Die Physical Modelling Technologie ermöglicht es, reale Instrumente virtuell im Computer nachzubauen. Ein bekannter Vertreter dieser Gattung ist Lounge Lizard EP-3 aus dem Hause Applied Acoustics Systems. Wir haben den Nachbau klassischer E-Pianos für Sie getestet.
Lounge Lizard ist ein virtuelles E-Piano und bildet die Instrumente der Serien Fender Rhodes und Wurlitzer nach. Der Sound beruht auf der computerunterstützten Nachbildung der einzelnen Klangkomponenten der realen Vorbilder, was weitgehende Eingriffsmöglichkeiten in die Klanggestaltung erlaubt. Alle Töne werden in Echtzeit berechnet, Samples werden nicht verwendet.
Ein Vorteil der Physical Modelling Technologie besteht darin, bereits auf Ebene der Klangerzeugung grundlegend in den Sound eingreifen zu können. Verschiedene Stimmungen des Instruments lassen sich ebenso nachvollziehen wie aufwändige Modifizierungen. Gerade beim Nachbau der klassischen E-Pianos der Marken Rhodes und Wurlitzer spielt dies eine besondere Rolle, denn jedes Instrument hat seinen eigenen Klangcharakter, der sich Attributen wie „dreckig“, „glockig“ oder „weich“ zuordnen lässt. Selbst zwei Instrumente der selben Baureihe klingen nie genau gleich, und nicht selten war der Grundsound eines speziell eingestellten E-Pianos charakteristisch für den Sound eines Songs oder einer ganzen Band.
Der grundlegende Klang eines E-Pianos wird im Wesentlichen durch die Feinabstimmung von Hammer, Stimmgabel, Dämpfer und Abnehmer bestimmt. Mit Hilfe der Physical Modelling Technologie bildet Lounge Lizard diese Komponenten virtuell ab. Der Benutzer erhält Zugriff auf viele klangbildende Elemente und wird in die Lage versetzt, bereits den Basissound des Instruments frei zu gestalten. Virtuelle Instrumente auf Samplingbasis erlauben dies höchstens in eingeschränktem Rahmen, da der Grundsound bereits wesentlich durch den Klangcharakter des gesampelten Vorbilds geprägt wird.
Physical Modelling-Instrumente gehen schonender mit Festplatte und Arbeitspeicher um als gesampelte Instrumente, benötigen aber mehr Rechenkapazität. So belegt Lounge Lizard nur zwölf Megabyte auf der Festplatte, der Arbeitsspeicher wird also durch das Instrument kaum belastet. Zudem gehen Preset-Wechsel rasch von der Hand, Samples sind nicht nachzuladen. Durch die Echtzeitberechnung der Klänge ist die CPU-Last deutlich höher als bei Instrumenten auf Samplingbasis. Dies macht sich auch in einer eher geringen Anzahl gleichzeitig spielbarer Stimmen bemerkbar. Lounge Lizard ist nur 32fach polyphon, was aber für die meisten Spielsituationen ausreichend ist.
Nach der Installation und Eingabe des Challenge-Response Codes ist das Instrument sofort einsatzbereit. Dank der zahlreichen aussagekräftig benannten Presets finden sich auch Musiker schnell zurecht, die „nur“ klassische E-Piano-Sounds suchen und das Instrument spielen möchten, ohne in die tieferen Gefilde der Klangerzeugung einzusteigen. Lounge Lizard bietet aber auch dafür reichlich Gelegenheit.
Grundsätzlich entsteht der Sound eines E-Pianos mit Hilfe einer Stimmgabel, die von einem Hammer in Schwingung versetzt wird. Ein Tonabnehmer wandelt die mechanische Schwingung in elektrische Signale um, die dann der Effektsektion und einem Verstärker zugeführt werden.
Lounge Lizard bildet diese Komponenten im Detail ab. Die Sektion „Mallet“ (engl., „Hammer“) repräsentiert die physikalischen Eigenschaften des Hammers. Der Grad der Steifigkeit des Hammers beeinflusst die Färbung des Klangs. Eine hohe Steifigkeit führt zu metallischen und attackreicheren Sounds, eine geringe Steifigkeit assoziieren wir als lieblich, weich und warm. Zusätzlich können wir den Geräuschanteil zumischen, der beim Anschlagen des Hammers auf die Stimmgabel entsteht. Ein hoher Geräuschanteil führt zu einem deutlich vernehmbaren Klacken beim Anschlag der Taste, das Instrument klingt insgesamt roher. Allein mit den Parametern der Mallet-Sektion ist es möglich, die Grundstimmung des Instruments zwischen warm und unaufdringlich sowie aggressiv und roh abzustimmen.
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