Test: Audio-Interface RME Fireface 400

Bonsai-Rack mit Sumo Features

Mit dem Fireface 400 ist der deutsche Hersteller RME angetreten, um im gut besetzten Markt der externen Firewire Audio-Interfaces neue Akzente zu setzen. Professional audio Magazin klärt auf.

Von Georg Berger

Nimmt man das Fireface 400 das erste Mal in Augenschein, so entsteht der Eindruck, dass es sich um ein Requisit aus einer Puppenstube handelt. Mit seinen Rackwinkeln und den beiden markanten Griffen an den Seiten ist es aufgebaut wie ein klassisches 19-Zoll-Gerät – mit dem Unterschied, dass es nur halb so groß ist. Spätestens der Verkaufspreis von knapp 900 Euro macht aber klar, dass es sich um kein Spielzeug handelt. Auch trügt der  
Schein des niedlichen Bonsai-Rack Gerätes in Sachen Gewicht:. Mit knapp eineinhalb Kilogramm liegt das komplett in Metall gefertigte Gerät im Vergleich zu seinen Dimensionen recht schwer in der Hand und vermittelt eine professionelle Verarbeitung.

Der zweite intensivere Blick gilt dem Handbuch. Es ist vorbildlich gestaltet und didaktisch perfekt aufgebaut. Es erläutert nicht nur leicht verständlich die Funktion des Audio-Interfaces, nein, es gibt sogar noch Hintergrundinformationen zur Technik der Digitalwandlung im Allgemeinen. Dafür bekommt RME von uns schon einmal die Bestnote.

Insgesamt 18 Ein- und Ausgangskanäle enthält das Fireface 400, die sich auf acht analoge, acht ADAT-, sowie zwei S/PDIF-Kanäle – wahlweise koaxial oder optisch – verteilen. Dazu gesellen sich noch ein Wordclock-Anschluss und zwei separate MIDI-Schnittstellen. Das Fireface verfügt ferner über zwei separate Mikrofon-Vorverstärker mit schaltbarer Phantomspeisung – schaltbar nur über die Steuersoftware Total Mix –, die mit den Combo-Buchsen auf der Frontplatte des Gerätes verbunden sind und eine maximale Verstärkung von 65 Dezibel erlauben. Damit dürften auch die schwächsten Mikrofone eine ordentliche Signalübertragung schaffen.

Zwei weitere Vorverstärker mit einer Verstärkung von 18 Dezibel hinter den beiden servo-symmetrierten Klinken-Buchsen direkt daneben sind primär zum Anschluss von Instrumenten geeignet, was eine hohe Flexibilität in der Verarbeitung analoger Signale bedeutet und unterschiedlichste Mehrkanalanwendungen ermöglicht.

Das Fireface 400 ist in der Lage auf sämtlichen Kanälen mit 192 Kilohertz Samplingfrequenz zu arbeiten. Dies betrifft auch die optische S/PDIF-Schnittstelle. Damit enthält das RME-Interface Features, die in ähnlicher Form auch bei anderen Produkten zu finden sind. Doch das RME-Interface bietet noch mehr:

Das Fireface 400 ist Multi-Client fähig. Dadurch können mehrere Audio-Anwendungen auf dem Computer über das Fireface 400 gleichzeitig verwaltet werden. Das geht sogar so weit, dass simultan beispielsweise der Stereo-Ausgang eines Sequenzers über das Fireface 400 auf den Eingangskanal eines zweiten Sequenzers geroutet werden kann. Weiterhin kann die Übertragung der Datenmenge über die Firewire-Schnittstelle eingegrenzt werden. Wer nur analog wandeln möchte, kann sämtliche Digitalkanäle aus dem Datenstrom entfernen und so mehr Performance und Datenstabilität erhalten. Eine Wegnahme der ADAT-Kanäle aus der Datenübertragung beispielsweise verringert den Datendurchsatz von fünf auf zwei Megabyte pro Sekunde. Diese beiden exemplarischen Features wandeln dieite des Datenstroms je nach Anforderung einzustellen das Firefa vermeintliche äußere Niedlichkeit schnell zu purem Understatement.

Farblich abgesetzt vom schwarz lackierten Blech-Gehäuse fällt die silberne Frontplatte aus Metall auf, die mit ihrer Massivität dem ohnehin schon ordentlich gefertigten Gerät zusätzliche Stabilität gibt. Auf ihr finden sich die bereits genannten vier Analog-Eingänge, ein Drehregler, ein zweistelliges Display, insgesamt 20 Status-LEDs sowie eine Kopfhörer-Buchse, die in stereo die Analog-Ausgänge sieben und acht führt. Die einzelnen Elemente sind mit blauen Feldern optisch voneinander separiert.

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