Technik: Surround-Sound in der Praxis Teil 3

Surround-Sound in der Praxis

Fix it in the Mix – Surround-Aufnahmen in der Postproduktion 

Atmosphären und Musik sind wesentliche Elemente eines spannenden Filmtons. Welche Aufnahmeverfahren sich eignen und wie Sie diese narrativen Elemente gekonnt in Ihre Surroundmischung einbetten, erläutert der dritte Teil unserer Serie.  

Von Carina Schlage

In der letzten Folge haben Sie die verschiedenen Ebenen einer Film-Tonspur kennen gelernt. Ob Originalton, Geräusche, Effekte, Atmosphären oder Musik: Jedes Element besitzt seine eigene Dramaturgie, die – durch die Hand von Spezialisten – im Idealfall Glaubwürdigkeit, Spannung und Emotionen der bewegten Bilder mehr oder weniger subtil unterstützt.  Da sich Atmosphären und Musik in besonderem Maße für Mehrkanal-Aufnahmeverfahren und damit letztendlich auch für eine Surround-Mischung anbieten, beschäftigen wir uns in dieser Folge noch einmal eingehender mit diesen beiden Elementen und wie sie kreativ und sinnvoll in einer Surround-Mischung eingebettet werden.  
Die Aufnahme und Gestaltung von Atmosphären stellt ein sehr weites Feld dar, für das jeder O-Tonmeister beziehungsweise Sounddesigner sein eigenes Rezept besitzt. Die verschiedenen Ansätze der Surround-Aufnahme wurden häufig und ausgiebig diskutiert, sodass an dieser Stelle nur auf die gängigsten und praktikabelsten Verfahren eingegangen werden soll. Denn generell gilt: Erlaubt ist, was gefällt und stimmig ist. Trotzdem sollten ein paar Grundgedanken und
-regeln beachtet werden.  Der finalen, atmosphärischen Klangcollage einer filmischen Szene liegt meistens eine real existierende und aufgenommene Atmosphäre eines bestimmten Ortes zu Grunde. Manchmal handelt es sich dabei um Aufnahmen vom Original-Drehort, sofern dieser die Stimmung des Bildes exakt wiedergibt. Für einen Mittelalter-Film dürfen in einer Waldszene selbstverständlich keine Errungenschaften des 21. Jahrhunderts wie Autos oder Flugzeuge zu hören sein. Das bunte Treiben auf einem mittelalterlichen Marktplatz wiederum ist als realer Ort überhaupt nicht existent. Die Kreativität des Sounddesigners ist deshalb gefragt, der die Klangstimmung aus verschiedenen Einzelelementen zu einer glaubwürdigen historischen Szene zusammensetzt (siehe Folge 2, Heft 10/2009). Auch dokumentarische Filme bieten gestalterisches Potenzial. Warum nicht in einer Aufnahme des Alexanderplatzes eine S-Bahn im Hintergrund vorbeirauschen lassen, auch wenn dies zum Zeitpunkt der Aufnahme so nicht der Fall war, jedoch ein typisches akustisches Bild der Berliner City zeichnet? Übertreiben sollten Sie es beim Dokumentarfilm selbstverständlich nicht und immer innerhalb der realen akustischen Gegebenheiten gestalten. 

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