Das Städtchen Siegburg in der Nähe von Bonn gilt nicht gerade als Hochburg der professionellen deutschen Audio-Szene. Bestenfalls kennen Musikliebhaber den Ort als Geburtsstätte des Komponisten Engelbert Humperdinck. Dabei ist Siegburg seit Anfang der 90er Jahre auch Stammsitz der Firma Creamware und die hat durchaus einen Namen in der Szene. Zwar geben sich die Creamware-Macher gern ein wenig zugeknöpft, doch für Professional audio Magazin machten sie eine Ausnahme.
Es sieht nicht gerade aus wie im Silicon Valley. Eingerahmt von einem Supermarkt und einem Baumarkt liegt das Firmengebäude von Creamware inmitten eines Gewerbegebietes, das früher ein riesiger Fabrikkomplex war. Rote Backsteinbauten beherbergen viele kleine und mittelständische Firmen. Es weht Handwerksbetriebe abei den Charme von Geschichte, aber auch rnehmen, Autoglasereien und weiteren Handwerksbso etwas wie historischer Charme übers Gelände, was nicht so recht zum Bild einer modernen und ambitionierten Firma passt. Der Eindruck wird beim Betreten des Firmengebäudes noch verstärkt. Hochglanz-Büros mit Designer-Möbeln vor großzügigen Glasflächen – Fehlanzeige. Stattdessen herrscht in den Büros jenes gepflegte Chaos, von dem der Kenner weiß, dass es seinen Verursachern als kreativ gilt.
Doch hier sind nicht nur der Thinktank des innovationsfreudigen Unternehmens, sondern auch die Fertigung – sämtliche Creamware Produkte sind Made in Germany – sowie die Qualitätssicherung. Hier also, im Herzen des Unternehmens, geben uns die Firmengründer Wolf Roth, verantwortlich für die geschäftlichen Belange, und Frank Hund, Leiter der Entwicklung, Einblick in die Geschichte und Philosophie von Creamware.
Zeitsprung: Wir schreiben das Jahr 1991. An Sequenzer mit umfangreicher Audio-Funktionalität und Soundkarten mit hochwertigen Wandlern ist noch nicht zu denken. Als einziger ernstzunehmender Computer für Musikanwendungen gilt der Atari ST, der allerdings nur MIDI-Daten aufzeichnet. Zur analogen Bandmaschine existierte noch keine bezahlbare digitale Alternative, und ein Mitsubishi-PCM-System kostet eine stolze sechsstellige Summe. Zwar gibt es schon PCI-Soundkarten für den PC, doch die enttäuschen durch mangelnde Klangqualität und mickrige Abtastraten. Fürs professionelle Recording sind sie keinesfalls geeignet.
Da entdeckt der Bonner Informatik-Student Frank Hund, dass die Wandler von DAT-Recordern im Vergleich zu PCI-Soundkarten ungleich bessere klangliche Ergebnisse erzielen. Zusammen mit ein paar Kommilitonen und gestärkt durch das technische Know-how einiger Studenten der TU Aachen, entwickelt er eine PCI-Karte mit digitalem optischem Anschluss, an die sich ein DAT-Recorder anschließen lässt. Es ist die Geburtsstunde des ersten digitalen PCI-Audio-Interface.
Grundgedanke dabei ist, die qualitativ ungleich besseren Wandler des DAT-Recorders für Recording-Zwecke zu nutzen und mit Hilfe von Software eine DAW zu entwickeln mit der es möglich ist, auf der PC-Ebene Produktionen herzustellen. Das System aus PCI-Karte und Software kommt dann 1992 unter dem Namen Triple DAT auf den Markt. Die dazu erhältliche Software gestattet die Aufnahme, den Schnitt und das Mixing/Mastering von Audio-Daten. Die Daten werden dabei nicht destruktiv verarbeitet, was damals als revolutionär gilt, Triple DAT läuft vielmehr als eine rein native Lösung. Das heißt, der PC erledigt eigenständig die Berechnung der Daten. Da man mit diesen Ideen quasi Pionierarbeit leistet, muss auch ein eigener Treiber entwickelt werden.