Wo gehobelt wird, fallen Späne. Vor Jahren hätte jeder Gitarrenbauer diese Aussage blind unterschrieben, und dann die kreischende Frä-se in den handselektierten Ahornkorpus getrieben. Doch die Zeiten haben sich geändert: mit der Variax Workbench von Line 6, kann selbst der Holzstauballergiker seine eigene Costum-Shop-Gitarre entwerfen und zwar ganz einfach vor dem Bildschirm des heimischen Computers.
Der allgemeine Trend, der nicht zuletzt mit Verstärkeremulationen á la POD, Guitar Rig oder Amplitupe vorangetrieben wird, hat mit den digitalen Variax-Gitarren von Line 6 längst Einzug in die Instrumentenwelt genommen. All-In-One-Lösungen stehen bei vielen hoch im Kurs und sind klanglich, durch die ständig besser werdende Algorithmen, schon lange nicht mehr zu verachten. Das gilt auch für das Lager der Gitarristen. Für diese besondere Spezies unter den Musikern haben sich die innovativen Entwickler aus England das Ziel gesetzt, den Sound verschiedener Klassiker aus der Geschichte des Gitarrenbaus in einer Gitarre zusammen zu fassen. Basierend auf den Originalen, wie einer 1959er Stratocaster, einer 1952er Gibson Les Paul Gold Top, einer Gretsch 6120 aus dem selben Jahr oder Akus-tikgitarren wie einer 1967er Martin O-18 oder einer 1935er Dobro (Model 32), werden insgesamt 28 verschiedene Gitarrenmodelle in einer Variax simuliert. Um das zu erreichen mussten zuerst die physikalischen Eigenschaften der tonverändernden Elemente einer Gitarre analysiert werden, um sie dann durch Algorithmen digital nachzubilden. Dabei spielten die verwendeten Hölzer, die Korpusformen, die Tonabnehmer und Potis, sowie die Bauweise der verschiedenen Modelle die entscheidende Rolle. Hinzu kam noch die schwer nachzubildende Wechselwirkung der einzelnen Elemente untereinander. Die Entwickler stellten auf diese Weise quasi die akustischen Ebenbilder der berühmten Originale her. Die umfangreiche Grundlagenforschung kommt den Innovatoren jetzt zu gute. Mit der Variax Workbench stellt Line 6 als Ergebnis eine neue Bearbei-tungssoftware, speziell für ihre eigenen digitalen Variax-Gitarren vor. Mit dem 122 Euro teuren Produkt für MAC und PC lassen sich die Variax-Gitarren mit deren bereits gespeicherten Gitarrenmodellen, detailliert modifizieren. Außerdem sind eigene virtuelle Kreationen, teilweise über die physikalisch machbaren Grenzen hinaus, möglich. Die Software macht Sie zum frisch gewachsenen, virtuellen Gitarrenbauer.
Die Variax Workbench funktioniert nur im Zusammenhang mit einer Gitarre der Line 6 Variax-Serie. Die Mindestanforderungen laut Hersteller für ein Windows-XP oder -2000-System sind ein Pentium III Prozessor, mit mindestens 500 MHz, 128 MB RAM, 100 MB freiem Speicherplatz, einer Internetverbindung, sowie einem freien USB-Anschluss. Ein G3, mit mindestens OS X 10.3 und ansonsten gleichen Voraussetzungen, wird für MAC-User vorausgesetzt. Die Software ist schnell installiert. Während des Installationsprozesses wird durch die Update-Applikatioen, dem so genannten Line 6 Monkey, automatisch die Firmware der angeschlossenen Gitarre über die Internetverbindung aktualisiert. Dafür muss vorher das USB-Interface der Workbench auf der einen Seite mit dem Computer und auf der anderen Seite, über das RJ-45 Netzwerkkabel, an die Gitarre angeschlossen werden. Mit Hilfe eines TRS-Kabel wird die Gitarre über die Verbindung mit dem XPS-Fußtaster mit Strom versorgt. Ein weiteres Kabel verbindet den Eingang des Gitarrenverstärkers mit dem XPS-Fußtaster und das System ist einsatzbereit. Zugegebener Maßen ein ziemliches Kabelchaos, aber dafür entsteht auch später beim Gitarrenbau kein lästiger Holzstaub.