Test Groove Box Akai MPC5000

Schwieriges Erbe 

Seitdem Akais jüngstes Flaggschiff MPC5000 am Markt erhältlich ist, hagelt es von Seiten der Nutzer – Einsteiger wie Besitzer von Vorversionen – Kritik an der neuen Groove Box. Professional audio hat das selbstbewusst betitelte „Music Production Center“ unter die Lupe genommen und geht der Frage nach, was die Groove Box in der Praxis wirklich leistet.  

Von Georg Berger  

Der japanische Pro-Audio-Hersteller Akai kann sich ungeteilter Aufmerksamkeit erfreuen, wenn es um die Präsentation eines neuen Modells seiner MPC-Serie geht. Kein Wunder, hat Akai Ende der 1980er Jahre mit dem Urvater MPC60 nicht nur ein neuartiges Konzept aus Drumcomputer, Sampler und Sequenzer ersonnen, sondern gleichzeitig eine neue Gerätegattung geschaffen, die seitdem unter dem Begriff Groove Box subsumiert wird. Viele Musikschaffende vornehmlich in allen Spielarten des Dancefloor haben die MPCs seitdem in ihre Herzen geschlossen und halten ihr beim Musik machen sowohl im Studio als auch vornehmlich live auf der Bühne bis heute die Treue. Das neue Flaggschiff MPC5000 wurde vor knapp einem Jahr präsentiert und löst den bisherigen Throninhaber MPC4000 ab. Mit dem Markteintritt des Neulings ging allerdings ein Aufschrei durch die MPC-Fangemeinde, denn in Sachen Leistung tritt das 5000er-Modell im Vergleich zur 4000er-Ausgabe einen großen Schritt zurück – so scheint es zumindest. Lassen sich im MPC4000 durch nachträglichen Einbau von Speicherkarten maximal 512 Megabyte Arbeitsspeicher nutzen, stehen im MPC5000 mit Hilfe einer aufpreispflichtigen Speichererweiterung lediglich 192 Megabyte zur Verfügung. Weiterhin: Die Audio-Engine im MPC5000 samplet mit lediglich 16 Bit und 44,1 Kilohertz, anstatt 24 Bit und 96 Kilohertz wie im Vorgänger. Bei in etwa vergleichbaren Verkaufspreisen von knapp 2.200 Euro bleibt dem Interessent beim oberflächlichen Vergleich ja nichts anderes übrig, als zu mosern. Doch jenseits dieser simplen Leistungsvergleiche, die man ansonsten nur bei Kindern beim Spielen von Autoquartett beobachtet („Mein Lamborghini XY hat 80 PS mehr als Dein Porsche XX…“), stellt sich die Frage, ob das wirklich ein Rückschritt ist. Denn, wer ein MPC-Modell einsetzt, wird zumeist auf Drumsamples und vorgefertigte Sample-Loops von Drittanbietern zurückgreifen, die zum Großteil mit 44,1 Kilohertz und entweder 16 oder 24 Bit produziert sind. Zwar ist die maximale Spieldauer von 24 Bit/96-Kilohertz-Samples bei maximalem Speicherausbau des MPC4000 mit knapp einer halben Stunde fast gleich zur Spieldauer im voll ausgebauten 5000er-Modell. Alles in allem ist diese Option in der tatsächlichen Praxis trotzdem überschätzt. Nahrung erhält die Aussage zusätzlich durch die Tatsache, dass sich das MPC4000 nie zum Verkaufsschlager gemausert hat. Abseits dieser oberflächlichen Diskussion wartet das MPC5000 mit einer Menge neuer Features auf, die selbst das MPC4000 nicht zu bieten hat und die wir jetzt einmal näher beleuchten wollen. Ganz seinen Vorgängern verpflichtet, ist auch das 5000er-Modell eine autark arbeitende Rundum-Lösung zur Produktion von Musik, im Kern bestehend aus einem (Drum-)Sampler, pattern-orientiertem MIDI-Sequenzer, einer Effektsektion und 16 anschlagsdynamischen und Aftertouch-fähigen Gummiflächen zum Spielen und Aufnehmen von Sounds und Sequenzen. Erste neu hinzugekommene Highlights im MPC5000 sind ein 20-stimmiger virtuell-analoger Synthesizer und ein opulent einstellbarer Arpeggiator, der sich auch auf die geladenen Samples anwenden lässt. Im Innern sitzt eine zwar nach heutigen Maßstäben sehr kleine 80-Gigabyte Festplatte, die zum Speichern und Laden von Samples und Song-Daten dient. Wem der Speicherplatz dennoch zu klein ausfällt, kann die Platte übrigens gegen ein Modell mit mehr Speicherplatz austauschen, wie uns Claas Schneider vom deutschen Akai-Vertrieb versichert. Der Clou: Das MPC5000 verfügt als erstes Gerät der Familie über Harddisk-Recording-Funktionen, bei der sich gleichzeitig zwei Spuren aufzeichnen und maximal acht Spuren durch direktes Streamen von der Festplatte, also ohne Mehrbelastung des wertvollen Arbeitsspeichers, wiedergeben lassen.

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