Studio Report: Tone Department Peter Riese

„Ich höre da kein Japan!“

Die Werbeindustrie hat längst erkannt, dass Musik als emotionaler Transmitter nicht nur dem Entertainment dient, sondern auch verkaufsfördernd wirken kann. Die Erkenntnis, dass es nicht reicht erfolgreicher Produzent und Komponist zu sein, um in der Werbebranche bestehen zu können, muss hingegen erst gewonnen werden. Der Düsseldorfer Peter Riese hat das mit Erfolg verinnerlicht.

Von Michael Nötges

Unser Ziel liegt fünf Gehminuten von der weltbekannten Königsallee entfernt: das Tone Department in der Herzogstraße 46. Damit befindet sich das musikalische Domizil des Komponisten und Produzenten Peter Riese im Bannkreis der luxuriösen Flaniermeile, die als Sinnbild für exklusives Lebensgefühl gilt. Die Adresse ist kein Zufall, denn neben erfolgreichen Produktionen mit Chartplatzierung und der Komposition von Filmmusik gehört das Produzieren für die Werbebranche sicherlich zu den lukrativen Arbeitsbereichen eines Komponisten. „Was ich am meisten an der Branche mag, ist natürlich das Geldverdienen“, erklärt der sympathische Produzent lachend auf die Frage nach Für und Wider der Werbebranche. Dabei erinnert der 38-Jährige keinesfalls an das Klischee bekannter Chartproduzenten. Er fügt hinzu: „Nein, mal im Ernst. Bestimmt ist das ein wichtiger Punkt, aber das Gute an der Branche ist, dass es ein schneller und sicherer Weg ist, eine Produktion zu veröffentlichen. In der Webung ist es so, dass es einen klaren Auftrag gibt, der in zwei bis drei Wochen abgewickelt wird und nach vier Wochen ist dann der Spot auf Sendung. Das ist natürlich ein schönes Gefühl: etwas zu kreieren und anschließend die direkte Verwertung zu sehen. Das Schwierige in der Musikbranche – Auftragskompositionen mal ausgenommen – ist, dass der Produktionsprozess sehr langwierig und aufwendig ist und es keine Garantie der Verwertung gibt.“

Wir sitzen uns bei gedimmtem Licht in der Regie des drei Räume umfassenden Tonstudios gegenüber. Eigentlich sind es vier, wenn man die aufwendige Raum-in-Raum-Konstruktion, in der wir uns befinden und die optimale Schallisolierung gewährleistet, mitberücksichtigt. Ein Fenster öffnet den Blick in den benachbarten Aufnahmeraum und ermöglicht damit die direkte Kommunikation mit den Musikern. Beide Räume sind mit einer schallschluckenden Holzverkleidung ausgestattet, was die Akustik, im Gegensatz zu unserem höchst interessanten Gespräch, sehr trocken erscheinen lässt. Ein weiterer Büroraum stellt alles bereit, was moderne Kommunikation und professionelles Arbeiten erfordert.

Gerade die Kommunikation in der Werbebranche scheint aber nicht immer ein einfaches Unterfangen zu sein – auch wenn Werbefachleute davon etwas verstehen sollten. Da Musik aber ein abstraktes Phänomen ist, wundert es nicht, dass es schwierig und anstrengend sein kann, den Vorgaben eines Auftrags zu entsprechen. Außerdem spielt die zwischenmenschliche Komponente bei einem Auftrag natürlich eine große Rolle. Ein heikles Thema, dass der aufrichtige Komponist diplomatisch umreißt:

„Es ist nicht unbedingt immer einfach, mit den Menschen aus der Werbebranche zusammenzuarbeiten. Es gibt natürlich, wie überall, auch unglaublich tolle Leute, aber eben auch einige, die einen Job sehr anstrengend gestalten können. Es kommt dann vor, dass ein Layout 40 Mal geändert werden muss, bis alles genau so ist, dass Agentur und Kunde zufrieden sind. In der Regel sieht der Workflow so aus, dass die Agentur mit einem fertigen Spot oder einem Storyboard zu mir kommt und erklärt, wie sie sich die Musik dazu vorstellen. Meistens ist dann die Länge und die ungefähre Stilrichtung schon vorgegeben. Manchmal ist auch schon ein bekanntes Stück als so genannter Mood unter den Film gelegt, an den man sich dann anlehnen sollte. Oder sie lassen mir ganz freie Hand, was für mich als Komponisten am angenehmsten ist. Es gibt aber auch die Fälle, wo die Musik möglichst genau nachkomponiert werden soll. Über Layouts tastet man sich dann immer weiter an das gewünschte Ergebnis heran.“

Auf die Frage, welche Eigenschaften in diesem Geschäft am wichtigsten sind, erwidert Riese: „Neben der musikalischen Vielseitigkeit ist es absolut notwendig, die Sprache der Werber zu sprechen und richtig interpretieren zu lernen. Die drücken sich eben häufig nicht klar aus. Da kommen dann Floskeln wie: ‚Wir brauchen mehr blau’ oder ‚Das ist uns nicht weihnachtlich genug’ oder ‚Ich höre da kein Japan!’. Irgendwann ist klar, was gemeint ist, aber das braucht definitiv seine Zeit, bis man die Aussagen richtig interpretieren kann.“

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