Manchmal gibt es Berührungspunkte zwischen Musik und Malerei. Das gilt für die Arbeit mit dem Classic Tube Equalizer der Tegeler Audio Manufaktur. Mit ihm gelingt klanglich das, was Künstler mit der expressionistischen Spielart des Action-Paintings in den 40er Jahren schufen. Wir haben ihn getestet.
Geräte im Vintage-Style, wie der Classic Tube Equalizer der Tegeler Audio Manufaktur, verlangen oftmals nach nostalgischen Vergleichen, um ihrem Stellenwert gerecht zu werden. Sie sind mehr als bloße Gebrauchsgegenstände und besitzen häufig, wie auch in diesem Fall, einen warmen Röhren-Kern, der ihnen eine Art technischer Seele verleiht. Es sind alte Konzeptionen, wie der legendäre PultecEQ von Manley, die aufgrund besonderer klanglicher Eigenschaften ihre Berechtigung bis in die heutige Zeit behaupten können. In weiter entwickelter Form entspricht solches Equipment damit immer noch dem State of the Art oder setzt aufgrund optimierter Features neue Maßstäbe. Mit dem Classic Tube Equalizer will Michael Krusch, der Chefentwickler der Tegeler Audio Manufaktur, die Summe der besten Vintage-Equalizer bilden und in einem Gerät zusammenfassen. Dabei setzt er auf intuitive Bedienbarkeit und Musikalität. Diese Prämisse lässt an die Grundsätze des, aus dem abstrakten Expressionismus hervorgegangenen, Action Paintings erinnern. Das Kunstwerk entwickelt hier ein Eigenleben, welches wesentlich durch den Aktionismus des Künstlers hervorgerufen wird. Neue experimentelle Kapazitäten und freie künstlerische Entfaltung sind die Effekte dieser Kunstform, die, auf musikalische Prozesse übertragen, kreatives Arbeiten am Klang erleichtern und verbessern können. Für rund 1700 Euro tritt der viel versprechend bestückte passive Equalizer an, um für musikalische und intuitive Klangbearbeitung zu sorgen.
Wie alle aktuellen Produkte der Tegeler Audio Manufaktur (siehe Testbericht: Tube Recording Channel, Ausgabe 08/06), ist auch der Classic Tube Equalizer schnell an der unverwechselbaren blauen Frontplatten zu erkennen. Die Corporate Identity – analoge Technik in digitaler Welt – des Unternehmens springt direkt ins Auge und überzeugt mit ihrem Vintage-Charm, der nicht zuletzt durch die teils einrastenden, teils fließend einstellbaren Drehregler im Stil alter Messgeräte, versprüht wird.
In Verbindung mit den silbernen Kippschaltern und der ebenfalls blau leuchtenden Poweranzeige in Form eines kleinen Bullauges, wirkt der EQ wie ein Relikt vergangener Tage. Es bietet sich an, das stabile, drei Höheneinheiten messende Stahlgehäuse sofort in einem Rack zu montieren, um lediglich die charmante Frontplatte erscheinen zu lassen. Einmal montiert, verkabelt und immer eine handbreit Luft über dem Gerät gelassen – wegen der Wärmeentwicklung durch die Röhre (ECC88) – und dem Einsatz des EQs steht nichts mehr im Weg.
Der Equalizer besteht aus sechs, in ihrer Wirkung ineinander greifenden, Filtern, die über verführerische Drehregler an der Frontplatte justiert werden. Allein die satten Geräusche beim Einstellen der Frequenzen und die Griffigkeit der Old-School-Knäufe, wecken den Drang, ständig neue Einstellungen vorzunehmen. Während die Wahl der Frequenzen sich auf bereits voreingestellte Positionen beschränkt, sind die Boost- und Cut-, sowie der einsame Bandbreiten-Regler im Mittenbereich, fließend auf einer Skala von Null bis zehn verstellbar. Der EQ erhebt in nicht den Anspruch eines puristischen Präzisionsgeräts, sondern versteht sich als ein intuitiv bedienbares Instrument, dessen Intention das gut klingende, musikalische Ergebnis ist. Im Vergleich zum passiven Equalizer Passeq der Firma SPL (siehe Test, Ausgabe 08/06) steht hier die Klangmodelierung und nicht die subtil puristische Klangverbesserung im Vordergrund. Tiefpass- und Hochpass-Filter sind in Form von zwei Shelf-Filtern installiert. Über die dazugehörigen Regler am linken und rechten unteren Rand der Frontplatte, sind diese aufgrund der logischen Positionierung in Analogie zum Frequenzspektrum, schnell zu finden. Im Bassbereich können die ausgewählten Frequenzen 20, 30, 60 und 100 Hertz sowohl angehoben als auch abgesenkt werden. Am anderen Ende des Spektrums lässt der Hochpass-Filter die Absenkung von fünf, zehn und 20 kHz zu. Die anderen vier Filter-Sektionen sind für die Mitten verantwortlich. Die drei semiparametrischen Peakfilter am oberen Rand des Bedienfeldes bilden den Kontrapunkt zu dem in der unteren Hälfte der Front zentrierten, vollparametrischen Mitten-Filter. Die Abstufungen der Frequenzen führen zunächst die Einteilung des Bassbereichs fort. Der erste Peak-Filter ermöglicht es die Frequenzen von 200, 300, 500, 700 und 1000 Hertz anzuheben.