Reportage: Mikrofonhersteller DPA

Familienbetrieb

Die dänische Mikrofon-Manufaktur DPA ist Inbegriff der Firmenphilosophie klein, fein und mein.

Von Hans-Günther Beer

Es begann im Jahre 1992. Morton Stove, Vertriebsleiter und Ole Brøsted Sørensen, Mikrofonentwickler bei Brüel & Kjaer in Dänemark, nahmen das Angebot Ihres bisherigen Arbeitgebers an und übernahmen in ihrer eigenen Firma die Distribution für die Pro-Audio-Mikrofone des weltberühmten Messgeräte-Herstellers.  Brüel & Kjaer wollte im Zuge einer umfangreichen Umstrukturierung  Vertrieb und Service der Mikrofonserie 4000 outsourcen und sich voll und ganz auf das Messgeräte-Geschäft konzentrieren.
„Zu Beginn des Spin offs logierten wir mit unserer kleinen Zweimann-Firma im ersten Stock über einen kleinen Schule“, erzählte uns Ole Brøsted Sørensen anlässlich eines Besuches bei DPA Microphones in Alleroed in der Nähe von Kopenhagen „1993 stellten wir dann unsere erste Mitarbeiterin, Ilse Savane fürs Sekretariat ein“. Ilse Savane ist übrigens immer noch Empfangschefin bei DPA Bis Ende 1993 wuchs die Belegschaft dann auf insgesamt fünf Mitarbeiter und man konzentrierte sich auf den Ausbau der Kundenkontakte zu führenden Ton-Studios weltweit und auf die Entwicklung neuer Mikrofontypen auf Basis der nach wie vor von Brüel & Kjaer gefertigten 4000er Kapseln.

Heute, 14 Jahre später,  arbeiten für DPA knapp 90 Mitarbeiter und das Produktangebot füllt mittlerweile einen 60-seitigen Hochglanzkatalog. Doch Morton Stove und Ole Brøsted Sørensen blieben ihrer Philosophie, nur hochwertige Mikrofone für möglichst viele Anwendungszwecke komplett in eigener Regie zu fertigen, treu. „Eine Auslagerung der Produktion – auch einzelner Bereiche – nach Fernost kommt für uns nicht in Frage“, erklärt Morton Stove und verweist voller Stolz auf die große Fertigungstiefe im eigenen Werk in Asnæs, eineinhalb Autostunden vom Headquarter in Alleroed, nahe Kopenhagen entfernt. Dort arbeiten über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auffallend ist das sehr familiäre Betriebsklima  – sowohl im Headquarter als auch in der Fertigung – und dien Tatsache, dass man überraschend viele ältere Mitarbeiter antrifft. Dies läge nicht an der extrem geringen Arbeitslosenquote von unter zwei Prozent im Großraum Kopenhagen – ganz Dänemark hat eine Quote von etwa vier Prozent – führt Morton Stove aus, sondern man wolle auf das Knowhow der älteren Mitarbeiter einfach nicht verzichten.

Lediglich einige Metallteile lassen Morton Stove und Ole Brøsted Sørensen von Spezialfirmen in der Nachbarschaft fertigen, alle Kunststoff-Spritzgussteile werden in eigenen Extrudern in Serie gespritzt. Selbstverständlich besitzt DPA einen eigenen Formenbau, der die Formen für die Spritzgussteile mit höchster Präzision anfertigt – hunderet an der Zahl. „Unsere Qualität bei Spritzguss ist so hoch und die Qualität so gut“, freut sich Morton Stove, „dass wir auch Fremdaufträge beispielsweise für den Tonabnehmerhersteller Ortofon übernehmen“.

Doch bis es soweit kam, hatte das junge Unternehmen noch so manche Klippe zu umrunden. Zwei Jahre nach Firmengründung stellten die beiden Eigentümer ihre ersten neuen Produkte vor, darunter ein Headset-Mikrofon für die Rundfunkanstalten. 1995 erregten die Mikrofonbauer aus Dänemark weltweit großes Aufsehen mit ihrem neusten Coup, dem Typ 4040, einem Großmembran-Mikrofon mit Kugelcharakteristik. Das besondere an diesem Gold-Mic, es war mit umgerechnet 8000 das damals teuerste Mikrofon der Welt, komplett in Handarbeit hergestellt und auf eine Stückzahl von 100 limitiert. Technisch machte es durch seine eingebauten Verstärker auf sich aufmerksam, der sich von Transistor-Betrieb auf Röhrenmodus umschalten lässt. Die jeweils mit der individuellen Namensplakette des Besitzer versehenen  Charge war sehr schnell ausverkauft. „Ein asiatischer Distributor besitzt, so haben wir gehört, noch einige Exemplare“, so OLE BRØSTED SØRENSEN, „wo der aktuelle Preis liegt, wissen wir allerdings nicht“.

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