Peter Finger gilt als Integrationsfigur der deutschen Akustikgitarren-Szene. Selbst ein international anerkannter Virtuose auf der akustischen Fingerstyle-Gitarre und sehr begabter Komponist, schuf er mit Acoustic Music Records eines der weltweit bedeutendsten Labels für feine Gitarrenmusik von Fingerstyle, über Jazz bis hin zur Klassik. Dabei tragen nicht allein die hochkarätigen Künstler, die bei Acoustic Music veröffentlichen, zum Erfolg bei: Beträchtlichen Anteil haben auch die klanglich ausgezeichneten Produktionen, für die der Label-Chef oft selbst als ausführender Produzent verantwortlich zeichnet. Grund genug für Professional audio Magazin, Peter Finger an seinem Firmensitz in Osnabrück zu besuchen.
Erzählen Sie doch mal ein wenig über dieses Haus, damit sich unsere Leser eine Vorstellung von dem Gebäude machen können.
Dieses Haus, das Lutherhaus, gehörte der evangelischen Kirche. Die wollte es verkaufen, was aber nicht so einfach war, und es sollte schon abgerissen werden. Da haben wir zugeschlagen, worüber ich sehr froh bin. Auf einer Gesamtfläche von 1000 Quadratmetern bietet das Haus sehr viel: Wie Sie gesehen haben, gibt es oben einen Konzert-/Veranstaltungssaal für ungefähr 350 bis 400 Zuschauer, unten haben wir ein Tonstudio, Büro, Küche, einen Shop, den „Guitar-Bazar“ wo wir Gitarren-Workshops veranstalten und die Teilnehmer, wenn sie möchten, auch eine gute Gitarre kaufen können – wobei wir jetzt aber nicht dem örtlichen Handel Konkurrenz machen wollen. Dann habe ich hier meine kleine Holz-Werkstatt, wo ich – nach längerer Pause wieder – Gitarren baue. Im obersten Stockwerk, über dem Saal, sind noch mal 120 Quadratmeter wo wir beispielsweise Yoga-Seminare veranstalten. Das Haus wird vor allem als Studio und für den Shop genutzt, genauso auch für Veranstaltungen. Den Saal vermieten wir auch für Kammermusikabende oder Lesungen. Zuletzt hatten wir Frank Schirrmacher von der FAZ hier. Wir werden auch noch einen Konzertflügel anschaffen – entweder einen Bechstein oder einen Steinway –, wodurch das Haus für Veranstalter und Musiker noch attraktiver sein wird.
Mit Peter Finger verbinden die Kenner Gitarrenalben. Produzieren Sie eigentlich auch andere Sachen?
Zunächst ist das Lutherhaus ist ein von Acoustic Music unabhängiges, eigenes Projekt: Ich produziere hier auch Musik fürs Fernsehen. Da ist die Gitarre zwar mit dabei, dass hat aber nichts mit den Eigenproduktionen des Labels zu tun.
Außerdem: Nach der 450ten Produktion mit Gitarrenmusik ist die 451te nicht mehr unbedingt das Spannendste, was ich mir so vorstellen kann. Deswegen werde ich künftig – sobald der Flügel hier ist – auch Klaviermusik produzieren. Demnächst habe ich einen Chor hier. Ich möchte sehr gerne in diesem Bereich arbeiten. Das ist eine echte Herausforderung, denn hier kann ich meine Kenntnisse vertiefen.
Schönes Stichwort, Kenntnisse. Wie hat sich denn der Musiker Peter Finger zum Produzenten entwickelt?
Da muss ich ein wenig weiter ausholen: Bevor ich das Label im Jahr 1989 gründete, war ich als Solist bei verschiedenen Plattenfirmen unter Vertrag, unter anderem machte ich auch Platten in den USA. Dort wird gewissermaßen mit der Stoppuhr produziert: Im Studio wird nicht nur die Uhrzeit, sondern auch der aktuelle Dollarbetrag angezeigt. Das ist schon recht stressig und nicht gerade inspirierend. Auch anderswo war das nicht viel anders – von gelangweilten Toningenieuren oder Leuten, die ständig reinredeten, ganz zu schweigen. Das missfiel mir immer mehr.
War es wirklich durchweg so unangenehm? Schwer vorstellbar.
Gut, es gab auch positive Erfahrungen: Zum Beispiel machte ich eine meiner ersten Platten bei „Kicking Mule“ dem Label des amerikanischen Gitarristen Stefan Grossman. Der wollte so billig wie möglich produzieren, da durfte ein Stück nur einmal gespielt werden. Mein Album „Acoustic Rock Guitar“, das recht erfolgreich war, war in anderthalb Stunden im Kasten. Das war in gewisser Weise schon wieder entspannend, weil alles noch locker ablief. Aber insgesamt war Studioarbeit für mich eher nervig. Deswegen wollte ich einen eigenen Arbeitsplatz haben, wo ich ganz in Ruhe an einem Stück arbeiten kann, üben, aufnehmen, anhören, Details verbessern – eben viel sorgfältiger, entspannter und autark. Die erste Produktion bei Acoustic Music war dann auch mein eigenes Album „Niemandsland“. Diese ersten, durchaus positiven Produktions-Erfahrungen ermutigten mich, hier auch andere Musiker, vor allem eben Akustikgitarristen, zu produzieren. Zumal das Studio auch nicht ein Jahr leer stehen muss, bis ich selbst wieder ein neues Projekt in Arbeit habe.