Der Einsatz von gesampelten Phrasen klingt oft recht statisch. Das gilt nicht, wenn Sie mit der Liquid Instruments-Reihe von Überschall arbeiten. Und die Library The Voice Volume 2 befreit nun endlich auch die Gesangsstimmen. Was sich alles damit anstellen lässt, testet Professional audio Magazin.
The Voice Volume 2 ist in erster Linie eine Sample Library. Doch so ganz stimmt das nicht, denn die Libraries der Liquid Instruments Reihe zeichnen sich dadurch aus, dass sich Samples eben nicht nur abspielen lassen. Sie können auch die Struktur eines Samples verändern, ebenso Teile eines Samples in Tonhöhe und -dauer, und das ohne klangliche Verluste. Im Vergleich zu anderen Sample-Libraries, die mit Datenmengen im zwei- bis dreistelligen Gigabyte-Bereich aufwarten, kommt The Voice Volume 2 mit knapp drei Gigabyte aus. In Zusam-menarbeit mit der Firma Celemony – Entwickler der Melodyne-Software – wurde für die Liquid Instruments Reihe das soge-nannte Liquid Instruments Series-Plug-in (LIS) geschaffen. Bis dato sind Libraries mit Klängen von E-Bässen, Saxophonen, Blechbläsern und Gitarren-Klängen speziell für das LIS-Plug-in erschienen, die nur im Verbund mit diesem spielbar sind. Wer jetzt denkt, dass er für diese Hybridform aus Library und virtuel-lem Instrument Unsummen ausgeben muss, der irrt: Für knapp 170 Euro gibt es die Library; damit dürfte sie auch für Homerecordler mit schmalem Geldbeutel attraktiv sein.
Die Library enthält über 300 Phrasen in einer Länge von zwei bis acht Takten, was die Bereiche Pop, Rhythm and Blues und neutrale Bereiche abdeckt. Haupt-Einsatzzweck dieser Samples: ein- und mehrstimmige Background-Vocals und Gesangslinien bereitzustellen. Von den üblichen Gesangs-Darbietungen mit den berühmten „Oohs“, „Aahs“ und „Uuhs“ bis hin zu Standards wie dem sattsam bekannten „La la“ und „Yeah“ findet sich in der Library darüber hinaus ein reichhaltiges Repertoire an „Dubi Du“-Artikulationen in allen Variationen. Pro Phrase liegen acht Einzelsamples mit einstimmigen Melodien vor, die jeweils zur Hälfte von einer weiblichen und einer männlichen Stimme eingesungen sind. Die Samples entstanden ohne Einsatz von Effekten. Eine Vorbemerkung ist jedoch nötig: Um mit den Liquid Instruments sachgemäß umgehen zu können, sind Kenntnisse in Harmonielehre erforderlich. Das bloße Abspielen der Samples in Rohform oder blindes Editieren an den Parametern führt zu unbefriedigenden Ergebnissen. Erst mit gekonnten Eingriffen in die Regelmöglichkeiten des LIS-Plug-ins offenbaren sich die Möglichkeiten dieser Library.
Nach Installation des LIS-Plug-ins – wahlweise als VST-, AU-, RTAS-, DXi, oder Stand-alone-Version – und dem Kopieren der Samples muss im Setup-Menü zuerst der Pfad zu den Daten bestimmt und die Registrierung vorgenommen werden. Dort lässt sich auch einstellen, ob sich das Plug-in auf das Tempo des Sequenzers synchronisieren soll.