Test: Digitaler Raum-Korrektur-Prozessor Trinnov audio Optimizer

Wunderraum

Perfekte Abhörbedingungen sind Grundvoraussetzungen für gelungene Produktionen – vor allem für mehrkanalige. Doch oft fehlt es dafür im Studio an den räumlichen Vorraussetzungen oder die baulichen Optimierungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Hier schlägt die große Stunde des Optimizers – er definiert das Wort Perfektion neu.

Von Hans-Günther Beer

Studiobetreiber können ein Lied davon singen. Bis die richtigen Abhörmonitore gefunden, die Studioakustik mit Hilfe von Absorbern, Bassfallen und Möblierung perfektioniert und beides korrekt aufeinander abgestimmt wurde, ist viel Erfahrung, viel Zeit und oft auch viel Geld nötig – von Try-and-error-Irrwegen gar nicht zu reden. Dies gilt schon für normale Stereo-Abhörräume. Um einiges komplexer, teurer und zeitintensiver wird die Angelegenheit, wenn es um Mehrkanal-Studios geht. Hinzu kommt: Häufig fehlt es den zuweilen hinzugezogenen Beratern an Erfahrung.   Doch selbst, wenn alle zur Verfügung stehenden Register gezogen und Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist das akustische Ergebnis nicht selten enttäuschend. In hochwertigen Konsumer-Surround-Anlagen, bei denen die Randbedingungen in der Regel sogar deutlich schlechter als im Studio, oft sogar katastrophal sind, haben sich deshalb seit Jahren sogenannte Raumkorrektur-Systeme auf DSP-Basis einen Namen gemacht. So zum Beispiel Anfang des Jahrzehnts Tag McLaren audio mit einem DSP-System im Prozessor AV-32, das aber lediglich die Amplituden-Frequenzgänge korrigiert, oder beispielsweise das aktuelle Multi-EQ-System von Audyssey, das mit speziellen Algorithmen eine Amplituden-Optimierung selbst für ein großes Auditorium realisieren will.  

Aus Frankreich kommt nun ein Mehrkanal-Raum-Korrektur-Prozessor, der einen entscheidenden Schritt weiter geht – und auch einen entscheidend anderen Ansatz hat. Die beiden französischen Wissenschaftler Arnaud Laborie und Rémy Bruno begannen mit Ihrem Projekt vor etwa sechs Jahren und hatten als Etappen-Ziel, ein neuartiges Multi-Channel-Mikrofonsystem zu entwickeln. Ihr SRP-System (Surround Recording Platform) stellten sie 2004 auf der AES-Convention in Amsterdam erstmals vor und brachten es mit ihrer frisch gegründeten Firma Trinnov audio sehr schnell zur Marktreife. International ernteten die beiden Erfinder mit ihrem SRP-System und vor allem für die dahinter stehenden Theorien bei Fachleuten sehr viel Anerkennung. Die beiden Wissenschaftler entwickelten als Grundlage ein sehr komplexes mathematisches Modell, das mit Hilfe sogenannter Fourier-Bessel-Funktionen ein akustisches Feld beschreibt, das neben der zeitlichen auch die drei räumlichen Dimensionen bei der Klangentstehung berücksichtigt. Basierend auf diesen theoretischen Erkenntnissen tüftelten sie daraus ein Verfahren namens Acoustic field processing, mit dem sich mathematisch-akustische Felder erzeugen lassen. Das Ergebnis nannten