Das Hummel-Paradoxon ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Demnach sollen die pelzigen Albatrosse der Insektenwelt, mit dem Lateinischen Namen Bombus, nach aerodynamischen Gesetzen gar nicht fliegen können. Mit dem Lautsprecher-Paradoxon, dass kleine Boxen nicht in der Lage sind, auch tiefe Frequenzen ordentlich wieder zu geben, verhält es sich ähnlich. Den Beweis treten die O 110 der Firma Klein + Hummel an, mit verblüffendem Ergebnis.
Während ein Hummelvolk bloß einen Sommer überlebt, hat die renommierte Firma Klein + Hummel schon viele gute Sommer erlebt. Weit zurück reicht die Erfolgsgeschichte aus der niedersächsischen Wedemark. Die Firmenphilosophie wurde bereits 1935 durch das prägende Zitat des jungen Walter Hummel bestimmt: "Die Wiedergabe muss so gut sein, dass sie besonders in der Klangfarbe der Originaldarbietung entspricht. Deshalb reden wir von Wiedergabetreue." Zusammen mit dem zweiten Firmengründer Horst Klein bringen die beiden Unternehmer nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine Audio-Manufaktur auf den Weg, die bis heute weltweit einen ausgezeichneten Ruf genießt. Ende der 1970er Jahre verabschiedet sich Klein + Hummel aus der bis dahin erfolgreich mit gestalteten HiFi-Szene – legendär sind heute noch die Tuner FM 2002 und FM 3003 – und konzentriert sich auf die Bereiche ELA und Studiotechnik. Unter dem Deckmantel der Sennheiser Gruppe, arbeiten die Mitarbeiter weiterhin fleißig wie die Bienen an exzellentem Studioequipment. Der aktive Nahfeldmonitor O 110 ist ein Resultat jahrzehntelanger Entwicklung und Forschung und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Das anthrazitfarbene Äußere aus dem neuartigen Komposit Werkstoff LRIM (Low Resonance) erzeugt einen eleganten und zweckmäßigen Eindruck. Lediglich das rot beleuchtete K+H-Logo, in der unteren rechten Ecke der Schallwand, bringt etwas Farbe in das zurückhaltende Grau. Auf dem Kunststoff Polyurethan (PUR) basierend, ist das Gehäuse aus einem Guss gefertigt. Die Oberfläche zeigt sich matt und griffig durch eine Mikrostruktur, die an feine Raufasertapeten erinnert.
PUR-Hartschäume zeichnen sich durch ihre flexibel bestimmbaren Werkstoffeigenschaften aus. Laut Hersteller sind diese für den Monitoreinsatz optimiert, so dass sowohl eine gute Durchgangsdämpfung erreicht, als auch das Mitschwingverhalten des Gehäuses minimiert wird. Insgesamt ist die Vorderseite der O 110 nur unwesentlich größer als ein DinA5-Blatt im Hochformat. An den beiden oberen Ecken befinden sich die Bassreflexöffnungen, deren Röhrenquerschnitt die Form eines rechtwinkligen Dreiecks mit konkav geformter Hypotenuse aufweist. Direkt darunter sitzt ein elliptisch geformtes Horn, wie ein kleiner Vulkankrater, in dessen Zentrum der Hochtöner thront. Es fungiert als Wave-Guide, um optimales Abstrahlverhalten zu gewährleisten und um die Energieanteile beider Chassis, gerade im kritischen Bereich der Trennfrequenz, auszugleichen. Hintergrund: Große Lautsprechermembranen bündeln das abgegebene Signal bei steigender Frequenz zunehmend. Liegt die Trennfrequenz zwischen einem Tiefmittel- und einem Hochtöner bei vier Kilohertz, ist der Abstrahlwinkel des Tieftonsystems schon dort deutlich verengt. Der Abstrahlwinkel des Hochtonsystems bricht an diesem Übernahmepunkt aber wieder auf 180 Grad auf. Dieser Tannenbaumeffekt führt in Umgebungen mit Raumreflexionen – und die gibt es in jedem Abhörraum –dazu, dass am Übernahmepunkt plötzlich mehr Energie in den Raum abgestrahlt wird. Durch die Addition von Direkt- und Diffusschall, wird dieser Frequenzbereich betont. Da dies stark von den gegebenen Raumbedingungen abhängt, ist es schwierig diese Ungleichmäßigkeiten im Vorfeld auszuräumen. Das Wave-Guide der O 110 gleicht nun das Abstrahlverhalten der beiden Chassis an, so dass bei der Übernahmefrequenz das Niveau der homogenisiert ist. Dies führt zu einem gleichmäßig bündelnden Abstrahlverhalten und einem kontinuierlichen Verlauf der seitlich abstrahlenden Energie. Die tonale Balance der Lautsprecher ist damit nicht mehr so abhängig von den jeweiligen Raumreflexionen. Die Alternative den Pegel durch Filterung an der Trennfrequenz im Vorfeld abzusenken ist zwar möglich, führt aber zu einer Verfälschung des Verhältnisses von Direkt- und Diffusschall. Dies hat negativen Einfluss auf die Präzision und die Beurteilung der wichtiger Rauminformationen. In räumlich beengten Arbeitssituationen, wie kleinen Regieräumen oder Übertragungswagen, kann der O 110 durch das Wave-Guide auch auf der Seite liegend platziert werden, ohne dass er seinen Klangcharakter verändert. Was sich auch im Hörtest bestätigt.