Erster Eindruck: Sequencing Instrument Ableton Live 6

Intuitives Musizieren noch leichter

Es kam einer Revolution im computerbasierten Musizieren gleich, als das Berliner Unternehmen Ableton im Jahre 2001 die Software Live vorstellte. Jetzt steht die Version 6 in den Startlöchern. Professional audio Magazin konnte die Beta-Version vorab ausprobieren; hier unsere ersten Eindrücke.

Von Dr. Andreas Polk

Vor Ableton Live boten zwar auch andere Sequenzer wie Cubase oder Logic bereits ausgefuchste Funktionen zur Aufnahme und Bearbeitung von Audiodaten. Viele Musiker schreckte das computerbasierte Recording aber ab. Sequenzer galten als schwer zu beherrschende Softwareriesen, die wenig intuitiv sind, viel Einarbeitungszeit erfordern und vom eigentlichen Musizieren ablenken. Nach wie vor gilt Software als fehleranfällig; und wer will sich in einer Live-Situation schon dem Risiko eines Computerabsturzes aussetzen?

Ableton wollte mit der Software Live das Musikmachen mit dem Rechner auf eine einfache, untechnische und vor allem spielerische Art ermöglichen. Die Idee bestand darin, das Arbeiten mit Audioaufnahmen ähnlich flexibel und zuverlässig zu gestalten, wie man es bis dahin nur vom Umgang mit MIDI-Daten her kannte.

Folglich zeichnet Ableton Live insbesonders der flexible Umgang mit Audioaufnahmen aus. Sämtliche Bearbeitungsschritte können on-the-fly, also beim Abspielen, durchgeführt werden. Beispielsweise folgt die Wiedergabe auch im Betrieb unmittelbar und verzögerungsfrei Tempoänderungen der Musiker, ohne dass die Audioaufnahmen dadurch auseinander laufen oder störende Knackser entstehen. Von den zugrunde liegenden technisch komplexen Abläufen wie Timestretching in Echtzeit bekommt der Künstler nichts mit. Er kann sich auf das Spielen konzentrieren.

Mit Warp-Markern lassen sich Audioaufnahmen in zeitlicher Hinsicht weitgehend manipulieren. Einspielungen können Sie in Echtzeit rhythmisch neu definieren und einem Arrangement anpassen. Haben Sie beispielsweise an einer Stelle etwas neben dem Takt gespielt, korrigieren Sie den Fehler einfach durch Setzen eines Warp-Markers. Es ist auch möglich, ganze Grooves zu verändern, beispielsweise binär eingespielte Rhythmen mit einem Swing-Feeling zu versehen. Viele Anwender nutzen das Programm aber vor allem, um Audioaufnahmen in Echtzeit zu gestalten und kreativ umzuformen.

Ableton Live erfreute den Anwender in den bisherigen Releases mit einer außerordentlich hohen Betriebssicherheit. Natürlich können wir diesen Aspekt auf Basis einer Beta-Version nicht abschließend beurteilen. Allerdings läuft diese schon jetzt erstaunlich stabil – auch Version 6 wird also vermutlich gewohnt zuverlässig sein.

Das neuartige Konzept von Ableton Live erfordert nur wenig Einarbeitungszeit und ermöglicht intuitives Arbeiten mit dem Computer. Alle relevanten Informationen werden in einem einzigen Fenster dargestellt. Zusätzlich sind die Bedienelemente in markanten Farben gehalten. Alles ist so unmittelbar zu erfassen, auch bei schwierigen Lichtverhältnissen.

Das Herzstück von Live ist die Session-Ansicht, die aus beliebig vielen Spuren besteht. Eine Spur wird – im Gegensatz zu herkömmlichen, an Bandmaschinen orientierten Sequenzern – vertikal angeordnet. Jede Spur enthält Clips – die Anzahl bestimmt der Nutzer –, die Audio- oder MIDI-Daten aufnehmen. Live kann immer nur einen Clip pro Spur abspielen: Wenn Sie einen Clip aktivieren, löst dieser einen eventuell schon laufenden in dieser Spur ab. Dies geschieht automatisch synchron zum Songtempo, die Wiedergabe kommt dabei niemals aus dem Tritt.

Um mehrere Clips gleichzeitig abzuspielen, sind diese horizontal anzuordnen und auf mehrere Spuren zu verteilen. Die Session-Ansicht ist also eine Matrix aus Clips: In der Vertikalen enthalten die Spuren Varianten eines musikalischen Elements, beispielsweise unterschiedliche Versionen eines Drumgrooves, einer Basslinie, oder Strophe/Refrain einer Gesangsstimme. In der Horizontalen bilden die Clips einer Zeile Scenes. Alle Clips einer Scene lassen sich gemeinsam einsetzen.

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