Im Bereich Digitale Audio Workstation gibt es mit den Soundscape-Produkten der belgischen Firma Sydec schon seit Anfang der 90er Jahre eine europäische Alternative zu Pro Tools von Digidesign. Doch das wird scheinbar immer noch nicht wahrgenommen; Professional audio Magazin leistet aktive Aufklärung.
Wenn das Stichwort Digitale Audio Workstation (DAW) fällt, denken einige an ein Komplett-System, bestehend aus einem Arsenal von Hardware-Komponenten, kompliziert aufzubauen und zu bedienen und das zu einem astronomischen Preis. Dass es auch anders geht, zeigt die vor kurzem von der britischen Edelmischpult-Schmiede SSL übernommene Firma Sydec Audio Engineering aus Belgien. Die Palette ihrer Soundscape-Produkte umfasst Komponenten, die modular den zentralen DAW-Baustein Soundscape 32 zur nahezu beliebig skalierbaren DAW-Lösung ergänzen. Ein herkömmlicher PC, der mit den Soundscape Geräten verbunden ist, bildet als Steuer-Zentrale das Gehirn des gesamten Systems. Interessenten mit zunächst geringeren Anforderungen können also klein anfangen und ihr System schrittweise ausbauen. Es gibt keine Soundscape-DAW mit fest definierten Komponenten, die nur in diesem Verbund funktioniert – alles passt zusammen.
Sydec bietet Bundles mit aufeinander abgestimmten Komponenten an, die als Basis zum Aufbau eines Systems dienen. Sie bestehen beispielsweise aus einer Kombination Soundscape 32 plus DSP-Karte Mixpander – eine von insgesamt vier angebotenen DSP-Karten – sowie einer PCI-Hostkarte für die Anbindung an den PC. Oder ein Bundle, das diese Basiskombination mit einem von 20 Audio-Interfaces ergänzt, die alle iBox heißen. Die iBox-Familie reicht von der iBox 24T (24 TDIF-Ein- und Ausgänge) über diverse AES-, ADAT- und MADI-Varianten bis hin zu reinen Mikrofon-Vorverstärkern oder D/A-Wandlern von Apogee oder Digital Audio Denmark. Um die Vielfalt – und zumindest anfangs die Verwirrung – komplett zu machen, bietet Sydec auch Mixpander-Bundles, bestehend aus der obligatorischen DSP-Karte Mixpander plus einer der iBox-Komponenten. Damit erwirbt der Käufer keine DAW, sondern eine DSP-I/O-Lösung für den schon vorhandenen Sequenzer – vom Prinzip her vergleichbar mit der Symphony-Lösung von Apogee (siehe Test Seite 60).
Bei sämtlichen Sydec-DAW-Bundles muss der von Ihnen genutzte Software-Sequenzer nicht in der Mottenkiste verschwinden. Über die gängigen Treiber und ein intelligentes Signal-Routing lässt sich die Funktionalität des Sequenzers in das Soundscape System einbinden. VST Plug-ins brauchen nicht aussortiert werden: Effekte und sogar virtuelle Instrumente können Sie bequem in die Soundscape Umgebung integrieren.
Zum Test orderten wir ein DAW-System im Gesamtwert von knapp 12.000 Euro. Es setzt sich aus der Zentrale Soundscape 32 (knapp 4.000 Euro), dem Festplatten-System iSDisk 4-F (ungefähr 800 Euro), den Audio-Interfaces Apogee I/O 896 (etwa 2.000 Euro) und iBox 64 MADI-TA (knapp 2.600 Euro) zusammen. Dazu kommen noch der Keyboard-Controller iEdit 128-M (fast 400 Euro), die Mixpander/9 DSP-Karte (an die 1.400 Euro), eine PCI-Host Karte zur Verbindung zwischen Soundscape 32 und einem PC, und last, not least die Editor 5.1-Software inklusive einer Reihe von Effekt Plug-ins zur Ansteuerung der Geräte (alles im Lieferumfang von Soundscape 32 enthalten). Das gesamte System inklusive der Audio-Interfaces verfügt auf analoger Seite über 34 Ein-, sowie 36 Ausgänge. Digital sind bei einer Sampling-Frequenz von 48 Kilohertz durch die MADI-Schnittstelle [G] in der iBox 64-MADI-TA sogar über 80 Ein- und Ausgänge verfügbar. Die Ausbaustufe dieses Systems erfüllt somit professionelle Ansprüche.