Sonderteil: Alles über Hall

Workshop: So setzen Sie Hall richtig ein

Sie setzen Hall-Plug-ins ein und wundern sich, warum Ihre Arrangements matschig, verwaschen und flach trotz exzessivem Einsatz von Hall klingen? Professional audio Magazin zeigt Ihnen, wie es richtig geht.

Von Georg Berger

Es ist wirklich zu verführerisch: Jedes Hallgerät beziehungsweise Plug-in enthält heutzutage eine breite Palette unterschiedlicher Hall-Programme, die alle darauf warten eingesetzt zu werden. Die Zeiten in denen lediglich ein einziges Hall-Gerät/Programm für den Gesamt-Mix zur Verfügung stand, sind spätestens mit Etablierung des Computers als Produktionsmaschine vorbei. Es kommt was kommen muss: Das breite Angebot unterschiedlicher Hall-Räume schon in nur einem Produkt verführt förmlich dazu, mehrere verschiedene Hall-Presets in einem einzigen Arrangement einzusetzen. Das Ende vom Lied:  Durch eine solche Hallschlacht klingt das Ergebnis am Ende noch viel undifferenzierter als die ursprüngliche trockene Aufnahme.
Allzu leicht fällt der ambitionierte Home-Recorder auf den Segen der Technik herein, obwohl auch hier mal wieder gilt: Weniger ist oft mehr.  

In diesem Workshop wollen wir Ihnen anhand eines kleinen Arrangements, bestehend aus fünf Instrumenten, zeigen, wie Hall eingesetzt wird, um räumliche Tiefe und mehr Durchsichtigkeit im Arrangement zu erreichen. Das für diesen Workshop angefertigte Arrangement können Sie sich im Internet auf unserer Homepage www.professional-audio.de anhören und alle Stadien des Workshops Schritt für Schritt nachvollziehen.

Eines vorweg: Die Auswahl und der Einsatz von Hall ist im Vergleich zur Einstellung von Kompressoren oder Vorverstärkern keiner logischen oder technischen Gesetzmäßigkeit unterworfen. Vielleicht und gerade auch deswegen ist der Hall-Effekt von allen Studio-Peripherie Geräten dasjenige, das sich am freiesten und künstlerischsten einsetzen lässt.  Das einzige Kontrollwerkzeug, das Sie beim Einsatz von Hall benötigen, bringen Sie schon von Geburt an mit: Ihre Ohren. Es gilt, den Hall-Effekt behutsam und vor allem planvoll einzusetzen.

Machen Sie sich also noch vor dem Einsatz des Hall-Effektes Gedanken darüber, welche Art von Hall Sie für Ihr Stück einsetzen wollen. Sie bauen ein Haus ja schließlich auch nicht ohne einen Plan. In einer ruhigen Ballade mit langsamem Tempo und spärlicher Instrumentierung können die Zwischenräume und eventuell auftretende Frequenzlöcher durch einen voluminösen Raum mit langer Nachhall-Dauer zu einem organischen und runden Ergebnis führen. Solch ein Hall hingegen bei einem temporeichen Stück eingesetzt, führt aufgrund der hohen Signaldichte der Instrumente schließlich zu einem völlig verwaschenen Ergebnis. Für solche Stücke eignen sich eher kleine bis mittelgroße Räume mit kurzer Nachhall-Dauer.

Experimentieren Sie ruhig mit unterschiedlichen Hall-Effekten,  um Ihrem Stück die passende räumliche Atmosphäre zu verleihen. Wichtig: Um den Effekt kennen zu lernen und um zu überprüfen, ob der gewählte Effekt zur Atmosphäre des Stückes passt, setzen Sie den Hall-Effekt zu Beginn auf der Master-Summen-Spur ein. Das Geheimnis, um einem Stück authentische Räumlichkeit zu verleihen besteht darin, nur einen einzigen Hall-Effekt, im Recording-Bereich Haupthall genannt, einzusetzen. Diese Erkenntnis ist eigentlich logisch. Wer bis dato wahllos verschiedene Hall-Räume gleichwertig seinen Instrumente übergestülpt hat, erzeugt damit eine in der Realität nicht vorhandene Räumlichkeit. Nicht nur, dass diese Hall-Effekte durch ihre unterschiedlich starken Anteile von Erst-Reflexionen und Hallfahnen Frequenzauslöschungen und Phasenverschiebungen erzeugen können, der räumliche Gesamt-Eindruck stimmt einfach nicht. Sie werfen schließlich auch nicht Ihren Pudding in die Linsensuppe und essen alles zusammen.

Grundlage unseres Workshops bildet ein knapp einminütiges Musikstück, das wir in Cubase SX3 mit 24 Bit und 96 Kilohertz aufgenommen haben. Ziel dieses Workshops ist, mit einem Haupthall dem Arrangement räumliche Tiefe zu verleihen und gleichzeitig die Instrumente so zu staffeln, dass sie gut zu orten sind. Dazu haben wir uns einen Plan erstellt, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie die einzelnen Instrumente im Raum zu verteilen sind.

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