Die Gitarre gehört zu den wichtigsten Instrumenten bei Musikproduktionen. Akustische und elektrische Gitarren gut aufzunehmen, ist nicht schwierig, wenn Sie einige Grundregeln beachten. In unserem Workshop zeigen wir Ihnen, wie Sie die richtige Mikrofon-Positionierung finden, geben Tipps zum Einsatz von Effekten und vergleichen zwei virtuelle Gitarren-Amps. Mit diesen Ratschlägen bringen Sie Ihren Lieblings-Sound optimal auf die Festplatte.
Für gute Gitarrenaufnahmen brauchen Sie keinen Geräte-Fuhrpark. Oft ist es die Beschränkung auf das Wesentliche, die Gitarrenaufnahmen optimal klingen lässt. Klar, zunächst sollten Sie gute Instrumente haben. Falls Sie mit ihren Gitarren nicht zufrieden sind: Warum nicht mal die tolle Gitarre eines Freundes für eine Aufnahme ausleihen?
Ansonsten brauchen Sie nicht viel: Das beste Mikrofon, das Sie sich leisten wollen, ein Audio-Interface mit soliden Mikrofon-Vorverstärkern und Instrumenten-Eingängen für ihre Stromgitarre und schließlich Ihren Rechner einschließlich Host-Sequenzer. Sollte Ihre Ausrüstung noch unvollständig sein, holen Sie sich doch einfach Anregungen in der Bestenliste (siehe Seite 106). Unser Mikrofontest in Ausgabe 5/2006 beschreibt Kleinmembran-Mikrofone verschiedener Preisklassen und hilft Ihnen bei der Auswahl, da wir auch erklären, für welchen Einsatzzweck sich die Teile eignen. Übrigens: In einer der nächsten Ausgaben bringen wir einen noch umfangreicheren Mikrofontest und testen dann auch Großmembran-Mikrofone auf Kapsel und Niere.
Mit diesem Zubehör sind Sie für den Workshop gerüstet. Wenn Sie die wichtigen Zwischenschritte beachten, machen Sie mit Leichtigkeit richtig gute Gitarren-Aufnahmen. Versprochen. Das Tollste: Beim Mischen müssen Sie nicht mehr viel nachbessern, da das Basismaterial dank unserer Ratschläge schon in guter Qualität vorliegt.
Dieser Workshop von Professional audio Magazin besteht aus vier Abschnitten: Zunächst befassen wir uns mit der Aufnahme von akustischen Gitarren, danach widmen wir uns der E-Gitarre. Neben einem sehr übersichtlichen Knigge für Studiogitarristen geht es hier schwerpunktmäßig um das Aufnehmen von E-Gitarren mit Amp Plug-ins. Da die wenigsten Home-Recorder ihren Röhrenstack mit voller Endstufensättigung zu Hause aufnehmen können – immerhin möchten Sie mit Ihrem Partner und mit den Nachbarn auch künftig gedeihlich zusammenleben – konzentrieren wir uns auf die Softwarelösung; wir vergleichen unter Praxisgesichtspunkten das Guitar Rig 2 von Native Instruments mit Amplitube 2 von IK Multimedia. Damit Sie den größten Nutzen aus diesem Test ziehen können, geben wir Ihnen zum Schluss Einstellempfehlungen. So verwirklichen Sie nach dieser Lektüre ohne Mühe einige klassische Gitarrensounds.
Akustische Gitarren sind sensible Instrumente und aus mehreren Gründen schwieriger aufzunehmen als E-Gitarren. Es sind leise Instrumente, weswegen Nebengeräusche besonders deutlich hervortreten. Menschen, die mit der Gitarre nicht vertraut sind, stören sich häufig an Griff- und Anschlagsgeräuschen. Diese lassen sich auch mit hoch entwickelter Spieltechnik und durch Verwendung geschliffener Saiten lediglich unterdrücken, nicht gänzlich vermeiden. Im scheinbaren Widerspruch zur geringen Lautstärke der Gitarre steht ihr Dynamikumfang: Ein beherzt angeschlagener Ton kann bei guter Grundaussteuerung ohne weiteres in den roten Bereich der Aussteuerungsanzeige Ihres Interfaces oder Ihres Sequenzers springen. Deswegen erfordert das Einstellen der Lautstärke besondere Sorgfalt. Schließlich haben akustische Gitarren unendlich viele Klangfarben, die Gitarristen naturgemäß beim Einspielen nutzen. Daher kommt es bei der Aufnahme entscheidend darauf an, die Mikrofone richtig zu positionieren.