Test: Virtuelles Instrument Arturia Analog Factory

Aus sechs mach eins

Klänge von sechs Synthesizer-Legenden sind in Arturias jüngstem Produkt, der Analog Factory, enthalten. Man meint, solch eine geballte Leistung erfordert entweder Zugeständnisse in der Klanggestaltung oder sie müsste sündhaft teuer sein. Doch Wunder über Wunder: Analog Factory ist weder das eine noch das andere.

Von Georg Berger

Würde es sich bei Analog Factory um eine Audio-CD handeln, träfe das Prädikat „Best of“ exakt. Denn ausgehend von den bekannten virtuellen Analog-Synthesizern der französischen Software-Schmiede Arturia ist nun eine Synthesizer-Workstation entstanden, die 2.000 analoge Klänge emuliert. Sie basiert auf den Produkten ARP 2600 V, Minimoog V, Moog Modular V, CS-80 V sowie Prophet V mit den beiden Nachbildungen des Sequential Circuits Prophet 5 und VS. Analog Factory ist jedoch kein schlichter Sample-Player sondern ein eigenständiges virtuelles Instrument. Wie bei den zuvor genannten Produkten kommt dabei auch die von Arturia entwickelte TAE-Technologie zum Einsatz, die als quasi eigene Software-Engine die Bausteine analoger Klangerzeuger emuliert. Über 20 Musiker und Sound-Designer – als prominenteste Vertreter seien Klaus Schulze und Geoff Downes (The Buggles, Yes, Asia) genannt – zeichnen für die Programmierung der einzelnen Presets verantwortlich. Werksklänge der Original-Synthesizer sind allerdings nicht enthalten. Wie die zuvor genannten Einzelprodukte ist auch die Analog Factory für knapp 200 Euro erhältlich.

Es liegt in der Natur einer Synthesizer-Workstation, dass die Möglichkeiten zur Veränderung der Klänge im Vergleich zu einem reinrassigen Klangerzeuger eingeschränkt sind. Der Hauptaspekt liegt im Abspielen der Presets. Das gilt auch für die Analog Factory, und so fallen die Eingriffsmöglichkeiten im Vergleich zu den erwähnten Einzelprodukten mit insgesamt lediglich 14 Reglern eher spartanisch aus. Dennoch lassen sich damit die Presets teils drastisch verändern und gewährleisten eine für diese Art von Klängen erwünschte Lebendigkeit. Standards wie das Einstellen von Filter-Eckfrequenz und -Resonanz sind  dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Nach Installation und erstem Aufruf der Software zeigt sich, für Arturia typisch, die fotorealistische Darstellung eines Instrumentes mit zwei voneinander getrennten Sektionen. Im oberen Teil findet sich der Preset-Manager, der zur Auswahl, Suche und Sortierung der Klänge dient. Der untere Teil enthält ein Keyboard von zweieinhalb Oktaven mit dem obligatorischen Pitch-Bend- und Modulationsrad, sowie elf virtuellen Drehreglern, acht Tastern und vier Schiebereglern, die zur Veränderung eines geladenen Klangs dienen. Die Bedienoberfläche lässt sich, wiederum typisch, in einer nett anzuschauenden Animation – bei Bedarf abschaltbar – verändern, so dass entweder nur das Keyboard, oder der Preset-Manager oder beide Teile zusammen erscheinen.

Sämtliche Parameter der Keyboard-Sektion lassen sich über die Host-Automation eines Sequenzers fernsteuern. Darüber hinaus können den Reglern eigene MIDI-Controller-Nummern zugewiesen werden. Dies dürfte vor allem für diejenigen Klangtüftler interessant sein, die ihre Analog Factory stand-alone im Live-Einsatz betreiben und simultan beim Spiel in den Klang eingreifen wollen.

Die erste Anlaufstelle zum Betrieb von Analog Factory ist der Preset-Manager. Das dreigeteilte Fenster erlaubt nicht nur die Auswahl und das Laden der Sounds, sondern auch noch die intelligente Vorsortierung der Klänge nach unterschiedlichen Kriterien. Dies geschieht im linken Teil des Managers. Drei Kategorien – Instrument, Typ und Charakter – sind dort enthalten, die eine gezielte Auswahl von Presets ermöglichen. Es lassen sich additiv in jeder Kategorie mehrere Einträge auswählen, die das Ergebnis entsprechend beeinflussen.

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