Sie möchten Ihren Aufnahmen den letzten Schliff verpassen und sie in professioneller Qualität auf CD oder DVD brennen? Wavelab 6 hat alles, was Sie dazu brauchen – und noch einiges mehr. Die Feinheiten enthüllt unser Test.
Wavelab gehört zu den Dinosauriern der Musiksoftware-Szene. Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum des Programms legt das Hamburger Unternehmen Steinberg ein umfangreiches Update vor. Ursprünglich war die Software darauf spezialisiert, Audiosamples zu bearbeiten und an die damals noch üblichen Hardware-Sampler zu senden. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Programm zu einem hochwertigen Mastering- und Audio-Editing-Tool: Die Software eignet sich inzwischen dazu, Audioaufnahmen zu bearbeiten und zu mastern. In der Audiomontage lassen sich diese zu CD- und DVD-Projekten zusammenstellen und auf Datenträger brennen.
Die Version 6 enthält über 120 weitere Funktionen und Optimierungen. Außer einigen neuen Plug-ins und dem verbesserten Dateihandling besticht vor allem der neuartige Spektrum-Editor, der bisher nicht gekannte Eingriffe in das Audiomaterial ermöglicht. Auch unter der Haube wurde mächtig getunt: Verbesserte Timestretching-Algorithmen, zusätzliche Analyse-Tools und neue Lautstärkehüllkurven runden das Angebot ab. Professional audio Magazin testet, ob dies den Preis von rund 650 Euro rechtfertigt. Ein Wermutstropfen vorweg: Wavelab gibt es nach wie vor nur für Windows. Macianer müssen leider draußen bleiben.
Schon nach kurzer Zeit fällt die etwas unkonventionelle und teilweise uneinheitliche Bedienung auf. Nicht alle Funktionen lassen sich über Presets bedienen; einige sind über Menüs zugänglich, andere über Fensterreiter. Zudem sind Zahleneingaben in Dialogen teilweise auf unterschiedliche Arten vorzunehmen. Solche kleinen Hindernisse müssten nicht sein. Sie verlängern die Einarbeitungszeit und behindern später den Arbeitsfluss. Das Programm würde zudem von einer besseren Unterstützung der gängigen MIDI-Controller und Möglichkeiten zur Verwaltung von Bildschirmlayouts profitieren.
Positiv zu werten ist die uneingeschränkte Undo-Funktion, mit der sich alle Bearbeitungsschritte wieder rückgängig machen lassen. Dennoch ist es ratsam, vor dem ersten Bearbeitungsschritt eine Sicherheitskopie der Aufnahme anzulegen. Wenn etwas schief gehen sollte, ist es so immer möglich, zum Original zurückzukehren. Gut gefällt uns auch das neue Dateihandling: Wavelab erzeugt zu jeder bearbeiteten Datei diverse Zusatzfiles, die beispielsweise Pegelinformationen oder Dateimarker enthalten. Diese wurden bisher immer in dem Verzeichnis abgelegt, in welchem sich auch die Aufnahme befindet; bei Version 6 lassen sich die Hilfsdateien nun in separate Verzeichnisse einordnen. Wavelab wird damit sehr viel übersichtlicher.
Wavelab 6 ist in zwei große Blöcke unterteilt: Audio-Bearbeitung und Mastering. Die Clip-Ansicht stellt sämtliche Funktionen zur samplegenauen Bearbeitung von Audio-Aufnahmen zur Verfügung. Selbstverständlich wird der Eingriff ins Klangmaterial durch eine Vielzahl von Editierfunktionen unterstützt, die sich auf die gesamte Aufnahme oder einzelne Bereiche beziehen.
Sehen wir uns zum Beispiel die Bearbeitungsmöglichkeiten zur Lautstärkeänderung an. Sie gehen weit über ein einfaches Normalisieren der Aufnahme hinaus, das bei bereits bestehender voller Ausnutzung des Dynamikumfangs an seine Grenzen stößt. Mit Wavelab lässt sich die Lautheit der Aufnahme auch dann deutlich anheben, wenn herkömmliches Normalisieren zu Clipping führt und die daraus resultierenden digitalen Knackser die Aufnahme zerstören würden. Hier arbeiten verschiedene Analysetools mit einem Kompressor zusammen; der Anwender muss nur den gewünschten Zielpegel angeben, den Rest übernimmt Wavelab automatisch.