Guido Zettier von den Ruhrsound-Studios

Der Eiger-Sound

 

Beim Deutschen Filmpreis 2009 räumte das Alpendrama Nordwand, Regie Phillip Stölzl, gleich zwei Lolas ab. Sowohl für die Kamera- als auch die Tongestaltung gab’s Gold. Grund genug für Professional audio, den Verantwortlichen Sound-Designer Guido Zettier in den RuhrSound Studios in Dortmund zu besuchen, um mehr über die Tongestaltung und das Sound-Design des preisgekrönten Films zu erfahren.

Von Michael Nötges

? Herr Zettier, wie kam es dazu, dass Regisseur Phillip Stölzl Sie für das Sound-Design zum Film Nordwand engagiert hat? Haben Sie schon früher mit Ihm zusammen gearbeitet?

! Nein, wir kannten uns vorher nicht. Es gab drei oder vier Sounddesigner, die für den Film Nordwand angefragt wurden. Das erste Gespräch im Dezember 2007 in Berlin – ich dachte eigentlich es wäre eine Vorbesprechung zum Kennenlernen – war recht lange und am Ende hat mir Philipp Stölzl gesagt, dass er gerne mit mir arbeiten würde.

? Krackseln Sie denn in Ihrer Freizeit auch schon mal auf den ein oder anderen Berg?

! Nein, aber es gehört zum Job dazu, dass man sich in die verschiedenen Themen hinein arbeitet und sich die wichtigen Hintergrundinformationen besorgt. Also habe ich mich dann über das Thema Bergsteigen informiert. Dabei waren natürlich besonders Details wichtig, die den Klang angehen. Beispielsweise die geschmiedeten Kletterhaken, die 1936 verwendet wurden.

? Was ist denn am Klang der Haken so entscheidend?

! Naja, wichtig für den Film war der Sound, den die Haken beim Hereinschlagen mit dem Hammer in den Fels erzeugen. Je nachdem wie das Gestein den Haken annimmt, ändert sich der Klang: Er wird von Schlag zu Schlag höher. Ist das nicht der Fall, weiß der Bergsteiger sofort, dass der Haken nicht hält und er wahrscheinlich poröses Gestein erwischt hat.

? Von wem bekommt man solche Detailinformationen? Haben Sie erfahrene Bergsteiger ausgequetscht?

! Dieses Detail hat mir Philipp Stölzl verraten, der sich zum Zeitpunkt unseres Treffens schon sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hatte. Bis dato hatte er schließlich zur Vorbereitung des Films bereits ein bis anderthalb Jahre mit wirklichen Bergsteigern (Double-Szenen) an der Eiger-Nordwand gedreht. In dieser Zeit sind die extremsten Bilder, die man im Film sieht, entstanden. Dadurch hatte Philipp Stölzl bereits viele wichtige Insider-Informationen. Viel wichtiger war aber noch, dass er genau wusste, wie der Film klingen soll. Authentizität war ihm sehr wichtig und er wollte dem Film einen gewissen Dokumentar-Charakter geben, um Nähe zu erzeugen, so als wäre man beim Aufstieg tatsächlich dabei.

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