Ein guter Übersetzer ist bemüht, das Original möglichst genau in eine andere Sprache zu übertragen – vergleichbar arbeitet ein guter Digitalwandler. Die Wandler von Lavry Engineering aus den USA sollen insoweit keine Wünsche offen lassen. Ob auch der kleine, zwei-kanalige DA 10 diesem hohen Anspruch gerecht wird, zeigt dieser Test.
Dan Lavry, der Kopf hinter Lavry Engineering mit Firmensitz im US-Bundesstaat Washington, gilt unter Kennern als einer der Pro-Audio-Päpste. Als Mann der ersten Stunde entwickelte er bereits in der Frühzeit der digitalen Audiotechnik, also in den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts, 16 Bit Analog-Digital-Wandler und 18 Bit Digital-Analog-Wandler und fand mit Studioausrüstern wie Ampex und Otari dankbare Abnehmer. Maßgeblich beteiligt war er später bei der Entwicklung der ersten AD-/DA-Wandler von Apogee. Bis dahin hatte das Unternehmen lediglich digitale Filter hergestellt. 1993 trennten sich die Wege von Apogee und Lavry. Er gründete sein eigenes Unternehmen und setze nach eigenem Bekunden seitdem alles daran, den ultimativen Wandler zu entwickeln. Ergebnis dieser selbst gesetzten hohen Messlatte waren die Modelle der Gold-Serie, die bei professionellen Anwendern einen vorzüglichen Ruf genügen. Damit auch weniger Betuchte in den Genuss eines Lavry-Wandlers kommen können – der Gold DA924 beispielsweise kostet knapp 10.000 Euro - , brachte das Unternehmen zunächst die Blue-Serie und zuletzt die Black-Serie heraus. Leztere markiert das untere Ende der Lavry-Preisskala. Bisher gibt es ein Gerät in dieser Baureihe, den hier getesteten Digital-Analog-Wandler DA 10, der mit rund 1.100 Euro zu Buche schlägt.
Wie alle Wandler aus dem Hause Lavry verarbeitet auch der DA 10 Signale bei einer Auflösung von 24 Bit Samplingraten bis maximal 96 Kilohertz. Der verbaute Wandler, übrigens ein Standardwandler von Analog Devices, ist zwar auf 192 Kilohertz ausgelegt, nach Auffassung von Dan Lavry bringe diese Samplingrate aber keine Vorteile mehr, da bislang kein Gerät hinsichtlich Geschwindigkeit und Genauigkeit bei dieser höchsten Abtastung befriedigend arbeiten könne. Allerdings soll ein Wandler, der auf die Samplingrate von 192 Kilohertz ausgelegt ist, bei 96 Kilohertz sehr präzise arbeiten. Besser sei ohnehin eine Erhöhung der Wortbreite auf 32 Bit, woran bereits gearbeitet werde.
Auch beim DA 10, der Signale im AES/EBU, S/PDIF und im ADAT-Format emfangen und bearbeiten kann, verzichtet der Hersteller nicht auf den patentierten, so genannten Chrystal-Mode. Dahinter verbirgt sich ein DSP-gesteuerter Oszillator, der besonders genau und präzise arbeitend, den Jitter bei Standard-Samplingraten von 44,1, 48, 88,2 und 96 Kilohertz so gering wie möglich halten soll. Solange ein Stereo-Signal bei diesen Frequenzen gewandelt wird, sollte der Chrystal-Mode aktiviert sein. Bei abweichenden Samplingfrequenzen, empfiehlt sich die Einstellung „Wide“: Der DA 10 ist nun in der Lage, alle Sampling-Frequenzen im Bereich von 30 bis 200 Kilohertz zu verarbeiten.
Das gut verarbeitete Metall-Gehäuse des DA 10 im halben 19 Zoll-Format kommt ohne optischen Schnick-Schnack aus und beschränkt sich auf das Wesentliche. Die Frontplatte ist aufgeräumt und die Bedienelemente sind übersichtlich angeordnet. Der Netzschalter erfordert schon einen kräftigen Druck um einzurasten, anderenfalls springt er, trotz deutlich fühlbarem Druckpunkt, sofort wieder zurück. Über vier kleine, gut zu bedienende Kippschlater wird der DA 10 konfiguriert. Über den mit „Input“ beschrifteten Schalter wählt man die Art des Eingangs vor: Für AES –Signale gibt es die Schalterstellung „XLR“, „Optical“ ist für die optische Schnittstelle und die Verbindung via Toslink-Kabel vorgesehen. Um Signale im S/PDIF-Format zu wandeln, ist der Schalter entsprechend auf „RCA“ zu stellen. Über den mit PLL-Mode bezeichnete Kippschalter rechts neben dem Eingangs-Wahlschalter stellt man die Art der Taktsynchronisation ein: Entweder – abhängig von der Samplingrate - „Chrystal“ oder „Wide“, solange der DA 10 Stereosignale wandelt. Arbeitet man mit mehreren DA 10 parallel verwenden, empfiehlt sich die dritte Schalterstellung „Narrow“, allerdings verarbeitet der DA 10 dann auch nur bei den Standard-Samplingraten von 44, 1 bis 96 Kilohertz.