Es gibt sie noch die großen Studios mit bestens bestückten Regieräumen und genug Platz für ausgewachsene Orchester. Anlässlich der Aufnahmen zu Till Brönners Weihnachts-CD war das Berliner Teldex Studio mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin voll besetzt. Professional audio Magazin war dabei.
„Entscheidend ist das, was vor dem Mikrofon passiert“ erklärt uns Tobias Lehmann – neben Friedemann Engelbrecht Geschäftsführer des Teldex Studios – anlässlich unseres Besuchs in Berlin und fügt hinzu: „Ein Assistent von Bruce Swedien – vor allem bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Michael Jackson – verriet mir, dass große Teile des Thriller-Albums mit einem Shure SM58 aufgenommen wurden, weil sich Michael mit diesem Mikrofon einfach am wohlsten fühlte. Hat sich da jemals irgendwer beschwert?“ Ganz im Gegenteil, das Erfolgsalbum hat sich bis heute weit über 100 Millionen Mal verkauft und es damit bis ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft.
Es ist 17:30 Uhr, Lehmann hat einen für seine Verhältnisse entspannten Arbeitstag mit den Orchesteraufnahmen für Till Brönners Weihnachts-Album hinter sich. Er lehnt sich locker auf dem Sofa des Aufenthaltsraums zurück und nippt an seinem herrlich duftenden Espresso. Um besser zu verstehen, was wir den ganzen Tag über in der Regie miterlebt und von dort aus, durch eine sichere Glasscheibe getrennt, im 445 Quadratmeter großen Aufnahmesaal gesehen haben, führt uns der Tonmeister in das Geheimnis der Orchestermikrofonierung ein. Dafür zückt er kurzer Hand einen Bleistift – ein anderes Exemplar dieses Schreibgeräts wird später noch für Furore sorgen – und skizziert Aufnahmeraum, Instrumentengruppen und Mikrofone auf der Hälfte eines DIN A4-Blattes. „Der Raum ist absolut entscheidend“, beginnt er sein kurzes Privatseminar „damit das akustische Signal per se gut klingt.“ Dabei komme der eigentliche Sound, so Lehmann, aus dem Raum in dem sich der Klangkörper entfaltet. Ohne diese akustische Umgebung klinge das Ergebnis nicht viel besser als gut aufgenommene Samples. Auf die Frage, warum der große Aufnahmeraum so gut klingt, hat Lehmann eine teils wissenschaftlich, teils mystische Erklärung: „Die Abmessungen sind so gewählt, dass keine stehenden Wellen entstehen können. Außerdem besitzt der Raum so gut wie keine Eigenresonanz. Durch Absorber aus weichen und harten Materialien – der akustische Ausbau stammt noch aus den 60er Jahren – erreichen wir zusätzlich eine hohe Diffusität des Schalls. Viele dieser Materialien gibt es meines Wissens heute gar nicht mehr und über die Details reden wir nicht.“ Dann fährt er mit leicht veränderter Stimme fort: „Das ist aber nicht alles. Eine solch gute Akustik ist ein zu einem Teil Wissenschaft, zu einem anderen Teil aber eine gehörige Portion Zufall und etwas Mystik. Die Konstruktion einer Stradivari beispielsweise kann auch bis ins letzte Detail analysiert und...
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