Interview Andreas Spreer (Tacet)

„Ein Tonträger ist ein eigenes Kunstwerk“

Wenn inspirierte Musiker und ein detailverliebter Tonmeister zusammenarbeiten, entstehen klingende Kunstwerke. So auch bei Tacet, dem audiophilen Klassik-Label aus Stuttgart-Bad Canstatt. 

Von Harald Wittig

Die Tacet-Produktionen auf CD, LP, SACD oder DVD-Audio werden gemeinhin hoch geschätzt und gelten bei Eingeweihten als Synonym für ein audiophiles Musikerlebnis. Andreas Spreer, Gründer, Inhaber und Tonmeister von Tacet beschreibt den Klang seiner Produktionen selbst als sinnlich und subtil. Um diesen besonderen Klang zu erreichen, bevorzugt Spreer die Röhrentechnik, macht sogar weiterhin voll analoge Aufnahmen und ist gleichzeitig auch allem Neuen gegenüber aufgeschlossen. So setzt Spreer seit Ende der 90er Jahre auf die Mehrkanaligkeit bei DVD-Audios. Mit dem von ihm entwickelten Mehrkanal-Verfahren Real Surround Sound und seiner Weiterentwicklung Movin Surround Sound ist er Pionier und Vorreiter bei der kreativen Nutzung der modernen Mehrkanaltechnik. Dabei bestimmen ästhetische und künstlerische Grundkonzepte, die Andreas Spreer von Anbeginn leiten, sämtliche Tacet-Produktionen. 

? Herr Spreer, können Sie unseren Lesern Ihren Werdegang und die Entwicklung von Tacet beschreiben?

Angefangen hat das ganze bei Intercord, hier in Stuttgart. Ich habe von 1976 bis 1981 in Detmold Tonmeister studiert und kam nach meinem Abschluss zu Intercord. Dort arbeitete ich von 1981 bis 1989. Zuständig war ich für die Serienkontrolle und hatte zunächst den Eindruck, dafür als Diplom-Tonmeister überqualifiziert und zu gut ausgebildet zu sein. Aber im Nachhinein habe ich erkannt, dass das überhaupt nicht stimmt. Bei Intercord arbeiteten alle mit einer enormen Detailverliebtheit, die ich völlig absobiert habe. Wenn ich mich in ein Projekt reingefressen habe, dann merke ich jedes Mal, wie gerne ich an kleinsten Details arbeite.

? 1989 machten Sie sich selbständig und gründeten Tacet. Waren Sie nicht mehr zufrieden bei Intercord?

Na ja, die Alltagsarbeit wurde auf Dauer schon langweilig: Ich saß die meiste Zeit im Keller und durfte mir Platten und Bänder anhören. Selbst Aufnahmen machen, war eher die Ausnahme – vielleicht so ein, zwei Klassikaufnahmen pro Jahr. Aber gerade die machten mir richtig Spaß. Das war der Auslöser, denn immerhin bin ich Tonmeister. So habe ich mich selbständig gemacht und Tacet gegründet.

? Wie kamen Sie auf diesen Namen?

Intercord hatte viel mit dem Label ‚Mute’ der Band Depeche Mode zu tun und ich fand schon immer, dass das ein Klassename für ein Label ist. ‚Mute’ bedeutet ‚stumm’ und dieses Paradoxon für ein Unternehmen, das Tonträger, also klingende Produkte herstellt, fand ich klasse. Nun, ‚Mute’ war schon vergeben, ich überlegte lange und kam auf ‚Tacet’, was im Grunde das gleiche bedeutet. Es ist ein Begriff aus der Musik – ‚tacet’ heißt ‚er schweigt’: Es steht in den Noten, wenn ein Instrument nichts zu spielen hat. Denken Sie beispielsweise an ein Streichquartett. Die ersten beiden Sätze spielen alle zusammen, beim nachfolgenden Menuett hat dann die zweite Violine auf einmal gar nichts zu tun. Da wir Klassik-Produktionen machen passt ‚Tacet’. Das andere ist: Dieses Paradoxon, das in dem Wort zum Ausdruck kommt, fand ich per se so spannend, so dass ich bei einigen Produktionen sogar versucht habe, genau dies umzusetzen.

? Wie hört sich das dann an?

Beispielsweise gibt es von uns die Platte ‚Das Mikrofon’: Hier geht es darum, das hörbar zu machen, was sonst in der Regel unhörbar bleibt – die Mikrofone eben. ? Was ist die eigentliche Zielrichtung von Tacet und welches ästhetische Konzept steht hinter dem Label? ! Wir möchten Musik so vermitteln, dass ...

Abonnenten können ab hier weiterlesen - alle Artikel sind für sie freigeschaltet.

 

Für registrierte Extended-User sind MyPaM- HTML-Web-Artikel immer bis zur jeweils vorletzten Ausgabe freigeschaltet.
Noch keine Extended-User? Registrieren Sie sich kostenlos und unverbindlich hier. Und viel Spaß beim Lesen.

Zum Einloggen geben Sie in der MyPaM-Box im Header-Bereich unter "Name" Ihren Benutzernamen ein und unter "Passwort" das Passwort aus der Bestätigungsemail Ihres Abonnements/ Ihrer Extended User Anmeldung ein.