Test: Mikrofon-Vorverstärker True Systems P2analog

Gesellschaftsfähig

In seinem eleganten Designeranzug empfiehlt sich der P2analog für die Aufnahme in die feine Gesellschaft der Edel-Preamps. Doch hierfür muss er auch klanglich über allerbeste Manieren verfügen, denn der schöne Schein macht´ s nicht allein.

Von Harald Wittig

Die amerikanische Sunrise Engineering and Design Inc. hat sich im Verlauf der letzten fünf Jahre einen hervorragenden Ruf im Pro-Audio-Bereich erarbeitet. Die Liste der Kunden, die das Unternehmen mit Consulting oder Produktdesign beauftragten, liest sich beeindruckend: Sony Electronics, Sony Classical, Time Line Vista und Tascam vertrauten bereits der Kompetenz der Amerikaner. Unter dem Markennamen True Systems gibt es eine kleine, feine Produktlinie von insgesamt vier Vorverstärkern, die in den USA bereits für Aufsehen sorgten. Seit kurzem sind die True Systems-Produkte auch hierzulande lieferbar, so auch der von Professional audio Magazin getestete P2analog. Beim Testgerät handelt es sich – Nomen est Omen – um einen analogen, zwei-kanaligen Mikrofonvorverstärker in diskreter Class A-Schaltung.

Mit seinem Preis von rund 2.200 Euro gehört der P2 zur Preisklasse eines Millennia HV-3C – das schürt Erwartungen. Zumindest optisch wird er diesen mühelos gerecht: Seine Vorderfront schimmert in elegantem Rot-Metallic und macht bereits deutlich, dass die Entwickler sich nicht lumpen ließen, denn auch die schwarzen Metall-Regler laufen butterweich über den ganzen Regelbereich, die Druckschalter, womit einzelne Funktionen aufgerufen werden, sind mit ihrem deutlich zu erfühlendem Druckpunkt auf gleich hohem Niveau – insgesamt also Verarbeitung auf hoher Qualitätsstufe. Sehen wir uns jetzt die Ausstattung des P2 näher an.

Die beiden Kanäle des P2 sind gleich aufgebaut und haben all das zu bieten, was im Allgemeinen von einem Mikrofon-Verstärker erwartet werden darf: Symmetrische XLR-Eingänge für die Mikrofone, 48 Volt Phantomspeisung, Phasenumkehrschalter und eine Pegelanzeige (LED-Kette). Diese besteht allerdings nur aus sechs Segmenten und die Auflösung ist eher gering, was das Einpegeln deutlich erschwert. Auch ein Trittschaltfilter mit zwei Einsatzfrequenzen (40 und 80 Hertz) ist vorhanden, eine passende LED informiert über die aktive Auswahl: 40 Hertz sind die richtige Wahl, um tieffrequentes Rumpeln, das vom Boden über das Stativ in das Gehäuse des Mikrofons eindringt, wirksam zu unterdrücken. Auf 80 Hertz gestellt, kann der so genannte Nahbesprechungseffekt bei Gesangsaufnahmen verhindert werden, das Filter selbst beeinflusst die Stimme nicht, da es sich bei Signalanteilen in so tiefen Lagen nur um Störungen handeln kann.

Abhängig von den verwendeten Mikrofonen lässt sich die Eingangsempfindlichkeit der Kanäle über den mit „Gain“ beschrifteten Schalter ändern. Leuchtet die dazugehörige LED, steht der Schalter auf „On“ ,der Empfindlichkeitsbereich reicht von 15,5 dB bis 64 dB – passend für die meisten dynamischen Mikrofone. Möchten Sie Kondensatormikrofone anschließen, müssen Sie „Gain“ deaktivieren, die LED erlischt, die Eingangs-Empfindlichkeit umfasst jetzt den Bereich von 3,5 bis 52 dB und passt nun auch für Mikrofone mit starkem Ausgangspegel.
Wirklich aus dem Rahmen fallen die weiteren Ausstattungsdetails des P2. So bemerkt der aufmerksame Beobachter zunächst die beiden Klinkenbuchsen auf der Frontseite: Dahinter verbergen sich hochohmige Instrumenteneingänge. Hier können Sie also auch eine passive E-Gitarre oder einen E-Bass anschließen. Laut Hersteller sollen diese Anschlüsse auch höchsten Ansprüchen genügen und auch einer „Vintage-Strat das letzte klangliche Quäntchen entlocken“ können. Ob ´s stimmt, wird der Praxistest zeigen.

Rechts neben den Reglern fällt eine weitere LED-Kette mit 19 Segmenten auf. Mit diesem so genannten Stereo Phase Correction Display können Sie überprüfen, ob Sie Ihre Stereo-Mikrofonierung auch phasenrichtig vorgenommen haben: Leuchten die mittleren LEDs oberhalb des Aufdrucks „.90“, ist alles in Ordnung. Verschiebt sich die Anzeige nach rechts, müssen Sie von Phasenauslöschungen bei einigen Frequenzen – es wird also nicht mehr jedes Signal wiedergegeben. Ausgehen. Leuchten die Lichter oberhalb „.180“ sind die Mikrofone „Out of Phase“ – sie müssen nun, um den unerwünschten Klang („Loch in der Mitte“) zu vermeiden, die Phase des Störenfrieds mit dem jeweiligen Phaseumkehrschalter um 180° drehen. Anderenfalls würden Sie effektiv gar nichts hören. Auch wenn Sie natürlich in erster Linie auf Ihre Ohren vertrauen sollten: Eine praxisgerechte Hilfe ist das Display in jedem Fall.

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