unweigerlich: Kann dieser Hochtöner am Ende mit den speziellen, oft sehr aufwändigen Lösungen der teureren Lautsprechern konkurrieren? Ist womöglich der Samson ein vorschnell unterschätzter Außenseiter, der die hohen Favoriten in Verlegenheit bringt? Das wollten wir für Sie herausfinden, deswegen ist der Rubicon R8a mit dabei. Gleichzeitig spielt er hier quasi außer Konkurrenz mit. Das gebietet die Fairness.

Wie üblich unterzogen wir alle Monitore sorgfältigen, mehrstündigen Hörtests und untersuchten die Sechs gründlich im Messlabor.

Abgesehen vom Tannoy Precision 6D, der ein Drei-Wege-Lautsprecher ist, handelt es sich bei allen Monitoren um aktive Zwei-Wege-Bassreflexlautsprecher. Konzipiert sind sie alle als Nahfeldmonitore. In den Abmessungen unterscheiden sie sich bereits deutlich: Der Adam P11A, der Genelec 8040 und der Focal Solo6 Be sind kaum höher als ein Leitz-Ordner und werden somit auch in beengten Projektstudios ihr Plätzchen finden. Richtig viel Box hingegen bieten der KRK V8II und der Samson Rubicon R8a – bei beiden empfiehlt sich die Aufstellung auf einer speziellen Konsole. Allerdings ist keiner der Monitore fliegengewichtig: Achten Sie also in jedem Fall auf einen stabilen, vibrationsfreien Untergrund, schließlich soll der Monitor Ihrer Wahl auch „sotto voce“ aufspielen können, ohne Maskierung des Klangs.

Die Verarbeitung aller sechs Monitore ist auf sehr hohem Niveau. Hier sind die Hersteller keine Kompromisse eingegangen, auch notorische Beckmesser mit mikroskopischem Scharfblick werden hier keine Angriffspunkte ausfindig machen. Erfreulich: Auch der günstige Samson kann hier absolut überzeugen und belegt einmal mehr, dass ein vergleichsweise niedriger Preis heute grundsätzlich nicht mehr einher geht mit schlampiger Detailverarbeitung. Schön.
Die erheblich teureren Lautsprecher bieten allerdings das eine oder andere Leckerli, das bei einer knappen Kalkulation kaum drin ist: So bekam der gebürtige Franzose Focal Solo 6 Be Gehäuseseiten aus echtem, hochglanzlackiertem Wurzelholz spendiert, was Wertigkeit und Luxus vermittelt. Das gilt ebenso für die Frontplatte aus gebürstetem Aluminium, mit der sich der Tannoy schmücken darf. Beide bieten einiges fürs Auge und verführen zum Anfassen. Das gilt in gewisser Weise auch für den KRK, der im Gegensatz zu den beiden Europäern mit seinem markanten gelb-grau-schwarzen Gewand auf sportive Jugendlichkeit setzt.
Mit seinem schwarzen Gehäuse und dem goldenen Namenszug gibt sich der P11 A des Berliner Herstellers Adam aristokratisch-zurückhaltend. Die an den oberen Ecken abgeschrägten Vorderseiten seines Gehäuses sind mehr als ein gestalterischer Akzent, denn sie sollen für eine optimale Schallabstrahlung des Hochtöners sorgen. Dies gilt auch für das überall verundete Aluminiumgehäuse des Genelec 8040: Hierdurch soll gewährleistet werden, dass die Schallwellen sich bestmöglich vom Gehäuse lösen und Interferenzen im Mittel- und Hochtonbereich erst gar nicht entstehen; außerdem hilft die Massivbauweise unerwünschte Gehäuseresonanzen im Bassbereich zu vermeiden.

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